14:39 15 Oktober 2018
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    Tag der Einheit des Volkes auf der Krim (Archiv)

    So ist‘s mit Krim-Bürgern: 80 Prozent würden wieder für Beitritt zu Russland stimmen

    © Sputnik / Alexej Pawlischak
    Politik
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    Der Bericht eines unabhängigen Thinktanks aus Berlin zerstört Mythen über die russische „Annexion“ der Krim, schreibt Florian Rötzer am Dienstag für die Nachrichtenwebseite Heise online.

    Wie ist es um Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Osteuropa bestellt? Dies analysiert das unabhängige Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOIS), das vom Bundestag nach Beginn des Ukraine-Konflikts beschlossen wurde und im Oktober 2016 in Berlin seine Arbeit aufgenommen hat, wie der Autor schreibt.

    Das Zentrum habe nun versucht, mit einer Umfrage die Stimmung der Menschen auf der Krim zu ermitteln, schreibt Rötzer. Passt zu diesem Stimmungsbild die westliche Erzählung, dass Russland die Schwarzmeer-Halbinsel gewaltsam unter seine Kontrolle gebracht habe?

    Dass die Krim für Russland strategisch wichtig sei – wegen des Stützpunktes der Schwarzmeerflotte –, dies hätten alle Spieler gewusst. Der russische Präsident Wladimir Putin habe auch klargemacht, er könne es nicht zulassen, dass Russlands Zugang zum Schwarzen Meer und damit auch zum Mittelmeer beeinträchtigt werde, schreibt der Autor.

    Es könne durchaus sein, „dass Russland einen Plan in der Schublade hatte, um die Krim an sich zu reißen“. Doch dies sei wohl Spekulation. „Jedenfalls eroberten die russischen Streitkräfte nicht einfach die Halbinsel, nach Putins Darstellung sicherten sie lediglich das Referendum ab, indem sie das ukrainische Militär blockierten und so Blutvergießen verhinderten“, so Rötzler.

    Das Krim-Parlament habe sehr schnell ein Referendum beschlossen, „möglicherweise unter politischem und militärischem Druck“, bei dem bekanntlich 95 Prozent für die Unabhängigkeit und die Wiedervereinigung mit Russland gestimmt hatten – bei einer Wahlbeteiligung von 82 Prozent.

    „Aus Sicht der ukrainischen Verfassung war das einseitig beschlossene Referendum ungültig, der Westen erkannte es nicht an und sprach von einer Annexion“, schreibt der Autor.

    Doch was sagt die Umfrage? „Auf die Frage, ob sie heute, wenn es wieder ein Referendum gäbe, wieder wie 2014 für die Vereinigung mit Russland stimmen würde, antworteten 78,8 Prozent mit Ja, nur 2,4 Prozent sagten, sie würden anders abstimmen, 6,8 Prozent wollten die Frage nicht beantworten.“

    Dass diese Antwort auf Angst in der Bevölkerung zurückgeführt werden könne, „könnte bei manchen Tataren der Fall sein, aber wohl nicht bei der Mehrheit der Bevölkerung“, so Rötzler.

    „Wenn der Mehrheitswille der Bewohner einer Region oder das Selbstbestimmungsrecht der Völker zählt, dann wäre nach dieser Umfrage die Sezession und der Anschluss an Russland eine demokratische Entscheidung gewesen.“

    Übrigens: 80 Prozent der Befragten sehen sich laut der Umfrage als russische Bürger. Etwas mehr als 13 Prozent hätten angegeben, sie seien Bürger der Krim. „Zuhause sprechen mehr als 80 Prozent nur Russisch, gerade einmal ein Prozent nur Ukrainisch und zwei Prozent nur Tatarisch“, so die Umfrage-Ergebnisse laut Rötzler.

    Zehn Prozent der Befragten würden darüber nachdenken, die Krim zu verlassen. „Es sind überwiegend junge Menschen, die aber vor allem in andere russische Gebiete auswandern wollen. In die Ukraine wollen deutlich weniger. In einem EU-Land zu leben, reizt die Krim-Bürger kaum.“

    So schlimm kann es auf der Krim also nicht sein, oder? Fast zwei Drittel seien mit der wirtschaftlichen Situation auf der Krim zufrieden; ebenso viele bewerten das Zusammenleben der verschiedenen ethnischen Gruppen auf der Halbinsel als friedlich. Fast 80 Prozent hätten angegeben, das Verbot der Medschlis des Krimtatarischen Volkes mitzutragen. „Vertretern der russlandkritischen Fraktion im Westen wird auch nicht gefallen, dass der russische Präsident das größte Vertrauen bei den Krim-Bürgern findet, dicht gefolgt von der russischen Armee.“

    Befragt wurden laut dem Autor im Frühjahr 1800 Bewohner der Krim, darunter 200 Tataren. Die große Mehrheit der Krim-Bürger ist russisch-orthodox und gehört mit 62 Prozent mehrheitlich dem Moskauer Patriarchat an. Bei der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche sind demnach 4,6 Prozent; 14 Prozent gehören anderen orthodoxen Gemeinschaften an; 16 Prozent sind muslimisch.

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    Tags:
    Stimmung, Beitritt, Umfrage, Krim, Russland, Ukraine