10:44 14 Dezember 2017
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    Russische Humanitärhilfe in Syrien

    Experte: Russland hat in Syrien Bürgerkrieg nach Libyen-Muster vereitelt

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    Politik
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    Das Treffen der Präsidenten Russlands, der Türkei und des Irans in Sotschi hat Professor Paulo Botta von der Universität Complutense Madrid in einem Sputnik-Interview kommentiert. Darin geht er auch auf die Rolle Russlands bei der Regelung der Syrien-Krise ein.

    Der Experte verwies darauf, dass der russische Präsident nach dem Treffen gesagt habe, dass sich Moskau, Teheran und Ankara gemeinsam bemühen würden, einen Zerfall Syriens sowie eine humanitäre Katastrophe in diesem Land zu vermeiden.

    Botta merkte an, die westlichen Länder hätten während des Bürgerkrieges mehrmals gefordert, dass der syrische Präsident Baschar al-Assad zurücktreten solle. Dies sollte laut dem Westen „zur Vorbedingung der Lösung des Konflikts“ werden. Aber dank dem russischen Syrien-Einsatz sei die Regierung an der Macht geblieben. Heute sei die Tatsache, dass Assad seinen Posten behalten werde, eine Bedingung, die niemand in Frage stellt.

    Der Analytiker äußerte sich auch zum Problem der territorialen Integrität Syriens. „Von meinem Standpunkt aus ist es ein Fehler, eine Rückkehr zu einem völlig zentralisierten Staat zu wünschen ohne zum Beispiel die kurdische Autonomie anzuerkennen“, so Botta. Laut dem Experten sollte man mit Rücksicht auf diese Forderungen die politische Struktur des Landes behalten und nicht zulassen, dass das Land völlig geteilt  wird und dass dort ein anhaltender Bürgerkrieg wie in Libyen herrscht.

    Was wird mit dem IS?

    Botta betonte, Russland habe wesentlich dazu beigetragen, dass die Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS, auch Daesh) die Kontrolle über die syrischen Territorien und Städte verloren hätte. Aber man könne jetzt nicht von einer Niederlage der gesamten Terrormiliz, sondern von einer Niederlage deren Kämpfer sprechen, von denen die Hälfte aus anderen Ländern nach Syrien gekommen war.

    “Sie sind prinzipienfeste Menschen mit militärischer Ausbildung. Sie können sich in andere Länder oder in ihre Heimat begeben, und das ist ein Problem für die Sicherheit”, sagte der Experte.

    Er erinnerte an die ausländischen Kämpfer, die am Bürgerkrieg in Afghanistan teilgenommen hatten. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre seien diese Radikalen in ihre Heimatländer zurückgekehrt und hätten “den Bürgerkrieg in Algerien sowie die Aufstände in Jemen und Jordanien entfesselt”.

    Der Analytiker ist deshalb der Ansicht, eine solche Situation könnte heute zu einer Herausforderung für die Weltgemeinschaft werden.

    „Man muss die Zusammenarbeit festigen. Ohne Informationsaustausch werden diese Kämpfer leider ideale Bedingungen erhalten, um Terroranschläge in allen Teilen der Welt zu verüben“, betonte der Experte abschließend.

    In Syrien herrscht seit 2011 Bürgerkrieg. Den Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad stehen von den USA unterstützte Rebellen, aber auch die islamistischen Terrormilizen Daesh, al-Nusra-Front und andere gegenüber. Die russische Luftwaffe unterstützt seit 2015 auf Bitte der Regierung in Damaskus die syrischen Regierungstruppen im Kampf gegen die Terroristen.

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    Tags:
    Vereitelung, Anti-Terror-Einsatz, Terrorbekämpfung, Bürgerkrieg, Terrormiliz Daesh, Libyen, Syrien, Russland
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