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    Die Befürchtungen, dass morgen ein Krieg zwischen den USA und Nordkorea ausbricht, teilt der russische Militärexperte Wladimir Jewsejew nicht. Er zweifelt auch an einem amerikanischen Präventivschlag, um Lagerplätze von Atomsprengköpfen und Raketen zu vernichten, und zwar aus dem einfachen Grund, dass die Amerikaner diese Orte nicht kennen.

    Auf einer Pressekonferenz in Moskau begründete der Experte dies damit, dass ein Großteil der nordkoreanischen Raketenstartrampen unter der Erde platziert ist und die Raketen in Tunnels gelagert werden, aus denen sie herausfahren. „Folglich sind die Orte unbekannt, die getroffen werden müssten, um einen Zweitschlag der Koreaner auszuschließen.“

    Das amerikanische Raketenabwehrsystem THAAD, das auf südkoreanischem Boden stationiert ist, verfügt über eine beschränkte Reichweite und kann nicht einmal Seoul schützen. Es schützt nur die amerikanischen Stützpunkte. „Deshalb würde in erster Linie Südkorea für einen Präventivschlag der USA büßen müssen, denn die nordkoreanischen Raketen werden dieses Land auf jeden Fall erreichen. Inzwischen liegen sogar die USA mit den Hawaii-Inseln innerhalb ihrer Reichweite. Und sie überfliegen bereits Japan.“

    Der Militärexperte behauptete:

    „Wäre die amerikanische Raketenabwehr in der Lage, diese Raketen abzufangen, hätten die USA dies auch getan. Doch haben sie Bedenken, ihren Raketenschirm zu benutzen, da das Abfangen missglücken könnte. Das wäre für die USA eine furchtbare Blamage und ein Imageverlust.“

    Im vergangenen Sommer besuchte Jewsejew die demilitarisierte Zone, die beide koreanische Staaten voneinander trennt, und hat nichts von einem herannahenden Krieg gespürt. Der Haken liegt ihm zufolge jedoch darin, „dass die Demokratische Volksrepublik Korea wegen der Politik der Sanktionen und des ständigen Drucks auf sie ihr Atomraketenpotential schlagartig ausgebaut hat.“

    Man sollte, so der Experte, noch vor Beginn der Olympischen Spiele in Pyeongchang sechsseitige Verhandlungen zur Einschränkung des nordkoreanischen Atomraketenpotentials unter Einbeziehung der USA, Russlands, Chinas, Japans und der beiden koreanischen Staaten starten, um die Olympiade in Südkorea nicht platzen zu lassen.

    Es gelte dabei ein einheitliches Angebot an Nordkorea zu vereinbaren. In Pjöngjang wünsche man sich dagegen direkte Verhandlungen mit Washington, so Jewsejew weiter. „Die USA wollen aber dieses Zugeständnis nicht machen, könnten jedoch zusammen mit anderen Verhandlungsteilnehmern auftreten.“

    Um die Spannung auf der koreanischen Halbinsel abzubauen, schlägt der Experte vor, die Produktion von Waffenplutonium in Nordkorea einzuschränken, und begründet dies wie folgt:

    „Die Produktionsstätte ist bekannt. Es ist der Graphit-Gas-Reaktor in Yongbyon. Dort könnten an den Stellen, wo die Brennstäbe entnommen werden, Kameras der IAEO installiert werden. Diese Kameras könnten eine eventuelle Erzeugung von Waffenplutonium nachweisen, das für nukleare Sprengköpfe verwendet wird.“

    Jewsejew hält es ferner für notwendig, die Herstellung der Feststoffraketen „Polarstern 1“ für U-Boote und der landgestützten Raketen „Polarstern 2“ einzuschränken, von denen eine reale Gefahr ausgehe. „Es wäre wünschenswert, ihre Starts und die Kernwaffentests für die Zeit der Verhandlungen auszusetzen.“

    Dennoch verweist der Experte auf den für die Verhandlungen ungünstigen Hintergrund: die Durchführung großangelegter amerikanisch-südkoreanischer Truppenübungen. „Es geht um die Beteiligung einiger Hunderttausend Soldaten, die faktisch Aufgaben zum Sturz von Kim Jong-un erfüllen, und dies löst eine Gegenreaktion aus.“

    Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    Analyse, Krieg, Raketenabwehr, Perspektiven, Luftabwehrsystem THAAD, USA, Nordkorea