18:21 25 April 2018
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    Abrüstung in Rahmen des INF-Vertrags (Archiv)

    USA starten Informationskampagne zum Ausstieg aus INF-Vertrag – Experte

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    Politik
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    Die von Medien veröffentlichten Publikationen, dass Washington von Moskau fordert, den INF-Vertrag einzuhalten, zeugen vom Start einer Informationskampagne, die die Gesellschaft auf den Ausstieg der USA aus dem Vertrag vorbereiten soll. Diese Meinung äußert der russische Militärexperte Konstantin Siwkow in einem Sputnik-Gespräch.

    So kommentierte er einen Artikel, den zuvor die „Financial Times“ veröffentlicht hatte. Laut der Zeitung haben die USA Russland über Pläne informiert, neue nukleare Raketen zu entwickeln, falls Russland „nicht zur Einhaltung des INF-Vertrages zurückkehrt“. Außerdem seien die USA bereit, Einschränkungen gegen russische Unternehmen einzuführen, die die Rakete Novator 9M729 herstellen.

    „Diese Publikationen zeugen davon, dass in den USA eine Informationskampagne begonnen hat, die die Gesellschaft auf den Ausstieg aus dem INF-Vertrag vorbereiten soll. Die USA planen offensichtlich, eine neue Mittelstreckenrakete zu entwickeln, denn sie brauchen solche Waffen, um die Strategie eines ‚Enthauptungsschlages‘ (massiver strategischer Angriff auf die politischen und militärischen Führungsstrukturen des Gegners – Anm. d. Red.) umzusetzen“, sagte Siwkow.

    Der Experte nimmt an, dass die neue amerikanische Rakete durch ihre taktisch-technischen Kampfmöglichkeiten der Rakete Pershing II ähneln werde. Treffweite und Treffergenauigkeit der neuen Rakete sollen aber höher sein.

    „Falls der INF-Vertrag außer Kraft tritt, darf Russland nicht auf die Entwicklung von Mittelstreckenraketen setzen, denn sie stellen eine Gefahr für Europa, aber nicht für die USA dar. Wir müssen bereit sein, eine asymmetrische Antwort zu geben, und wir haben Waffen dafür“, betont der Experte.

    In letzter Zeit gab es immer wieder Vorwürfe seitens Washingtons, Russland würde gegen den INF-Vertrag verstoßen. 2008 soll ein angeblich vertragswidriger Test mit einer russischen Langstreckenrakete erfolgt sein. Einem weiteren Vorwurf vonseiten der USA zufolge hat das russische Militär in Wolgograd und anderen Regionen angeblich Raketensysteme stationiert, die Kontinentaleuropa gefährden. Russland wirft wiederum den USA vor, für das Raketenabwehrsystem in Polen und Rumänien Startgeräte für schiffsgestützte Marschflugkörper zu verwenden, was der INF-Vertrag verbietet.

    Am 8. Dezember 1987 war der INF-Vertrag zwischen der Sowjetunion und den USA unterzeichnet worden. Er hatte die beiderseitige Vernichtung sowie den Produktionsstopp von nuklearen Mittelstreckenraketen zum Ziel.

    Drei Jahre später erfüllten beide Seiten die Forderungen des INF-Vertrags. Moskau vernichtete insgesamt 1846 Raketenkomplexe, insbesondere mobile Startanlagen für Raketen mit Mehrfach-Sprengköpfen, stationäre Raketen R-12 und R-14, Marschflugkörper RK-55 sowie operativ-taktische Komplexe Temp-S und Oka. Die Amerikaner vernichteten im Gegenzug 846 Raketenkomplexe mit Raketen Pershing-2, Marschflugkörpern Tomahawk und operativ-taktischen Raketen Pershing-1A.

    In Russland werden manchmal die Bedingungen des INF-Vertrags kritisiert, weil die Sowjetunion fast drei Mal so viele Raketen und mehr als die dreifache Menge an Sprengköpfen entsorgen musste. Zudem verfügen aktuell vier Länder mit Atomwaffen über Kurz- und Mittelstreckenraketen, die Russland nicht mehr besitzt.

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    Tags:
    Mittelstreckenrakete, Gesellschaft, Ausstieg, Vorbereitung, Informationskampagne, INF-Vertrag, Konstantin Siwkow, USA, Russland
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