16:40 19 Januar 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    6633
    Abonnieren

    Trotz der Differenzen bei der Regelung des Syrien-Konflikts gibt es laut Sergej Sudakow Berührungspunkte zwischen Russland und den USA. Im Sputnik-Interview prognostiziert der russische Nordamerika-Experte, dass es früher oder später eine Regierung des Volksvertrauens in Syrien geben werde. Dabei könne Russland eine wichtige Rolle zuteilwerden.

    „Die Regierung des Volksvertrauens muss ohne Beteiligung der USA gebildet werden. Die Vereinigten Staaten sind aus diesem Prozess hinausgeworfen worden, obwohl sie gern daran teilnehmen und eine der Vereinbarungsparteien in Syrien sein wollen. Aber ihre Position ist anders“, so Sudakow.

    „Wenn die Koalition nicht gerade jetzt gebildet wird, wird in Syrien ein Destabilisierungsprozess einsetzen, der zur Zersplitterung des Landes führen kann.“ Trump selbst habe zwar eingeräumt, dass das eines der schlimmsten Szenarien für diese Region sei. Das Außenministerium in Washington habe jedoch erklärt, dass auf die eine oder andere Weise eine Föderalisierung geplant werde, da es unmöglich sei, eine Einigung zu erzielen.

    Ein Vorschlag wäre daher, eine Koalition des Volksvertrauens zu bilden und auf deren Grundlage Beziehungen aufzubauen. Die groß angelegte Militäraktion sei beendet, aber die Terror-Kämpfer werden laut dem Militärexperten weiterhin für Provokationen sorgen und Anschläge verüben.

    „Heute besteht die Aufgabe darin, dafür zu sorgen, dass die Vereinigten Staaten damit aufhören, jene Strömungen zu unterstützen, die gegen die Politik und Koalition des Volksvertrauens auftreten“, erläutert Sudakow.

    Das Telefonat zwischen Donald Trump und Wladimir Putin in der vorigen Woche habe gerade darauf abgezielt, sich darüber zu einigen, wie der internationale Terrorismus bekämpft werden könne. „Man muss ihn im Keim ersticken. Man muss nach den Finanzstrukturen suchen, die ihn ernähren, und nicht die Folge, sondern die Ursache zerstören.“

    Derzeit gebe es im Genfer Format einen großen Garanten für die Beilegung des Syrien-Konflikts. „Das ist Russland. Und die anderen Prozessteilnehmer müssen das verstehen. Vieles wird von der russischen Stimme abhängig sein, und die Vereinigten Staaten werden das akzeptieren müssen.“

    Wie der Politologe ausführt, werden die Anstrengungen der Opposition, den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zum Rücktritt zu bewegen, kaum erfolgreich sein. Assad sei die versöhnende Kraft, die eine Übergangsregierung entstehen lassen könne. Ohne ihn würden die Menschen auf die Straße gehen.

    Die USA versuchen, die Situation zu destabilisieren, um Russland daran zu hindern, ein Schlüsselakteur in dieser Region zu sein, und um zu zeigen, dass man damit falsch lag, auf Assad zu setzen“, so Sudakow. „Russland hat aber nicht auf Assad gesetzt. Wir sind uns jedoch bewusst, dass er derjenige ist, der Frieden in Syrien schaffen kann. Das Volk wird darüber entscheiden, wer der nächste Präsident des Landes wird. Aber während der Übergangszeit ist Assads Regierung eine absolut legitime Macht.“

    Am Dienstag hat die achte Runde der Syrien-Friedensgespräche in Genf begonnen. Die Verhandlungen finden vor dem Hintergrund der beinahe völligen Niederlage der IS-Kämpfer statt. Der Großteil Syriens ist bereits von den Dschihadisten befreit worden. Das gibt den Konfliktparteien die Möglichkeit, Verhandlungen über die Zukunft des Landes einzuleiten.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Wappnen sich Russland, USA und China für Dritten Weltkrieg? – Fakten
    „Äußerung von Sigmar Gabriel zu USA und Russland zwischen den Zeilen lesen“
    Russland, Iran und Türkei korrigieren Syrien-Politik mit Blick auf Kurden und USA
    Tags:
    Rolle, Koalition, Donald Trump, Wladimir Putin, Syrien, USA, Russland