06:23 22 Oktober 2018
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    Krieg in Libyen: Straßenkämpfe in Benghazi (Archivbild)

    Libyen-Krise: Russland handelt geschickt- Interview

    © AFP 2018 / Abdullah Doma
    Politik
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    Solange die westlichen Mainstream-Medien die Lage und die Ziele des Westens in Libyen verschweigen, vermittelt Moskau heute in den Situationen, in denen die Amerikaner eine Katastrophe herbeigeführt haben, sagte der italienische Politologe und Autor Paolo Sensini im Gespräch mit Sputnik.

    „Ich glaube, Russland hat seine Karte in Libyen gut ausgespielt. Nachdem Russland die Syrien-Krise gelöst und das Land tatsächlich vor dem Zerfall gerettet hat, beginnt Moskau, seine Partie im Mittelmeerraum am vernünftigsten zu spielen.“

    Das russische Engagement bei der Beilegung des Libyen-Konflikts schätzt Sensini positiv ein. Nach der Befreiung Syriens von den Terroristen mithilfe der russischen Luftstreitkräfte sei der IS fast komplett vernichtet. Jetzt nehme Russland seine eigenen Interessen im Mittelmeerraum wahr.

    Die Hauptverantwortung für die Verwüstung Libyens trage der Westen, behauptet der italienische Autor in seinem Buch „Libyen – eine Kolonie Italiens und eine Kolonie im globalen Sinne“. Die Weltgemeinschaft sollte die westlichen Politiker, die für die soziale und humanitäre Katastrophe in Libyen verantwortlich sind, zur Rechenschaft ziehen.

    Der Italiener verweist darauf, dass der wahre Grund für den Staatsstreich 2011 in dem nordafrikanischen Land die Reformpläne von Muammar Gaddafi gewesen seien. Als Gaddafi vorgeschlagen habe, eine neue afrikanische Währung – den Golddinar – einzuführen, sei er vom Westen zum Feind des afrikanischen Finanzsystems erklärt worden. Die westlichen Regierungen hätten sich bemüht, Gaddafi, der außer Kontrolle geraten sei, loszuwerden.

    Der von den USA, Frankreich und Großbritannien inspirierte Staatssturz habe eine wirtschaftliche, soziale und politische Katastrophe verursacht, deren Folgen man auch heute noch sehen könne. Libyen sei einem großangelegten Informationskrieg zum Opfer gefallen, den der Westen und die Golfstaaten gegen das Land entfesselt hätten, so der italienische Politologe.

    Für eine mögliche Lösung der Libyen-Krise hält Sensini die Rückkehr in die Politik von Saif al-Islam, Sohn des entmachteten libyschen Präsidenten Gaddafi, der  nach einigen Jahren hinter Gittern vor kurzem aus dem Gefängnis entlassen worden sei. Es sei eine schwere, aber die einzige Variante, sagt Sensini abschließend.

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    Tags:
    Befreiung, Zerfall, Informationskrieg, Syrien-Krise, IS, Saif al-Islam al- Gaddafi, Muammar al-Gaddafi, Syrien, USA, Westen, Russland, Libyen