08:55 13 Dezember 2019
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    Artillerie-Brigade der Marineinfanterie (Archiv)

    „Wir sind gefragt, wenn es Probleme gibt” – Wie die russische Marineinfanterie kämpft

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    Blitzschnelles Ergreifen einer vom Feind besetzten Insel, die Einnahme einer verminten und mit Stacheldraht versehenen Küste, die Zerschlagung eines Marinestützpunktes – schnell und gut können diese ungewöhnlichen Aufgaben oft nur Marineinfanteristen lösen.

    Darüber, wie genau diese Truppengattung in einem realen Kampf gegen den Feind vorgeht, erzählt dieser Artikel von Andrej Stanawow.

    Am Freitag begannen die Einheiten der Marineinfanterie der Pazifikflotte mit Großübungen auf Truppenübungsplätzen in der Region Primorje und auf der Halbinsel Kamtschatka. Dort sind rund 1000 Militärs und 150 Militärfahrzeuge eingetroffen.

    Unauffällig kommen, schnell landen und sich bis zur Ankunft der Hauptkräfte halten – das sind wohl drei Basisprinzipien der Strategie der Marineinfanteristen. Fehler auf einer dieser Etappen können zum Scheitern der ganzen Operation führen.

    In ihrer 300-jährigen Geschichte wurde die russische Marineinfanterie mehrmals reformiert. Heute sind es Einheiten, die nicht nur bei der Kriegsflotte, sondern auch in den Streitkräften Russlands im Ganzen am kampffähigsten sind. Die Taktik ihres Vorgehens wurde in vielen Kriegen und bewaffneten Konflikten vervollkommnet.

    Ein Militär der 61. Brigade der Marineinfanterie im Gebiet Murmansk
    © Sputnik / Pawel Lwow
    Ein Militär der 61. Brigade der Marineinfanterie im Gebiet Murmansk

    Eine Armee in der Armee

    „An die Marineinfanterie erinnert man sich wohl in schwierigen Zeiten im Lande und wenn es Probleme gibt“, sagte der ehemalige Kommandeur des Luftlandebataillons der Marineinfanteristen, Oberst Viktor Wdowkin. „So war es bereits mehrmals, unter anderem in den 1960er und 1990er Jahren. Marineinfanteristen galten immer als offensive Truppen. Sie treffen regelmäßig den wahrscheinlichen Gegner an der Grenze, kämpfen in Brandherden. Dabei sind laut statistischen Angaben die Verluste in der Marineinfanterie minimal, verglichen mit anderen Truppengattungen.“

    Übungen der russischen Marineinfanterie (Archivbild)
    © Sputnik / Witalij Ankow
    Übungen der russischen Marineinfanterie (Archivbild)

    Das größte Geheimnis der Kampfeffizienz der Marineinfanteristen ist die gute Koordinierung der Arbeit. Grob gesagt ist das eine kompakte und gut bewaffnete „Armee in der Armee“, die nach dem ersten Befehl blitzschnell aufgestellt wird und selbst stärkeren Kräften des Gegners eine Niederlage bereiten kann. Das sind wohl die einzigen Truppen in den russischen Streitkräften, die vom Meer und von der Luft aus landen können.

    „Die Marineinfanterie ist deswegen schön, weil verschiedene Kräfte unter einem Kommando, in einer Faust vereinigt sind“, sagte Wdowskin, der eine Marineinfanterieeinheit während der ersten Tschetschenien-Kampagne leitete. Sie hat alles – Panzer, Artillerie, Aufklärer, Fallschirmjäger, Infanterie, die vom Meer aus anlandet. Brigaden-Kommandeure üben bei Trainings das Zusammenwirken aller Mittel und können operativ Artilleriefeuer, Panzer und Angriffsgruppen leiten.

    Landung der Marineinfanteristen der Schwarzmeerflotte Russlands
    © Sputnik / Sergej Pjatakow
    Landung der Marineinfanteristen der Schwarzmeerflotte Russlands

    Angriff vom Wasser aus

    Seit dem Großen Vaterländischen Krieg hat sich die Taktik der Marineinfanteristen stark geändert. Mit dem Auftauchen der Multikanal-Kommunikationsmittel, schwimmender Geschwindigkeits-Kampfwagen und neuer Waffentypen haben sie gelernt, noch schneller und koordinierter vorzugehen. Die Stärke der Angriffe ist deutlich gestiegen.

    Übungen einer Marineinfanteriebrigade der Pazifikflotte
    © Sputnik / Witalij Ankow
    Übungen einer Marineinfanteriebrigade der Pazifikflotte

    Bei einer Landungsoperation im Meer landen gewöhnlich zunächst Kampfschwimmer der Ingenieur- und Landungskompanien, die den Boden, das Küstengewässer und den Landungsabschnitt von Stacheldraht und anderen gefährlichen Sperrobjekten reinigen und dann Korridore in Minenfeldern verlegen. Danach wird die Küste von der Schiffsartillerie und Bombern „bearbeitet“. Gegen die zuvor festgestellten Objekte auf dem Boden werden Angriffe mit Marschflugkörpern versetzt.

    Danach werden Landungs- und Angriffseinheiten sowie Aufklärer in die gegnerische Zone geschickt. Die Hauptaufgabe dieser Kämpfer ist, die gegnerischen Kommunikationsmitteln im Hinterland von der vorderen Linie abzuschneiden, die Positionen der Artilleristen zu zerschlagen, Kommandostellen und Stäbe zu zerstören, damit die vordere Linie des Gegners ohne Steuerung und Kommunikation bleibt. Für einen besseren Effekt erfolgt die Landung aus Hubschraubern aus einer Höhe von zwei Metern ohne Fallschirme. Die nächste und Schlussetappe der Operation ist die Landung von Schiffen aus, die die ersten Verteidigungslinien des Gegners durchschlagen und sich auf den Positionen festigen.

    Ein Hubschrauber Mi-8 nach der Landung einer Angriffsgruppe während der taktischen Bataillons-Übungen der Marineinfanterie der Pazifikflotte
    © Sputnik / Виталий Аньков
    Ein Hubschrauber Mi-8 nach der Landung einer Angriffsgruppe während der taktischen Bataillons-Übungen der Marineinfanterie der Pazifikflotte

    Über einzelne Brigaden der Marineinfanterie verfügen heute die Nord-, Pazifik-, Baltische und Schwarzmeerflotte sowie die Kaspische Flottille. In Syrien gewährleisten die Marineinfanteristen der Schwarzmeerflotte die Sicherheit des russischen Militärstützpunktes in Tartus und des Stützpunktes Hmeimim.

    Schützenpanzerwagen mit Marineinfanteristen während der Übungen in der Region Primorje
    © Sputnik / Witaliy Ankow
    Schützenpanzerwagen mit Marineinfanteristen während der Übungen in der Region Primorje

    Die Marineinfanterie bekommt neue und modernisierte Kampftechnik, darunter schwimmende Schützenpanzer BMP-3, Landeschützenpanzer BMD-4 und Schützenpanzerwagen BTR-82A. In der Zukunft sollen Infanteristen mit Schützenpanzerwagen der neuen Generation „Bumerang“ ausgestattet werden, die auf dem Wasser eine Geschwindigkeit von zwölf km/h entwickeln können.

    Zur Beförderung von Personal und Technik in das Landungsgebiet werden große und kleine Landungsschiffe genutzt, darunter Subr-Luftkissenschiffe. In dieser Woche begannen in der Ostsee Tests des Landungsschiffs der neuen Generation „Iwan Gren“ des Projekts 11711, das die Landung von Militärs und Technik auf eine unvorbereitete Küste mithilfe von Schwimmkörpern ermöglicht. Das Schiff kann bis zu 300 Marineinfanteristen, 36 Schützenpanzerwagen bzw. 13 Panzer befördern. An Bord befindet sich ein Verkehrs- und Landungshubschrauber. Zudem wird das zweite Landungsschiff dieses Projekt fertiggebaut –„Pjotr Morgunow“.

    Das große Landungsschiff „Iwan Gren“ (Projekt 11711)
    © Sputnik / Igor Sarembo
    Das große Landungsschiff „Iwan Gren“ (Projekt 11711)

    Es liegt auf der Hand, dass das russische Verteidigungsministerium angesichts der sich rasant verändernden globalen geopolitischen Lage der Umrüstung der Marineinfanterieeinheiten besondere Aufmerksamkeit widmet. Nicht ausgeschlossen ist, dass gerade Marineinfanteristen in der Zukunft die Grundlage starker aeromobiler Verbände bilden werden, die die Interessen des Landes in schwierigsten strategischen Regionen, darunter in der Arktis, verteidigen.

    Ein Militär der 61. Marineinfanteriebrigade der Nordflotte beim Training auf dem Stützpunkt Sputnik im Gebiet Murmansk.
    © Sputnik / Pawel Lwow
    Ein Militär der 61. Marineinfanteriebrigade der Nordflotte beim Training auf dem Stützpunkt Sputnik im Gebiet Murmansk.
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