01:25 15 Dezember 2017
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    Jugoslawiens Soldat bei T-55 Panzer, auf dem Serbien geschrieben ist (Archiv)

    1970er Jahre: Jugoslawien verzichtet auf Bau der Atombombe – blutiger Krieg folgt

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    Politik
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    Unter Titos Führung hatte Jugoslawien schon Mitte der 1970er Jahre alle Mittel für den Bau einer Atombombe. Selbst die landeseigenen Uranvorkommen hätten gereicht. Was hat gefehlt? Nur der politische Wille, sagt der Politologe Filip Kovacevic von der University of San Francisco im Sputnik-Gespräch.

    Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg habe Belgrad mit seinem Atomprogramm angefangen, sagt Professor Kovacevic. Der Wissenschaftler hat nach eigenen Angaben Geheimakten analysiert, die die CIA ihm auf Anfrage ausgehändigt hatte.

    84 Seiten groß war der Bericht – nur ein Bruchteil im Vergleich zu den Unterlagen, die bei den Amerikanern noch unter Verschluss lagern. Dass der US-Geheimdienst so gut über Belgrads Atomprogramm informiert ist, sei kein Wunder: Jugoslawien habe von Beginn an mit den Amerikanern kooperiert, so der Politologe. Dabei seien jugoslawische Fachleute etwa zu Fortbildungen in die Vereinigten Staaten geschickt worden.

    „In Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Geologen wurden auf jugoslawischem Boden 1952 zwei reiche Uranvorkommen entdeckt, in Slowenien und Mazedonien. In einem Dokument vom Juli 1979 heißt es, dass allein die slowenischen Vorkommen rund 300.000 Tonnen Uran jährlich liefern können. Das wäre genug, um 300 Tonnen Uranoxid herzustellen“, sagt der Professor.

    Mit den USA zusammengearbeitet habe Belgrad jedoch nur, wenn es seinen Interessen gedient habe, betont Kovacevic: „Haben die Amerikaner sich geweigert, etwas zu geben, kontaktierte Tito schnell die Russen. Mitte der 1950er Jahre zum Beispiel, da haben die USA es abgelehnt, einen Versuchsreaktor an Jugoslawien zu liefern. Sogleich kaufte Jugoslawien die Technik bei den Sowjets. Ende der 1970er aber vereinbarte Belgrad mit einer US-Firma des ersten Kernreaktors in Jugoslawien. Das war ein kompliziertes Spiel, doch Tito beherrschte es perfekt.“

    Vor zwanzig Jahren dann habe Belgrad einen wichtigen Schritt unternommen, so der Professor, um dem „Atom-Club“ beizutreten: „In einem CIA-Dokument vom Dezember 1975 heißt es, Jugoslawien habe das Potential zu einer Atombombe. Bis 1980 könnte Jugoslawien eine Atombombe bauen.“

    Das Land hätte natürlich noch in eine Anlage zur Uran-Anreicherung investieren müssen – und in den Bau einer Trägerwaffe für die Atombombe. „Alles hing vom politischen Willen der damaligen Führung ab. Und Tito spielte darin wegen Krankheit keine so große Rolle mehr. Offensichtlich sahen die Mitglieder der jugoslawischen Regierung nicht mehr in Jugoslawien, sondern in dessen Teilrepubliken ihre eigene Zukunft“, so der Politologe. „Doch hätte es die Atombombe gegeben, so wäre Jugoslawien der blutige und grausame Zerfall, wie ich denke, erspart geblieben.“

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    Tags:
    Atombombe, Krieg, NATO, Jugoslawien, USA