10:51 14 Dezember 2017
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    Kurdischer Kämpfer bei der Stadt Afrin (Archivbild)

    Das Ringen um Syriens Zukunft hat begonnen: Erstes Schlachtfeld – Afrin

    © AFP 2017/ George Ourfalian
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    Der Kampf gegen den Terror in Syrien neigt sich seinem Ende zu. Der IS und andere Terrorgruppen stehen kurz vor dem Niedergang, doch das Ringen um Einfluss und Dominanz in der Region geht in eine neue Phase. Die Stadt Afrin im Nordwesten Syriens ist ein Spiegelbild des neuen Ringens zwischen den Regional- und Weltmächten sowie den Kurden.

    Auf dem trilateralen Gipfel vom 22. November haben die Staatschefs Russlands, des Iran und der Türkei verkündet, dass die militärische Operation gegen die Terroristen in Syrien kurz vor ihrem Abschluss steht.

    Der russische Präsident Wladimir Putin verwies darauf, sich nun der Fokus auf die politische Regulierung und eine für alle akzeptable Nachkriegsordnung des Nahostlandes gelegt werden müsse.

    Genau diese könnte nämlich zu einer größeren Herausforderung für die beteiligten Mächte werden als der bloße militärische Sieg gegen die Terrorgruppen. Schließlich stoßen in Syrien zahlreiche Interessen aufeinander, die ausbalanciert werden müssen.

    Um nur einige dieser zu nennen: Die Kurden mit dem Drang nach einem unabhängigen Staat, die syrische Regierung mit der Bedingung der staatlichen Einheit, die Türkei mit dem Wunsch, einen „Keil“ zwischen die Kurdengebiete zu treiben.

    In Afrin zeigt sich nun, wie schwer es sein wird, die Interessen aller Beteiligten auszubalancieren. Afrin ist eine mehrheitlich von Kurden bewohnte Stadt im Nordwesten Syriens. Die kurdische Miliz YPG, mit der auch Russland teilweise im Kampf gegen den IS kooperiert, kontrolliert diese Stadt und sieht darin einen der wichtigsten strategischen Punkte zur Erlangung eines unabhängigen Kurdistans.

    Die Türkei hat dagegen bereits angefangen, Truppen an die Grenzstadt heranzuziehen, um im Zweifelsfall sofort eingreifen zu können. Eine Vereinigung der kurdischen Kantone rund um Afrin und Erbil wäre eine sicherheitspolitische Katastrophe für die Türkei und muss aus der Sicht Ankaras um jeden Preis verhindert werden.

    Die türkische Luftwaffe und Drohnen sollen bereits ihre Aufklärungsflüge über dieser syrischen Stadt intensiviert haben. Gleichzeitig braucht Erdogan das Einverständnis Moskaus für eine Militäroperation, schließlich dominiert Russland militärisch in Syrien sowohl auf dem Boden als auch in der Luft.

    Wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bereits mitteilte, hofft er in diesem Zusammenhang auf das „Verständnis Russlands“ für die Sorgen der Türken über einen unabhängigen Kurdenstaat.

    Wie eine Quelle aus der Region nun Sputnik mitteilte, steht die Stadt kurz vor einem türkischen Angriff. Ankara lasse verschiedene Gruppierungen wie etwa die Freie Syrische Armee (FSA) zusammenziehen.

    Die Kurden selbst bereiten sich ihrerseits laut der Quelle auf die Verteidigung der Stadt vor und lassen schwerbewaffnete Verbände der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) zur Verteidigung der Stadt in der Umgebung stationieren.

    Foza Yusuf, Co-Vorsitzender der kurdischen Verwaltung der selbsternannten Demokratischen Föderation des Nordens Syriens, betonte im Interview mit Sputnik, dass die Kurden Afrin um jeden Preis verteidigen werden.

    „In Afrin werden wir uns verteidigen und einen entschiedenen Widerstand gegen die Eroberer leisten, wie wir es bereits in Kobane getan haben. Unsere politischen und militärischen Kräfte beabsichtigen, jede Aggression gegen Afrin entschieden zurückzuschlagen“, unterstrich Yusuf.

    Der Pressesprecher der YPG Nuri Mahmud äußerte sich ähnlich.

    „Wir werden Afrin verteidigen, basierend auf unserem unveräußerlichen Recht auf Selbstverteidigung. Es gibt nichts Natürlicheres als die Verteidigung gegen eine Aggression. Niemand serviert Blumen als Antwort auf Beschuss.“

    Entscheidend dafür, ob die Schlacht um Afrin tatsächlich ausbricht oder sich in ein eher politisches oder diplomatisches Ringen abflachen wird, werden vermutlich die Positionen Moskaus und Teherans sein.

    Möglicherweise war genau dies eines der wichtigsten Themen hinter verschlossenen Türen bei dem trilateralen Gespräch von Putin, Erdogan und Rouhani in Sotschi.

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    Tags:
    Kampf gegen den Terror, Einfluss, Recep Tayyip Erdogan, Wladimir Putin, Afrin, Kurdistan, Türkei, Iran, Syrien, Russland
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