15:52 18 Dezember 2017
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    Soldaten der Demokratischen Kräte Syriens (SDF) (Archiv)

    Was beinhaltet der neue Nahost-Plan der USA und gegen wen richtet er sich?

    © AFP 2017/ BULENT KILIC
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    US-Präsident Trump hatte erklärt, die Waffenlieferungen an die syrischen Kurden nach der Zerschlagung des IS einzustellen. Dennoch kommen weiter US-Waffen nach Syrien. Der türkische Präsident Erdogan sieht darin, so sagte er kürzlich, einen Plan der USA. Der türkische Politologe Faik Bulut kommentiert dies im Sputnik-Gespräch.

    Nicht nur, dass Washington weiter Waffen an die syrischen Kurden liefert: Im Norden Syriens werde auch ein Korridor für Terroristen freigehalten, und die Zahl der US-Stützpunkte in Syrien nehme zu, sagte Erdogan auf einer Fraktionssitzung der Regierungspartei AKP.

    „Wo und gegen wen wird Amerika diese Waffen einsetzen? Gegen den Iran etwa? Oder gegen die Türkei? Oder, wenn sie den Mut haben, gegen Russland?“, so der türkische Staatschef.

    Die Hauptstoßrichtung der Vereinigten Staaten sei, „gemeinsam mit Israel und Saudi-Arabien den Iran einzukreisen und in die Knie zu zwingen“, sagte der türkische Politologe Bulut im Sputnik-Interview. Hierbei seien mehrere Aspekte wichtig: „Die USA wollen beispielsweise die Kontrolle über die Energieressourcen der Region bekommen.“

    Washington müsse derzeit nach neuen Einflussmöglichkeiten suchen, um nicht gänzlich aus der Region verdrängt zu werden, erklärt der Analytiker. „Alle wissen, dass Russland beachtliche Erfolge in der Region erzielen konnte. Deshalb ist die Front, die die USA mit allen Mitteln unterstützt hatten, auseinandergefallen. Die oppositionellen Gruppen, die von der US-Regierung unterstützt wurden, sind zerbrochen. Das erklärt die Zusammenarbeit der USA mit den Kurden.“

    Das größere Ziel der Vereinigten Staaten im Nahen Osten sei, den Iran zu schwächen, um Russland vom Süden her einzukreisen, sagt der Politologe. „Irans Stärke zu brechen, steht jetzt an erster Stelle. Das liegt auch im Interesse Saudi-Arabiens und Israels.“

    Russlands Stärke hindere die USA aber daran, ihre Ziele in Nahost erreichen, betont der Experte. Außerdem seien die Länder, auf die sich die Vereinigten Staaten in der Region stützen – mit Ausnahme Israels – zu schwach.

    „Schauen wir uns mal die Länder an, die die Vereinigten Staaten als ihre Verbündeten in der Region ansehen. Saudi-Arabien ist weder im Jemen noch in Katar wirklich erfolgreich. Ägypten ist ganz mit sich selbst und seinen inneren Problemen beschäftigt. Daher sind die Kurden die einzige Stütze, die den USA noch bleibt.“

    Wobei: Das Ziel der Kurden sei die Autonomie, „sie haben nicht vor, zu US-Legionären zu werden“, so der Politologe. Russland werde die Kurden derweil nicht ohne Weiteres der US-Kontrolle überlassen: „Präsident Putin ist sich im Klaren darüber, dass man den Kurden-Faktor in der Region nicht vernachlässigen darf. Sein Ziel ist es deshalb, die syrische Regierung und die Kurden zu befrieden, die Türkei vom US-Einfluss zu entfernen und den Dialog zwischen Ankara und Damaskus zu fördern.“

    Die USA seien im Moment gerade außenpolitisch sehr schwach. „Und mitten in dieser Schwäche werden sie mit drei großen Kräften konfrontiert: Russland, China und dem Iran“, resümiert der Experte und betont: „Die Türkei aber rennt zwischen diesen beiden Lagern hin und her, ohne hundertprozentig Position aufseiten der USA oder aufseiten Russlands und Syriens zu beziehen.“

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    Tags:
    Waffenlieferungen, Kurden, Syrien, USA
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