03:14 14 Dezember 2017
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    Russian President Vladimir Putin and Turkish President Recep Tayyip Erdogan, right, at a news conference following the Russian-Turkish talks in AnkaraRusslands Präsident Wladimir Putin und der türkische Präsident Tayyip Erdogan

    „Beziehungen auf neuem Niveau“ – Worin gründet die russisch-türkische Annäherung?

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    In der letzten Zeit kommt es im Zuge der Verbesserung der russisch-türkischen Beziehungen regelmäßig zu Treffen zwischen den Präsidenten der beiden Länder. Nejat Kocer, Pressesprecher der türkischen Haushaltskommission, hat für Sputnik die Gründe für die neue Annäherung zwischen Moskau und Ankara kommentiert.

    Am 13. November trafen sich in Sotschi der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan, um die russisch-türkischen Beziehungen zu besprechen. Nun wurde bekannt, dass ein weiteres Treffen bereits am 22. November stattfinden soll, wenn sich die Staatchefs Russlands, der Türkei und des Iran ebenfalls in Sotschi zu trilateralen Gesprächen zusammenfinden.

    Zu den anvisierten Gesprächsthemen zählt eine breite Palette von internationalen wirtschaftlichen und politischen Themen, von den russisch-türkischen Verträgen zu den S-400-Lieferungen und dem Bau der Gaspipeline Turkish Stream über den Bau des ersten türkischen Atomkraftwerkes in Akkuyu bis hin zur Koordinierung der Maßnahmen der drei Länder im Syrien-Krieg.

    Wie nun das Mitglied der türkischen Haushaltskommission und Mitglied der Regierungspartei AKP (Die Adalet ve Kalkınma Partisi, dt.: Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung) Nejat Kocer für Sputik kommentierte, sind diese Treffen ein eindeutiges Signal dafür, dass die Krise in den Beziehungen zwischen Russland und der Türkei vom Jahr 2015 nicht nur überwunden sei, sondern sich diese auch auf eine qualitativ neue Ebene entwickelt hätten.

    Kocer weist dabei darauf hin, dass eine vergleichbar schnelle Verbesserung der Beziehungen nach einem solch gravierenden Vorfall, wie es der Abschuss eines russischen Bombers über Syrien war, in der internationalen Praxis äußerst selten vorkomme.

    Gerade deshalb seien diese Treffen von großer Bedeutung. Auch wenn es paradox klingen möge, gerade diese Krise habe zu einer Annäherung der beiden Präsidenten geführt, so Kocer.

    „Wir haben eine schwierige Phase erlebt, im Moment ist aber ein sich schnell entwickelnder positiver Prozess in den bilateralen Beziehungen offensichtlich. Die Wunden sind geheilt“, erklärte der türkische Parlamentarier.

    Zudem sei unter diesen Bedingungen ein noch viel größerer Ausbau der Beziehungen möglich. Im Moment liege die Vision für den russisch-türkischen Handelsumsatz bei 100 Milliarden US-Dollar – genau diese Summe sei von Putin und Erdogan bei ihren Gesprächen angepeilt worden.

    Insbesondere im Bereich der Energiesicherheit gebe es einen sichtbaren Fortschritt. Nicht zuletzt sei es der vereinbarte Bau eines Atomkraftwerkes in der Türkei, der von russischen Spezialisten durchgeführt werden soll.

    „Die Türkei braucht einen Durchbruch in der Diversifizierung ihrer Energiepolitik. Wir warten daher mit Ungeduld auf den Beginn des Fundamentbaus für das Atomkraftwerk in Akkuyu“, betonte Kocer.

    Beidseitig profitable und wachsende Wirtschaftsbeziehungen basierend auf gegenseitigem Respekt seien der Kernpunkt der angestrebten Beziehungen.

    Ebenfalls erfordere die Situation im Schwarzen Meer und der gesamten Region eine gemeinsame Politik. Dies alles zeige, dass sogar noch ein höheres Niveau der bilateralen Beziehungen möglich wäre.

    Eine ähnliche Meinung vertritt auch der türkische Journalist Cenk Baslamis, der lange Zeit in Russland gearbeitet hatte.

    Direkt nach dem Abschuss des russischen Fliegers seien die Beziehungen für acht Monate eingefroren gewesen. Doch nachdem die Krise überwunden worden war, hätten beide Seiten ihr Bestes gegeben, um sie wieder aufzubauen.

    „Betrachtet man, wie die Beziehungen Ende 2015 waren und wie sie jetzt sind, so kann man den großen Weg nicht leugnen, den sie innerhalb der letzten zwei Jahre überwinden konnten“, betont der Journalist.

    Zudem ist laut Baslamis auch von Interesse, dass viele der Treffen zwischen den beiden Staatschefs nicht etwa im Kreml in Moskau stattfinden würden, sondern im südrussischen Sotschi – einem Urlaubsort. Das zeige, dass die Verhandlungen gezielt in informelle, fast schon freundschaftliche Rahmen gesetzt werden, um so auch größere Erfolge erzielen zu können.

    Den freundschaftlichen Rahmen konnte der Journalist nach seiner eigenen Aussage auch persönlich erleben. Als er in Moskau gearbeitet hätte, sei er bei Treffen von Putin und Erdogan dabei gewesen und habe „die existierende Chemie“ zwischen den beiden gesehen.

    Baslamis hebt auch hervor, dass als ein wichtiger Baustein in der Verbesserung der beidseitigen Beziehungen die Situation nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei angesehen werden könnte.

    Die Unterstützung der Türkei durch den russischen Präsidenten am Tag des Putschversuchs vom 15. Juli und die Zeit danach hätten eine entscheidende Rolle gespielt. Während sich die Beziehungen der Türkei zum Westen rapide verschlechterten, begann zwischen Moskau und Ankara ein neuer Prozess der Kooperation.

    „Die Tatsache, dass Putin einer der ersten Staatschefs war, der seine Unterstützung an Ankara nach dem versuchten Staatsstreich geäußert hatte, die Verhandlungsgespräche in Astana sowie die Vereinbarung zum Kauf der S-400 haben eine entscheidende Rolle in der Annäherung der beiden Länder gespielt“, resümiert der Journalist.

    Im Laufe des letzten Jahres ist es zu einer deutlichen Verschlechterung der Beziehungen zwischen Ankara und dem Westen gekommen.

    Nach einem gescheiterten Militärputsch vom Juli 2016 fand im April dieses Jahres in der Türkei ein Verfassungsreferendum statt, aus dem die Anhänger des Übergangs von der parlamentarischen zur präsidialen Regierungsform als Sieger hervorgingen. Das Referendum wurde in Europa heftig kritisiert.

    Gleichzeitig nähern sich Russland und die Türkei immer weiter an und haben mittlerweile auch ihre Syrien-Politik weitestgehend auf einen Nenner gebracht und ihre Maßnahmen koordiniert.

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    Militärputsch, Internationale Beziehungen, Verbesserung, Recep Tayyip Erdogan, Wladimir Putin, Türkei, Russland
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