09:01 13 Dezember 2019
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    Begehung vom Start der ersten interkontinentalen ballistischen Rakete in Nordkorea (Archivbild)

    Das Leben für den Anführer: Wie nordkoreanische Staatenlenker bewacht werden

    © AP Photo / Jon Chol Jin
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    Hunderttausende Elitekämpfer, verdeckte Panzerverbände, vier Sicherheitskordons und die besten privaten Leibwächter – die Sicherheitsmaßnahmen um nordkoreanische Staatschefs sind sowohl legendär als auch geheimnisumwoben. Sputnik zeigt Ihnen, wie stark die Sicherheitsstrukturen rund um den „Anführer der Nation“ im Laufe der Zeit angewachsen sind.

    Die nordkoreanischen Staatsführer mussten gleich nach der Ausrufung des nordkoreanischen kommunistischen Staatssystems um ihr Leben fürchten.

    Zahlreiche Attentate und Mordversuche wurden gleich in den Anfängen auf die nordkoreanischen Staatschefs verübt, doch immer erfolglos.

    Am 1. März 1946 wurde etwa in Richtung des „Ewigen Präsidenten“ Kim Il-sung eine Handgranate geworfen. Der russische Soldat Nowitschenko legte sich mit seinem Körper auf sie und rettete so das Leben des jungen Staatschefs.

    In den nächsten Jahren überlebte Kim Il-sung mindestens einen Schusswaffen- und einen Messerangriff.

    Entsprechend der gefährlichen Lage wurden die Sicherheitsvorkehrungen seitdem ständig ausgeweitet.

    In den ersten Jahren des kommunistischen Staates wurde die Bewachung der nordkoreanischen Führung von Stalin persönlich einer russischen Sondereinheit unter dem Kommando von Oberstleutnant Elokin anvertraut.

    Mit der Zeit wurde eine eigene Riege von Elitesoldaten in Nordkorea ausgebildet und übernahm zunehmend die Bewachung von Kim Il-sung.

    Im engsten Kreis der Sicherheitsstruktur standen jedoch seine Gefolgsleute, mit denen er noch in den 1930er Jahren als Partisan gegen die japanischen Besatzungskräfte gekämpft hatte.

    Neben dem persönlichen Sicherheitsdienst entstand die nordkoreanische Variante des legendären sowjetischen Geheimdienstes KGB – die „Verwaltung der politischen Sicherheit“, die immer mächtiger wurde.

    Nachdem in den 1970er Jahren festgelegt wurde, dass die Nachfolge der nordkoreanischen Führung der Sohn des „Ewigen Präsidenten“, Kim Jong-il, übernehmen wird, wurde der Sicherheitsdienst aufgestockt.

    Nun zählte der private Sicherheitsdienst des nordkoreanischen Staatschefs 300 Elitesoldaten – eine persönliche Garde.

    Die Auslese für die Elitetruppe war radikal – neben unglaublichen physischen und psychischen Eigenschaften mussten die Anwärter nicht nur die eigene absolute Loyalität und politische Treue beweisen, sondern auch die von allen Verwandten bis hin zum vierten Grad.

    Die Ausbildung begann mit 17 Jahren und brachte ideologische Indoktrinierung, verschiedene Kampfkünste und das Erlernen des Umgangs mit allen Arten von Waffen mit sich.

    Das Training der nordkoreanischen Eliteleibwächter im Video:

    In 1982 wurde die Zahl der Elitekämpfer zur Bewachung von Kim Jong-il noch einmal aufgestockt – nun bewachten 1500 Soldaten nicht nur den Staatschef, sondern gleich alle seiner 14 Domizile rund um die Uhr.

    Gleichzeitig wurde die gesamte Hauptstadt Pjöngjang zur Sicherheitszone erklärt. Die Einfahrten in die Stadt wurden strengstens überwacht. Es heißt, eine gesonderte Armeeabteilung war nur für die Sicherheit der Hauptstadt zuständig – und zwar nicht nur vor äußeren, sondern auch vor inneren Feinden sowie gegen mögliche Aufstände oder Putschversuche.

    Im Laufe der nächsten Jahre wuchs der Sicherheitsapparat bald auf fast 40.000 Personen an und wurde in vier Abteilungen aufgegliedert. Die erste war für den Schutz des Staatschefs selbst zuständig. Die zweite für die Kontrolle der gesamten Lebensmittelzufuhr sowie absolut aller Alltagsgegenstände, mit denen der nordkoreanische Anführer in Berührung kam. Die dritte befasste sich mit „technischen Fragen“ und die vierte bewachte den Bau und die Verwaltung aller Wohnräumlichkeiten des Präsidenten.

    Regelmäßig kam es vor, dass der „nationale Anführer“ bei seinen seltenen Auslandsbesuchen auf die angebotenen Räumlichkeiten vor Ort verzichtete und im Wagon seines eigenen Zuges übernachtete sowie gar eigene Möbel in die Verhandlungsräume mitbrachte.

    In 1989 kam es in Europa zum Niedergang der kommunistischen Staatsform, was die nordkoreanische Führung dazu brachte, das Sicherheitspersonal noch weiter aufzustocken.

    Nun dienten 70.000 Soldaten allein für den Schutz des Staatsoberhauptes.

    In den 1990er Jahren wurden einige wenige Versuche von Aufständen im Keim erstickt. Das bloße Aufkommen dieses Bedrohungspotentials ließ den Sicherheitsdienst schließlich auf über 100.000 Mann ansteigen.

    Wie viele Elitesoldaten genau nun den heutigen nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un bewachen, kann nicht mit hundertprozentiger Sicherheit gesagt werden.

    Experten schätzen den Sicherheitsapparat nun auf über 120.000 Mann sowie rechnen mit einer bis zu 15.000 Mann starken persönlichen Leibwächterarmee direkt rund um Kim Jong-un.

    Nach den letzten Meldungen, dass die USA und Südkorea möglicherweise die gezielte Eliminierung des nordkoreanischen Staatschefs planen, berichteten sogar einige Medien wie etwa die Zeitung Asahi Shimbun, dass die Nordkoreaner wieder Experten des ehemaligen KGB angeheuert haben.

    Endgültige Sicherheit scheint sich der nordkoreanische Anführer anscheinend nur in der Anwesenheit russischer Spezialisten zu erhoffen.

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    Tags:
    Sicherheitsdienst, Eliteeinheiten, Leibwächter, KGB, Kim Jong-il, Nordkorea