17:00 12 Dezember 2017
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    Google vs. Sputnik – „Keine Verhaftung – aber Du verschwindest“

    © REUTERS/ Jacques Brinon/Pool
    Politik
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    Der Internet-Konzern Google kündigt an, bei Suchanfragen Sputniknews und Russia Today abzuwerten. Sprich: Nutzer werden künftig schwerer Beiträge dieser Medien finden können. Begründung: Kampf gegen „russische Propaganda“. Das seien „virtuelle Inhaftierungen“, sagt Google-Kritiker Wolf Wetzel. Ein IT-Experte stellt alternative Suchmaschinen vor.

    Es sei eine „märchenhafte“ Illusion, dass Google für alle frei zugänglich und neutral Informationen aus dem Internet abbilden würde. „Das ist mit das größte privat-kapitalistische Unternehmen auf der Welt: Wer da reingeht, der unterwirft sich dem Hausrecht von Google“, sagte Wolf Wetzel, Google-Kritiker und Journalist beim Online-Magazin „Rubikon“ gegenüber Sputnik. „Und in diesem Haus stellt der Hausherr seine Gästeliste zusammen: Wen mag er? Wen mag er nicht?“ Das Unternehmen präsentiere sich gern als „Flaggschiff der freien Welt“, dies sei jedoch „ausgemachter Kinder-Blödsinn“.

    Der Vorstandsvorsitzende von Google, Eric Schmidt, kündigte am Samstag an, sein Unternehmen werde „spezifische Algorithmen für RT und Sputnik einrichten“, damit deren Artikel künftig schwerer zu finden seien. Auf einem Sicherheitsforum in Halifax (Kanada) sprach er davon, Google News wolle mit der Maßnahme „russische Propaganda aus dem Filter herausdirigieren.“ Zensur ausüben wolle der Suchmaschinenanbieter damit jedoch keinesfalls.

    Algorithmen sind auf Mathematik basierende, systematische und logische Regeln, die wie eine Art Filter im Internet wirken. Google nutzt sie, um Treffer, also gesuchte Internet-Seiten oder Online-Artikel, ausgewählt anzuzeigen.

    Algorithmen gegen Russland – „Das geht noch viel weiter“

    Diese Algorithmen seien „bestimmte, hochgradig politische Kriterien, auf die niemand Zugriff hat, und sie sind meistens korruptiv versetzt“, führte Wetzel aus. Sie richten sich gegen Russland und gegen Informationen, die aus russischen Quellen stammen. „Doch der Algorithmus geht viel weiter. Man nutzt dieses ‚Russland-Bashing‘, um dahinter ganz grundsätzliche Veränderungen durchzuziehen.“ Das sei eine „unglaublich massive“ Manipulation von Wirklichkeit. Falls in Online-Beiträgen Begriffe wie „Kreml“, „Sputnik“ oder „Imperialismus“ auftauchten, stufe Google diese herunter. Entsprechende Suchanfragen hätten dann schlechtere Trefferquoten.

    Der Suchmaschinen-Anbieter stelle sich selbst oft als Medium dar, das für freie Meinungsbildung und Pluralität einstehe.

    „Wenn man Google an diesem Image misst, dann ist das, was mit Algorithmus gemeint ist, eine Verharmlosung. Weil da wird etwas mathematisch nüchtern dargestellt, was nichts anderes ist als eine Zensur. Es findet ein Ranking statt.“ So wie Banken Aktien bewerten, würde Google auch Medienbeiträge bewerten. Das geschehe über die Algorithmen, die „natürlich vor-programmiert werden können. Sie sind bei Google politisch motiviert.“

    „Virtuelle Verhaftungen von Journalisten“

    In Diktaturen werden Journalisten erschossen, verglich Wetzel. Der Internet-Konzern nutze eine andere Taktik: „Bei Google wirst du nicht verhaftet, aber du verschwindest einfach.“ Das sei eine virtuelle Form der Inhaftierung. Es sei die Frage: „Wer bekommt Öffentlichkeit – und wer nicht?“ Er habe schon von einigen Bekannten und Freunden erfahren, die „system-kritische und linke“ Blogs und Internet-Seiten betreiben, „dass da die Zugriffszahlen bis zu 50 Prozent heruntergingen.“ Das seien spürbare Folgen der neuen Google-Algorithmen. Das Unternehmen stelle eine „Meinungs-Industrie“ und eine „gigantische Manipulations-Maschine“ dar.

    „Wenn man absichtlich durch Algorithmen etwas abändert, um bestimmte Artikel etwas schwerer zu finden, dann hat das zwar nichts mit Zensur zu tun, aber es geht in eine bestimmte Richtung“, sagte Christopher Kühn, IT-Experte und als Redakteur bei „Rubikon“ zuständig für die Themen Internet und Netz-Sicherheit. Google wolle nicht zensieren, aber die Internet-Nutzer „nicht mit der Nase auf solche Beiträge stoßen“, betonte er im Sputnik-Gespräch.

    DuckDuckGo & Co: Das sind Alternativen

    IT-Experte Kühn riet dazu, andere Suchmaschinenanbieter zu nutzen: „Ich nutze Google als Suchmaschine nicht. Das bringt mir keine Vorteile. Ich finde Sachen schneller, wenn ich die nicht gefiltert bekomme.“ Der Nachteil bei Google sei das automatische Speichern der persönlichen Such-Anfragen. Besser seien Alternativen wie die Suchmaschinen Ixquick.de oder DuckDuckGo: „Über die letzten zehn Jahre habe ich tatsächlich DuckDuckGo benutzt. Der Anbieter macht das so, dass nichts geloggt wird. Das hat für mich den Vorteil, dass niemand weiß, wer was sucht. Also, ich bleibe erstmal anonym. Und auf der anderen Seite kann kein Such-Algorithmus auf mich zugeschnitten werden.“

    Außerdem habe sich in den letzten Jahren das Trefferniveau der Suchmaschine DuckDuckGo „extrem verbessert.“ Das Motto des in Pennsylvania (USA) beheimateten Anbieters lautet laut eigener Website: „Die Suchmaschine, die Sie nicht verfolgt“. Außerdem könne der IT-Kenner die Seite Startpage.de empfehlen. All diese Suchanbieter würden Suchanfragen nach Sputnik-Artikeln weiter problemlos und ohne Verzerrung anzeigen.

    Alexander Boos

    Das Interview mit Rubikon-Redakteur und Google-Kritiker Wolf Wetzel zum Nachhören:

    Das Interview mit Rubikon-Redakteur und IT-Experte Christopher Kühn zum Nachhören:

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    Tags:
    Medien, RT, Google, USA, Russland
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