15:58 17 Juli 2018
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    Hamid Karsai

    Karsai: Afghanistan ist kein geeigneter Ort zum Durchsetzen globaler Ziele der USA

    © Sputnik / Михаил Климентьев
    Politik
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    Afghanistan hat den ihm aufgezwungenen „Brudermord und das Blutvergießen“ satt, wie der ehemalige Präsident der Islamischen Republik Afghanistan, Hamid Karsai, gegenüber Sputnik sagte.

    Als Lösung für die Afghanistan-Krise sieht Karsai einen „Weg, der nicht zur Eskalation des Krieges, sondern zur Herstellung des Friedens, der Sicherheit und der Stabilität in Afghanistan führt“, einen „Weg der nationalen Einigung“.

    Es gebe jedoch Kräfte, die „die afghanische Gesellschaft spalten wollen“. „Wer steht dahinter? … Die Afghanen selbst oder jene ausländischen Kräfte, die Afghanistan nicht verlassen wollen? Ich weiß, dass es nicht die Afghanen sind“, so Karsai.

    Der Ex-Präsident betonte, dass Kabul entschieden gegen die Fortsetzung der Militäroperation in Afghanistan auftrete, weil solche Handlungen die Zivilbevölkerung gefährden und nur neue Opfer fordern würden.

    Wie Karsai erinnerte, hatte Kabul innig gehofft, dass mit der Ankunft der Amerikaner und ihrer Verbündeten im Jahr 2001 ein friedliches Leben beginnen werde. Doch der Einmarsch der Truppen habe nur Enttäuschung ausgelöst. „Der Terrorismus wurde nicht nur nicht vernichtet, sondern hat noch größere Ausmaße angenommen, was zu neuen Zerstörungen und zum Tod von Menschen führte.“

    Karsai ist überzeugt, dass die USA ihre Truppen nicht geschickt haben, um dem afghanischen Volk zu helfen, sondern um „ihre eigene Sicherheit zu gewährleisten“. „Wenn die USA Afghanistan zum Erreichen ihrer globalen Ziele, darunter in der Region, nutzen wollen, sollen sie nach anderen Mitteln suchen“, betonte der Ex-Präsident.

    Karsai verwies ferner auf den Unterschied zwischen der Taliban-Bewegung und dem „Islamischen Staat“ (IS). Während letzterer eine internationale Terrormiliz sei, seien die Taliban Afghanen. Man müsse einen Weg zur Versöhnung mit den Taliban finden und den IS aus dem Land vertreiben.

    Nach Meinung Karsais könnte Russland zum Friedensprozess in Afghanistan und zur stetigen Entwicklung des Landes beitragen.

    „Die Beziehungen zu Russland sind für uns von lebenswichtiger Bedeutung. Und welche Regierung es in Afghanistan auch immer geben möge, sie muss diese Beziehungen aufrechterhalten, weiterentwickeln und festigen.“

    In Bezug auf Wege zur Beilegung des Militärkonflikts im Land sagte Karsai, Afghanistan müsse zum „Gegenstand der Zusammenarbeit und nicht der regionalen Rivalität“ werden. Als erstes müsse die Loya Dschirga (der gesamtafghanische Ältestenrat – Anm. d. Red.) einberufen werden, um die aktuelle Situation im Land zu erörtern und weitere Handlungen festzulegen.

    Er betonte auch, Afghanistan müsse für seine Sicherheit in Gemeinschaft mit den Nachbarländern, den Ländern der Region, sorgen, die mit den gleichen Schwierigkeiten und Bedrohungen konfrontiert seien.

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    Tags:
    Ziele, Militäroperation, Sicherheit, Interview, Hamid Karsai, Afghanistan, USA
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