16:52 18 Februar 2020
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    Nach einer Pause, die dem Zerfall der Sowjetunion folgte, wird Russland in der asiatischen Region wieder aktiver – diesmal aber mit einem günstigeren Image. Diesen Standpunkt vertritt der russische Politik-Experte Timofej Bordatschow. Er erläutert auch, warum Russland aus seiner Sicht kein formelles Bündnis mit China bräuchte.

    In einem Gastbeitrag für die Zeitung „Iswestija“ postuliert Bordatschow: „Praktisch alle bedeutenden asiatischen Staaten haben derzeit bessere Beziehungen zu Russland als zueinander. Dies gilt zumindest völlig für die großen Drei: China, Japan und Südkorea.“

    „Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatte Moskau eine Pause eingelegt und sich von den asiatischen Angelegenheiten zurückgezogen. Russland baute seine Präsenz in der Region praktisch völlig ab, ließ seine Truppen die Mongolei verlassen und schloss seinen Militärstützpunkt in Vietnam. Mit anderen Worten wurde Moskau jene Ambitionen los, die bei vielen asiatischen Ländern eine misstrauische Haltung zu ihm verursachten. In solch eine Falle scheint nun übrigens China geraten zu sein. Dessen friedlicher Aufstieg wird ja von einem nicht weniger beeindruckenden Rüstungsprogramm begleitet, was seine kleinen und mittelgroßen Nachbarn beunruhigt“, so der Experte.

    Nach der Pause sei Russland in den asiatischen Politik- und Informationsraum zurückgekehrt, und zwar in einer völlig neuen Gestalt: „Nun wird Russland als ein Staat wahrgenommen, der nicht Ideologie, sondern Wirtschaft für wichtig hält und dabei bereit ist, mit allen zusammenzuarbeiten. Diese Gestalt sollte man kultivieren, denn sie entspricht den asiatischen Vorstellungen von einer Tugend.“

    Russland stelle keine Ansprüche darauf, den Ländern der Region seine Spielregeln aufzuzwingen. Als bedeutender Rohstoffexporteur sei es daran interessiert, eine möglichst freundliche Politik gegenüber allen potenziellen Verbrauchern zu betreiben. Auch der Waffenexport bringe Russland wichtige Gewinne, hieß es.

    „Asiatische Länder geben sich ihrerseits Mühe, ihre Energierohstoff- und Waffenimporte zu diversifizieren. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für Russland. Dafür gibt es viele Beispiele, darunter auch ziemlich exotische – wie beispielsweise die militärtechnische Kooperation zwischen Russland und Südkorea, das eigentlich ein Militärverbündeter der USA ist und von ihnen im Verteidigungsbereich kritisch abhängig“, heißt es im Kommentar.

    „Und schließlich brauchen kleine und mittelgroße Länder der Region einen äußeren Akteur, der von seiner militärpolitischen Mächtigkeit her den USA und China nicht unterlegen wäre. In vielen Situationen könnten solche asiatischen Länder ausgerechnet an Russland appellieren, indem sie dessen Meinung zu Recht für neutral halten würden“, so Bordatschow weiter.

    Er meint: „Deshalb braucht Moskau eigentlich absolut kein formelles Bündnis mit Peking, von dem chinesische Fachleute manchmal gerne sprechen. Bei einer (unvermeidlich anmutenden) Verkomplizierung der regionalen politischen Lage würde ein solches Bündnis Russland sofort auf eine Seite der Barrikade bringen. Obwohl die chinesisch-russischen Beziehungen bereits jetzt einen sehr hohen Stand haben (sie sind ja nicht nur respekt-, sondern auch vertrauensvoll), sollte Russland offiziell neutral bleiben – und wird das wohl auch tun. Das wäre die adäquateste Handlungsweise vor dem Hintergrund des sogenannten asiatischen Paradoxes, bei dem es für die meisten Länder der Region trotz ihrer wirtschaftlichen Fortschritte unmöglich ist, die Qualität ihrer politischen Beziehungen zu erhöhen.“

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    Tags:
    Wirtschaft, Einfluss, Südkorea, Japan, China, Russland