09:51 26 Juni 2019
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    Russische Militärbasis im Sudan? - Für und Wider

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    Politik
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    Der sudanesische Präsident Omar al-Baschir hat eigenen Angaben nach mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin und dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu Möglichkeiten für die Einrichtung einer Militärbasis am Roten Meer besprochen.

    Das Rote Meer sei ein lebenswichtiger „Korridor“ und „Eintritt“ in sein Land, so Al-Baschir gegenüber Sputnik. Deshalb müsse die Küste vor Bedrohungen geschützt werden. Laut dem sudanesischen Staatschef hat es keine Vereinbarung mit Russland zu diesem Thema gegeben. Es handle sich vorerst um ein gegenseitiges Einverständnis, sagte er auf die Frage, ob ein Abkommen darüber erzielt worden sei.

    Wie der Erste Vizechef des Verteidigungs- und Sicherheitsausschusses des Föderationsrates (russisches Parlamentsoberhaus), Franz Klinzewitsch, gegenüber Sputnik sagte, wäre Russland bereit, eine Militärbasis am Roten Meer einzurichten, falls die sudanesischen Behörden Moskau einen diesbezüglichen Vorschlag unterbreiten sollten. Die ständige Präsenz Russlands in der Region würde eine stabilisierende Rolle spielen, so der Parlamentarier. „Eine russische Militärbasis in dem einen oder anderen Land ist eine Garantie für dessen Sicherheit“, betonte Klinzewitsch.

    Russland als „Quelle der Hoffnung“

    Nach Auffassung des Vorsitzenden des Verteidigungs- und Sicherheitsausschusses des Föderationsrates, Viktor Bondarew, würde eine Militärbasis am Roten Meer Russland wichtige geopolitische Vorteile bringen. Der Sudan könnte bei einer konstruktiven Zusammenarbeit Russlands mit der muslimischen Welt als Vermittler auftreten. Der Parlamentarier erklärte die Zuwendung von Al-Baschir zu Russland damit, dass die Erfolge der russischen Streitkräfte in Syrien Russland zu einer „Quelle der Hoffnung“ für die Länder gemacht hätten, die eine Bedrohung durch die USA witterten.

    Wie der Vizechef des Verteidigungsausschusses der Staatsduma (Parlamentsunterhaus), Juri Schwytkin, dazu äußerte, könnte eine russische Militärbasis am Roten Meer frühestens in einem halben Jahr entstehen. Russland entsende seine Truppen und baue Militärbasen nur auf Einladung der Behörden anderer Staaten, betonte Schwytkin. Die Entscheidung über den Bau einer solchen Militärbasis könne nur von der politischen Führung des Landes getroffen werden, fügte der Abgeordnete hinzu.

    Fokus auf Syrien statt Sudan?

    Der Militärexperte und Chefredakteur der russischen Zeitschrift „Arsenal Otetschestwa“, Oberst Viktor Murachowski, sagte, der Sudan benötige jetzt noch keine vollwertige Militärbasis. Russland sollte sich lieber auf die Entwicklung seiner Basen in Hmeimim und Tartus (in Syrien) konzentrieren. Im Sudan könnte ein materiell-technischer Versorgungspunkt zur Auffüllung der Vorräte an Lebensmitteln, Trinkwasser und Treibstoff für russische Schiffe eingerichtet werden, so der Experte.

    Nach Meinung des unabhängigen Experten Igor Nikolaitschuk könnte eine solche Basis einen ernsthaften Schlag gegen die USA bedeuten, die gegenwärtig alle Zugänge zum Suezkanal kontrollieren. „Russland könnte damit die Schüssel zum Suez bekommen“, sagte der Experte gegenüber dem Portal rueconomics.

    All das berechtige zu dem Schluss, so Nikolaitschuk, dass für Russland nicht eine vollwertige Militärbasis mit zahlreichen Waffen und Kampfeinheiten in Port Sudan, sondern ein materiell-technischer Versorgungspunkt von Interesse sein könnte.

    „Zudem besteht der Hauptsinn der Errichtung eines russischen Militärobjektes im Sudan darin, die Piraterie zu bekämpfen, die der Weltschifffahrt einen ernsthaften Schaden zufügen kann.“ Der Experte betonte auch, dass das Bestehen eines Militärobjektes im Sudan es  Russland ermöglichen könnte, seine Position in diesem Land und in der gesamten Region zu festigen.

    Omar al-Baschir hält sich zu einem Arbeitshbesuch in Russland auf.

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    Tags:
    Militärbase, Interview, Juri Schwytkin, Omar al-Baschir, Viktor Bondarew, Igor Nikolaitschuk, Viktor Murachowski, Franz Klinzewitsch, Sergej Schoigu, Wladimir Putin, Rotes Meer, Sudan, Russland