01:44 24 September 2020
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    Bei der Geschichte rund um den umstrittenen Vortrag eines russischen Schülers im deutschen Bundestag über „unschuldige Wehrmacht-Soldaten“ liegt laut Politiker Andreas Maurer, der im Stadtrat von Quakenbrück (Niedersachsen) die Linke Partei vertritt, nicht die ganze Verantwortung bei dem Jugendlichen selbst.

    Mit seinem Auftritt im Bundestag zum Volkstrauertag hatte der Schüler Nikolaj Dessjatnischenko aus der sibirischen Stadt Nowy Urengoi für große Empörung in Russland gesorgt. Vor allem seine Worte darüber, dass mehrere Wehrmachtssoldaten bei der Schlacht um Stalingrad „unschuldig ums Leben gekommen“ seien, erregte Anstoß. Im Netz meldeten sich Politiker und Kommentatoren zu Wort, um sich gegen den Jungen auszutoben.

    Dessjatnischenko schilderte im Rahmen eines gemeinsamen deutsch-russischen Schulprojekts die Geschichte des Wehrmachtssoldaten Georg Johann Rau, der 1943 im sowjetischen Kriegsgefangenenlager bei Stalingrad ums Leben kam.

    Im Gespräch mit Sputnik am Dienstag erläuterte er, es sei ein großes Missgeschick passiert. „Und dass man jetzt nur diesem Jugendlichen die Verantwortung zuschiebt, wäre verantwortungslos“, so Maurer. Im Vortrag seien „wirklich gravierende Fehler“ gemacht worden, was die Formulierung des Falls angehe. Hier müsse „sehr stark differenziert“ werden. Dabei liegt ihm zufolge die Verantwortung  mehr auf der Gastgeberseite.

    „In solch einem wichtigen Punkt (…) muss man sagen, das gibt es nicht jeden Tag, dass jemand dort (im Bundestag – Anm. d. Red.) irgendwas sagen kann“, so Maurer. „Und vor allem, wir wissen, die Rede war massiv gekürzt. Ich vermute, wegen des Protokolls. Man hätte hier auf jeden Fall drüber schauen müssen und dann notfalls auch zumindest diskutieren.“

    Maurer ist überzeugt, dass dem Jugendlichen nicht bewusst gewesen sei, was er dort eigentlich gesagt habe. „Da braucht mir keiner erzählen, dass man im Bundestag, dass die Gastgeberseite, dass die Betreuer, dass sie nicht wussten, dass der Jugendliche die komplette Kürzung selber vorgenommen habe“, fügte er hinzu.

    Dabei betonte er, es sei von großer Bedeutung, dass junge Leute aus Deutschland sowie aus Russland das Thema Zweiter Weltkrieg und die Geschichte „gemeinsam aufarbeiten“. „Aber es ist wichtig, dass man bei den Fakten bleibt“, schloss der Politiker.

    Mittlerweile äußerte sich der Schüler selbst zu den Reaktionen rund um seinen Vortrag vor dem Bundestag. Ihm sei gesagt worden, langsamer zu reden, damit die Dolmetscher Schritt halten können. So sei seine Rede länger geworden. Auf dem YouTube-Video sei diese dann gekürzt worden. „Dort war aber das Wichtigste, dass ich aufrichtig hoffe, dass es keine Kriege mehr geben wird“, so Dessjatnitschenko.

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    Tags:
    Schüler, Wehrmacht, Bundestag, Die LINKE-Partei, Andreas Maurer, Deutschland, Russland