10:54 14 Dezember 2017
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    Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdogan (Archivbild)

    Griechenland beunruhigt: Erdogan will Vertrag von Lausanne neu verhandeln

    © REUTERS/ Umit Bektas
    Politik
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat wenige Stunden vor seinem Abflug nach Griechenland in einem Interview für den TV-Sender Skai gesagt, dass der Vertrag von Lausanne revidiert werden solle. Athen soll seine Besorgnis über diese Verlautbarung geäußert haben.

    „Wenn ich von einer Erneuerung spreche, können wir alles erörtern – von Alpha bis Omega. Griechenland wird möglicherweise empört über einige Fragen und konkrete Prognosen sein. Wir können uns aber an den Verhandlungstisch setzen und alles besprechen“, betonte Erdogan.

    Wie er präzisierte, beträfe die Revision nicht nur Griechenland, sondern die ganze Region. Der Vertrag von Lausanne definiert unter anderem die Grenzen zwischen der Türkei, dem Irak und Syrien.

    Allerdings präzisierte Erdogan nicht, welche Neuerungen er in den Vertrag aufnehmen wolle. Er sagte nur, dass die Distanzen zwischen einigen Inseln „problematisch“ seien. 

    Indes soll der griechische Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos am Mittwochabend erklärt haben, dass Erdogans Interview „ersthafte Befürchtungen und Fragen“ auslöse.

    „Die griechische Regierung und der Premier wollen, dass der Besuch als Anlass für die Errichtung von Brücken und nicht von Wänden dient. Die Achtung des Vertrages von Lausanne ist eine unveränderliche Basis, auf der man eine aufrichtige Zusammenarbeit beider Länder aufbauen kann“, verlautete aus der Mitteilung der griechischen Regierung, die Ria Novosti vorliegt. 

    Wie es ferner heißt, tragen die Erklärungen über die Revision des Vertrages nicht zu der Atmosphäre bei, die Athen in den Beziehungen zu Ankara und zu anderen Ländern der Region aufzubauen versuche.                  

    Erdogan hält sich am 7. und 8. Dezember zu einem zweitägigen Besuch in Griechenland auf. Zuletzt hatte ein türkischer Staatchef Griechenland im Jahr 1952 besucht.   

    Noch im Herbst 2016 bezeichnete Erdogan bei einem Treffen mit Dorf- und Gemeindevorstehern den Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923 als eine Niederlage für sein Land.

    Der Vertrag von Lausanne war am 24. Juli 1923 zwischen der Türkei und mehreren Staaten aus West- und Osteuropa unterzeichnet worden. Er legte die neuen Grenzen der Türkei nach dem Ersten Weltkrieg und dem Griechisch-Türkischen Krieg fest. Auch die aktuelle Grenze zwischen Griechenland und der Türkei basiert auf dessen Bestimmungen.

     

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    Tags:
    Revision, Vertrag, Dimitris Tzanakopoulos, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Griechenland, Syrien, Irak
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