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13:31 18 Oktober 2019
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    Crewmitglied eines US-Militärflugzeuges im Einsatz (Archivbild)

    Washington vs. Moskau: Der „Kalte Luftkrieg“ und seine Opfer

    © Foto: U.S. Air Force/ Senior Airman Micaiah Anthony
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    Der jüngste Zwischenfall über dem Schwarzen Meer, bei dem eine russische Su-30 nach US-Angaben nahe einer P-8A Poseidon „nicht ungefährlich“ manövriert haben soll, ist bei weitem nicht die erste Episode im „Kalten Luftkrieg“ zwischen dem Westen und Moskau.

    Zwischenfälle mit Flugzeugen hatten sich in den 1950er so oft ereignet, dass dies einem verdeckten Luftkrieg ähnelte, wie die russische Zeitung „Iswestija“ in ihrer Onlineausgabe postuliert. Sowjetische Kampfjets attackierten damals regelmäßig US-Aufklärungsflugzeuge an der Grenze der UdSSR. 

    Am 8. April 1950 wurde eine amerikanische PB4Y an der sowjetischen Ostseeküste abgeschossen, zehn Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Im Juni 1952 schossen sowjetische Jäger über dem Japanischen Meer eine RB-29 ab, die eine Aufklärungsmission absolvierte. Die zwölfköpfige Besatzung der US-Maschine überlebte ebenfalls nicht.

    Der Abschuss einer U-2 von Gary Powers über dem Ural am 1. Mai 1960 ging in die Lehrbücher ein. Der US-Pilot konnte sich mit dem Fallschirm retten und wurde festgenommen. Der Zwischenfall vom 28. September 1973 forderte dagegen Todesopfer. Ein iranischer Aufklärer des Typs RF-4C Phantom II drang in den sowjetischen Luftraum ein, dabei war auch ein US-Oberst an Bord. Eine sowjetische MiG-21SM griff ihn mit Raketen an, diese wurden jedoch durch Täuschkörper abgelenkt. Dann rammte der sowjetische Pilot Gennadi Jelissejew mit seiner Maschine das Spionageflugzeug und kam ums Leben, während sich die Spione mit den Fallschirmen retteten.

     

    Auch Flüge sowjetischer Aufklärungsflugzeuge verliefen, wie die Zeitung weiter berichtet, nicht immer reibungslos und endeten manchmal sogar tragisch. Eine sowjetische Tu-16R wollte beispielsweise im Jahr 1968 den Flugzeugträger USS Enterprise im Europäischen Nordmeer umfliegen, berührte dabei mit einer Tragfläche unbeabsichtigt das Wasser und stürzte ab – acht Menschen starben. 

    Eine weitere Tu-16R behielt am 4. Oktober 1973 in der Nordsee den Flugzeugträger USS John F. Kennedy im Auge. Zwei Jagdflugzeuge des Typs F-4 Phantom II näherten sich der sowjetischen Maschine – und eines davon streifte sie sogar mit seinem Seitenleitwerk.

    Am 13. September 1987 kontrollierte ein sowjetischer Su-27-Abfangjäger den Flug eines norwegischen Aufklärers P-3 Orion über der Barentssee. Die Maschinen näherten sich einander gefährlich (wobei die beiden Staaten einander dafür verantwortlich machten) und wurden bei einem Kontakt beschädigt, konnten aber ihre Standorte erreichen.

    Zwischenfälle gab es auch in der postsowjetischen Zeit. Die Zeitung kommentiert: „Die vermehrten Aktivitäten westlicher Flieger an der russischen Grenze nach 2014 führten dazu, dass mehr ‚Abfangeinsätze‘ in der Presse landeten. Die Beschwerden über ‚nicht ungefährliche‘ (und in Wirklichkeit durchaus herkömmliche) Manöver auf beiden Seiten lassen sich ausgezeichnet in die zähflüssige Konfrontation zwischen dem Westen und Moskau einbetten.“

    Weiter heißt es im Kommentar: „Dieser (meistens propagandistische) ‚Krieg‘ hat mittlerweile seine Mythologie – wie beispielsweise jenes Lügengespinst, wonach ein russischer Aufklärer des Typs Su-24MR im Frühjahr 2014 alle elektronischen Systeme auf dem Zerstörer USS Donald Cook ‚abgeschaltet‘ haben soll. Doch diese Ausbrüche des Informationskriegs fordern glücklicherweise keine Todesopfer – im Gegensatz zu manchen realen Zwischenfällen in der Luft.“

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    Tags:
    Abfang, Abfangmanöver, P-8A Poseidon, P-3 Orion, U-2, Su-27, Sowjetunion, Schwarzes Meer, USA, Russland