20:18 20 April 2018
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    Katars Außenminister Scheikh Mohammed bin Abdulrahman al-Than beim Treffen des Golf-Rats

    Kooperationsrat bricht entzwei: Zwischen Golf-Monarchien herrscht Kriegsgefahr

    © REUTERS / Assad Hani
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    Nur einige Stunden hat das jüngste Treffen des Golf-Rats gedauert – statt der geplanten zwei Tage. Die Gipfelteilnehmer sind nach Hause gefahren, ohne die Krise auf der Arabischen Halbinsel gelöst zu haben. Dies berichtet die Zeitschrift „Expert“.

    Als wäre der außenpolitische Druck auf den Nahen Osten nicht groß genug, spitzen sich die inneren Widersprüche der arabischen Länder weiter zu. Der jüngste Gipfel des Golf-Kooperationsrates hat dies klar gezeigt:

    „Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Katar ist nicht nur ungelöst“, schreibt das Blatt, „sondern nimmt weiter Fahrt auf und kann spürbaren Einfluss auf die gesamte Region ausüben – und auf die Ölmärkte.“

    Lang in Erinnerung bleiben werde der 38. Gipfel des Golf-Kooperationsrats allemal. Denn bei diesem Treffen haben Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate die Gründung einer bilateralen Wirtschafts- und Verteidigungsunion verkündet – einer Union abseits des Kooperationsrates, der inzwischen seit über drei Jahrzehnten besteht.

    Die Experten seien sich sicher, so die Zeitschrift: Die Gründung dieser Union komme einem Todesstoß gegen den Kooperationsrat gleich, werde dieser damit doch im Grunde für überflüssig erklärt.

    Der Schulterschluss zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten bringt die anderen Mitglieder des Golf-Kooperationsrates, allen voran Katar, in eine heikle Lage: Die Gründung zeige, dass zwei führende Ratsmitglieder ihre eigene Strategie fahren – und zwar eine gegen die Politik des gesamten Rates.

    Ja, die Zusammenarbeit zwischen den Golfmonarchien sei immer schon schwierig gewesen, räumt der „Expert“ ein. Immer wieder habe es Widersprüche gegeben, zwischen Saudi-Arabien sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten auf der einen und Oman, Kuweit und jetzt auch Katar auf der anderen Seite. Nun komme noch das gescheiterte Gipfeltreffen dazu. Die Katar-Krise werde dadurch – dies könne man getrost annehmen – mit neuer Kraft entfacht.

    Und dies zur offensichtlichen Freude der beiden Erzfeinde Israel und Iran, die in dieser Hinsicht ein gemeinsames Ziel verfolgen: die geschlossene Front der Golfstaaten aufzubrechen. Zudem sei beiden daran gelegen, von den Vorgängen in Syrien und dem Irak abzulenken.

    Indes wird die Gründung der bilateralen Wirtschafts- und Verteidigungsunion laut dem Blatt einen weiteren Konflikt in der Region zur Folge haben: den Krieg in Jemen. Diesen Konflikt beizulegen, wird jetzt besonders schwierig – zumal nach dem Tod von Ex-Präsident Saleh, der im November erst einen Frieden vorgeschlagen hatte.

    „Die Wahrscheinlichkeit eines Krieges zwischen den Golf-Monarchien ist nach dem Gipfeltreffen des Kooperationsrates größer geworden. Hat sich die Katar-Krise auf die Ölmärkte bislang nicht sonderlich ausgewirkt, wird sich das mit dem Kriegsausbruch natürlich ändern – vorausgesetzt, es kommt dazu. Und angesichts der riesigen Gasvorkommen in Katar kann man davon ausgehen, dass dieser Konflikt sich auch auf dem Gasmarkt bemerkbar macht“, schreibt „Expert“.

    Üblicherweise werde Instabilität in ölfördernden Ländern als eine Ursache für höhere Ölpreise gewertet. „Diesmal aber kann es ganz anders kommen“, so das Blatt. „Die zunehmenden Gegensätze zwischen Saudi-Arabien und den VAE auf der einen und Katar sowie dem Iran auf der anderen Seite können auch die OPEC ereilen.“

    Die Organisation habe kürzlich erst beschlossen, die Ölförderung bis Ende 2018 einzufrieren. Diese Vereinbarung zu erfüllen, werde mit dem Scheitern des Gipfels sicherlich schwieriger, was einen weiteren Verfall der Ölpreise nach sich ziehen könnte – natürlich zum größten Missfallen Russlands.

    Moskau sei an normalen Beziehungen mit allen Mitgliedern des Kooperationsrates interessiert und lege Wert darauf, Neutralität zu wahren. Es sei jedoch nicht überraschend, so das Blatt, dass Moskaus Position in diesem Punkt mit jener Washingtons und Brüssels übereinstimme: Es komme darauf an, einen Kompromiss zu finden und den Konflikt am Persischen Golf schnellstens beizulegen.

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    Tags:
    Internationale Beziehungen, Ölförderung, Konflikt, Sanktionen, Golf-Kooperationsrat, OPEC, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Nahost, Persischer Golf, Katar, Saudi-Arabien
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