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    Die Angehörigen der Todesopfer des Terroranschlags am Berliner Breitscheidplatz haben in einem offenen Brief Bundeskanzlerin Angela Merkel Untätigkeit bei der Terrorbekämpfung vorgeworfen. Den Brief hat der „Spiegel“ veröffentlicht.

    Anti-Terror-Sperren auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin
    © AP Photo / Michael Sohn / People walk past concrete barriers outside the Christmas market at the Kaiser Wilhelm Memorial Church in Berlin, Germany, Monday, Nov. 27, 2017, nearly one year after 12 people have been killed in a truck attack on the market.
    Die Autoren des Briefes sind der Ansicht, der Anschlag am Breitscheidplatz sei eine tragische Folge der politischen Untätigkeit der Bundesregierung. „In einer Zeit, in der die Bedrohung durch islamistische Gefährder deutlich zugenommen hat, haben Sie es versäumt, rechtzeitig den Ressourcenausbau und die Reformierung der wirren behördlichen Strukturen für die Bekämpfung dieser Gefahren voranzutreiben“, heißt es in dem Brief.

    Die Angehörigen der Todesopfer betonten, der Terrorist wäre als einer der Top-Gefährder bekannt gewesen und sei auch vor dem Anschlag bereits mehrfach straffällig geworden. Laut den Autoren herrscht ein Kompetenzchaos zwischen Landeskriminalämtern, dem Bundeskriminalamt und weiteren Behörden, die den Islamisten betreffende Informationen äußerst mangelhaft austauschten. Sie sind sich auch dessen sicher, dass es in Deutschland an grundlegender Professionalität im Umgang mit dem Terrorismus mangelt.

    Die Autoren des Briefes warfen Merkel auch vor, sie stehe ihrer Trauer gleichgültig gegenüber. Die Bundeskanzlerin habe ihnen auch fast ein Jahr nach dem Anschlag weder persönlich noch schriftlich kondoliert.

    „Wir sind der Auffassung, dass Sie damit Ihrem Amt nicht gerecht werden. Der Anschlag galt nicht den unmittelbar betroffenen Opfern direkt, sondern der Bundesrepublik Deutschland“, so die Angehörigen der Todesopfer.

    Am 19. Dezember 2016 hatte der islamistische Attentäter Anis Amri in Berlin mit einem gestohlenen Lastwagen zwölf Menschen getötet und weitere 55 schwer verletzt. Einige Tage später wurde er in Mailand von einem Polizisten erschossen.

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    Tags:
    Terrorbekämpfung, Kritik, Offener Brief, Bundesregierung, Angela Merkel, Berlin, Deutschland