15:30 26 April 2018
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    Proteste gegen Anerkennung von Jerusalem als Israels Hauptstadt (Archiv)

    Militärbasen, Anleihen, Waffendeals: Ob Araber die USA mit Sanktionen belegen könnten

    © REUTERS / Mohammed Salem
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    Nachdem Donald Trump beschlossen hat, Jerusalem als israelische Hauptstadt anzuerkennen, überschütten arabische Länder ihn mit Kritik – und sprechen sogar von eventuellen Sanktionen gegen die USA. Laut russischen Experten sind solche Sanktionen zwar theoretisch möglich, praktisch aber kaum vorstellbar.

    Wie die russische Onlinezeitung vz.ru berichtet, hat der Libanon beim jüngsten Ministertreffen der Arabischen Liga aufgerufen, Sanktionen gegen die Vereinigten Staaten wegen Trumps Entscheidung einzuführen: Der libanesische Außenminister Gebran Bassil plädierte für diplomatische, politische und bei Bedarf auch wirtschaftliche Maßnahmen.

    Der russische Analyst Dmitri Absalow kommentierte für vz.ru, im Nahen Osten gebe es viele US-Militärbasen: „Es wäre beispielsweise möglich, ihren Betrieb zu erschweren – etwa durch höhere Pachtkosten oder durch ein Einschränken von Aktivitäten der US-Soldaten im jeweiligen Land.“

    Der Streit mit den USA könnte arabische und muslimische Länder laut Absalow dazu veranlassen, nach Alternativen zu suchen und die Zusammenarbeit mit anderen Mächten zu intensivieren: „Im Hinblick auf das Ungleichgewicht, das Trump mit seiner Äußerung verursacht hat, wird das Interesse für Moskau im Prinzip zunehmen.“ Auch China könnte nach Ansicht des Experten seine Positionen in der Region deutlich festigen.

    Absalow schließt theoretisch nicht aus, dass manche Länder nun mehr russische Waffen kaufen könnten. Er weist darauf hin, dass die Türkei bereits zuvor russische Luftabwehrsysteme S-400 ins Visier genommen hätte, obwohl ihr eigentlich US-Systeme des Typs Patriot zur Verfügung stehen würden. Auch mit Saudi-Arabien könnte Russland laut Absalow neue Waffendeals aushandeln.

    Wie er weiter erläutert, könnten arabische Länder hypothetisch ihre Transaktionen in Dollar einschränken, um Öl etwa in Yuan zu verkaufen. Die Zusammenarbeit mit US-Energiekonzernen wie Chevron oder Exxon könnte ebenfalls reduziert werden.

    Allerdings hält Absalow arabische Sanktionen gegen die USA für wenig wahrscheinlich: „All diese Länder werden von den USA finanziert – mitunter durch vergünstigte Kredite oder durch eine direkte Finanzunterstützung. Die meisten Waffen, die beispielsweise von Saudi-Arabien verwendet werden, stammen ebenfalls aus den USA – und man ist ja von dem abhängig, dessen Waffen man bezieht.“

    Auch der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow sagte vz.ru, diese Länder seien von den USA mehr abhängig als die USA von ihnen: „Außerdem: Wenn die Rhetorik und das Händeringen ausgeklammert werden, ist die Palästina-Frage für arabische Länder lediglich ein Thema, um Druck auszuüben und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Niemand von ihnen wird wegen dieser Frage auf eine Verschlechterung der Beziehungen mit den Vereinigten Staaten eingehen.“

    Saudi-Arabien, das über viele US-Staatsanleihen verfügt, oder Katar, das einen US-Militärstützpunkt beherbergt, könnten zwar laut Lukjanow rein theoretisch etwas tun: „Doch dies wäre äußerst unrealistisch – es wird nie dazu kommen.“

    Der russische Nahost-Experte Anton Mardassow stimmte zu: „Ich denke nicht, dass irgendwelche Sanktionen eingeführt werden. Trotz aller Ausschreitungen wird sich alles auf Demonstrationen, verbrannte Flaggen und politische Äußerungen beschränken. Aus meiner Sicht sind das rein populistische Erklärungen, sie haben keine ernsthaften Mechanismen.“

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    Tags:
    Entscheidung, Unterstützung, Sanktionen, Donald Trump, Jerusalem, Saudi-Arabien, USA, Israel
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