02:44 19 Januar 2018
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    Ein Muslimer betet vor einer Moschee in Pristina

    Terror, Nordkorea und… der Balkan: In US-Risikoanalyse taucht ein neuer Punkt auf

    © AFP 2018/ ARMEND NIMANI
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    Jährlich erstellt der Thinktank Council on Foreign Relations eine Liste der aktuellen außenpolitischen Konflikte, mit denen die US-Regierung aller Voraussicht nach auch im folgenden Jahr konfrontiert sein wird. Die diesjährige Risikoanalyse unterscheidet sich aber von den bisherigen und bietet interessante Einblicke.

    In der ersten und zweiten „Risiko-Stufe“ finden sich erwartungsgemäß Nordkorea, Syrien, Afghanistan, die Beziehungen zwischen Russland und der Nato, die Ukraine und andere Länder wieder. Es gibt jedoch eine Neuigkeit: In der dritten Stufe tauchen neben Libyen, dem Südsudan und Simbabwe plötzlich Balkanländer auf. Vor einem Jahr hatte es sie in dem Bericht noch nicht gegeben, genauso wenig wie in allen anderen auf der Webseite der Denkfabrik verfügbaren Berichten.

    Laut dem US-amerikanischen Balkan-Experten Daniel Serwer bedeutet die dritte Stufe, dass Washington wichtigere Probleme anzupacken hat. Die Balkan-Länder seien jedoch „zum ersten Mal seit langer Zeit“ auf die Liste gesetzt worden.

    In einem Interview mit Sputnik kommentierte Professor Milomir Stepic vom Belgrader Institut für politische Forschungen die Risikoanalyse: „Man sollte die Bedeutung der Balkanländer nicht unterschätzen: Sie waren und sind immer noch eine wichtige Region, ein Schauplatz, auf dem die Interessen der führenden Staaten in Konflikt kommen.“ Da auch noch China vor Kurzem dazugekommen sei, sei der Knoten noch komplizierter geworden.

    „Niemand verlässt den Balkan, es kommen nur neue Akteure hinzu. Ein Vakuum ist in einer solchen Lage unmöglich: Es muss immer eine Kraft geben, die eine dominierende Position einnimmt“, so der Professor weiter.

    Washington wolle an seinem Platz festhalten, weil sonst seine Positionen im ganzen Ost-Mittelmeerraum, im Schwarzen Meer sowie in ganz Südeuropa gefährdet sein würden.

    Dabei muss laut Stepic das veränderte Verhältnis zwischen den USA und der Türkei bedacht werden. Die Türkei spiele ja eine wichtige Rolle in der Stabilität des Balkans sowie des Nahen Osten. Ankara kontrolliere zudem einen der bedeutendsten „geopolitischen Punkte“ – die Meerengen Bosporus und Dardanellen.

    „Auf dem Balkan sind verschiedene rapide Änderungen möglich, die Amerikaner wollen ihrerseits ihre Positionen stärken und sich diese Region sichern. Solange auf dem US-Militärstützpunkt Camp Bondsteel im Kosovo auch nur ein US-Soldat bleibt, wird ihnen das gelingen.“ Und weil es US-amerikanische Militärs nicht nur im Kosovo, sondern auch in Mazedonien, Albanien und Bosnien-Herzegowina gebe, würden die Amerikaner ihre Präsenz auf dem Balkan erhöhen, wenn sie spüren, dass ihre Sicherheit gefährdet sei.

    Flaggen von der USA und Kosovo in Pristina (Archiv)
    © AP Photo/ Visar Kryeziu
    Auch Russland wolle auf dem Balkan präsent sei, was für Washington ein alarmierendes Signal sei. „Der Balkan wird oft als der genaueste Seismogpraph für geopolitische Erdbeben bezeichnet, weil die ersten,Erdstöße‘, verursacht durch Konfrontationen der politischen Schwergewichte der Welt, hier registriert werden können“, so der Expert weiter.

    Auf dem Balkan hätten die USA so viele potentiell brandgefährliche Punkte hinterlassen, dass eine lokale Krise in einen großen Konflikt ausarten und auf die ganze Region überschwappen könnte. „Dann wird Washington wieder Vermittler schicken, um das Chaos zu beseitigen und natürlich wieder hier zu bleiben“, schlussfolgert der Politologe.

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    Tags:
    Gefahr, Analyse, Krise, Risiko, Türkei, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Balkan, USA