16:56 12 Dezember 2017
SNA Radio
    Afghanistans Sondertruppen (Archiv)

    Als Patriot sterben oder ins Ausland fliehen – was wählen afghanische Soldaten?

    © AP Photo/ Rahmat Gul
    Politik
    Zum Kurzlink
    31317

    Über 150 afghanische Militärs und Polizisten sind bei Fortbildungen in den USA in den Jahren 2005 bis 2017 fahnenflüchtig geworden, wie der Sondergeneralinspekteur für den Wiederaufbau Afghanistans in einem Bericht bekannt gibt. Die Deserteure seien eine Gefahr für Afghanistan selbst und für US-Bürger, heißt es in dem Report.

    Dass „einige“ afghanische Militärs aus ihren Fortbildungen in den USA nicht zurückgekehrt seien, habe es in der Tat gegeben, sagte der Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums, Generalmajor Doulat Vaziri, im Sputnik-Gespräch.

    Doch das Ministerium habe darauf entsprechend reagiert:

    „Zu Fortbildungen werden nur Offiziere entsandt, die unser Vertrauen genießen – und nur, wenn zwei weitere Menschen für seine Rückkehr bürgen. Kommt er nicht zurück, müssen sie die Kosten seiner Fortbildung im Ausland komplett übernehmen. Und wenn der Fahnenflüchtige im Ausland entdeckt wird, wird er nach Afghanistan zurückgebracht“, erklärte der General.

    Seit dieser Neuregelung sei die Zahl der Fahnenflüchtigen deutlich zurückgegangen.

    Die afghanische Abgeordnete Nazife Zaki sieht die Situation jedoch weniger optimistisch: „Weil die Sicherheitslage sich verschlechtert, nutzen viele Afghanen jede erdenkliche Möglichkeit, um das Land zu verlassen – nicht nur die Fortbildungen oder Praktika im Ausland, sondern auch sehr gefährliche Wege mit hohem Risiko. Schließlich haben viele Afghanen ihre Angehörigen verloren und haben Angst.“

    So seien die Fahnenflüchtigen dem Militär meist nur beigetreten, um die Fortbildungen eben dafür zu benutzen. Zwar gebe es auch echte Patrioten, die ihre Heimat niemals im Stich lassen würden. Doch: „Die neue US-Strategie in Afghanistan hat die Lage spürbar verschlechtert. Immer häufiger werden auf die Armee und die Zivilbevölkerung Anschläge verübt – von Terrorgruppierungen, die aus Pakistan Unterstützung erhalten. Wenn die Krise und der Krieg in Afghanistan weitergehen, wird die Flucht noch zunehmen“, so die Abgeordnete Zaki.

    Zum Thema:

    Knapp 60 Tote bei Doppel-Anschlag in Afghanistan
    Afghanistan: 40 Militärs bei Doppelanschlag vor Armeestützpunkt getötet - Medien
    Trump: "Afghanistan ist Wharton Business School für Terroristen“ – Medien
    Nato räumt Luftangriff auf Zivilisten in Afghanistan ein
    Tags:
    Ausland, Ausbildung, USA, Afghanistan
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren