20:05 18 August 2018
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    Berlin. Checkpoint Charlie (Archiv)

    Pentagon bereitete „Selbstmord-Einheiten“ in Berlin vor – Medien

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    Für den Fall, dass der Kalte Krieg in eine heiße Phase getreten wäre, haben die USA 1956 im von sowjetischen Truppen eingekreisten Westberlin eine Spezialeinheit aufgestellt. Das Portal The National Interest bezeichnet sie als „Selbstmord-Einheit“, die für Sabotagen und Aufstände in den Ländern des Warschauer Paktes zuständig war.

    „Ihre Anwesenheit gewährleistete die Freiheit der Hälfte Berlins von der kommunistischen Herrschaft. Es war aber für niemanden ein Geheimnis, dass das eine Aufgabe für Selbstmörder war“, schreibt das Portal.

    Demzufolge musste diese Einheit gegen den „sowjetischen Juggernaut“ – die unaufhaltsame Kraft, die alles auf ihrem Wege vernichtet, – kämpfen: Lager und Brücken sprengen, Sabotageakte auf Eisenbahnen ausführen und Aufstände im Hinterland der Länder des Warschauer Paktes organisieren.

    Es bestand jedoch auch eine andere US-Einheit mit einer noch gefährlicheren Mission: Im Kriegsfall eine Guerilla gegen die „Sowjets und ihre Marionettenarmeen“ zu führen.

    „Tief in Ostdeutschland, in einer Gegend voll von sowjetischen Truppen und Geheimpolizei, sollte eine kleine Gruppe von US-Kommandos Versorgungslager sprengen und lokale Widerstandsbewegungen anführen“, so das Portal.

    Die Soldaten seien sich ihrer Chancen und der Gefahr immer bewusst gewesen, schreibt der Veteran der Einheit James Stejskal in seinem Buch „Special Forces Berlin: Clandestine Cold War Operations of the US Army’s Elite 1956-1990“. Sie blieben aber dennoch entschlossen, die „sowjetische Kriegsmaschine“ aufzuhalten.

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    Die US-Spezialkräfte entstanden im Jahr 1952. 1956 erschienen ihre Einheiten in Berlin. Ihre vorrangigsten Ziele – Bahnhöfe, Brücken, Militärstäbe und Kontrollsysteme, Kommunikationseinrichtungen, Öl- und Schmierstoffanlagen sowie Kraftwerke – befanden sich innerhalb des Berliner Außenrings. Mit diesem 125 Kilometer langen Eisenbahnring um das ehemalige West-Berlin hätte die UdSSR im Kriegsfall die Mehrheit der Fracht an die Front transportiert, so Stejskal.

    „Diese Gruppen waren außerdem bereit, Berliner Zivilisten zu bewaffnen und ihre Handlungen gegen die Okkupationsmächte zu leiten. Keine leichte Aufgabe für eine weniger als 100 Menschen starke Einheit“, schreibt der Veteran. Für den Notfall wurden demnach in einem Arsenal in Berlin 10.000 Waffeneinheiten versteckt.

    Die „Selbstmord-Einheiten“ sollen mit einem weiteren Problem konfrontiert gewesen sein: Wegen der Terrorwelle in den 1970er und 1980er Jahren versuchte die US-Regierung, sie als Angriffsinfanterie einzusetzen. Das Einschlagen von Türen und das Retten von Geiseln war jedoch weit von den Fertigkeiten entfernt, die ein Soldat brauchte, um auf ostdeutschem Gebiet am Leben zu bleiben.

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    Nach dem Mauerfall wurde die Einheit aufgelöst. Die Aufklärung der DDR soll von ihr bis 1975 nichts gewusst haben.

    „Sie gingen Seite an Seite mit einfachen Berlinern, mit dem beunruhigenden Wissen, dass sie vielleicht genau auf diesen Straßen kämpfen müssen. Es war gleichzeitig schwer, sich eines inneren Lächelns zu enthalten: Sie gehörten zu den auserwählten Soldaten, die an diesem Vorposten dienen und eine wichtige Aufgabe erfüllen konnten“, schließt Stejskal.

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    Mauerbau, Kalter Krieg, Berliner Mauer, The National Interest, Pentagon, Berlin, Deutschland, USA
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