18:21 16 Juli 2018
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    Manöver der US-Armee Talisman Saber 2013 in Australien (Archivbild)

    Barometer steht auf Krieg: Inwieweit trifft das Russland?

    © Foto: DoD/ U.S. Marine Corps/ Cpl. Michael Oxton
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    In zwei Gefahrenherden können gemäß den Prognosen von internationalen Experten bereits 2018 Kriege ausbrechen. Als Hauptakteure werden hier Nordkorea, Saudi-Arabien und der Iran gesehen. Welche Rolle dabei Russland überlassen sei, teilte der russische Militäranalyst Wladimir Winokurow in einem Sputnik-Interview mit.

    Der ehemalige Schweizer Botschafter und Kommentator der Zeitung „Le Temps“, François Nordmann, nennt zwei Spannungsherde auf unserem Planeten, wo das Geschehen jederzeit in einen Krieg münden könne: die Koreanische Halbinsel und den Nahen Osten.

    Der Spezialist für die Atom-Problematik vom Internationalen Institut für strategische Forschung in London, Mark Fitzpatrick, spricht in diesem Zusammenhang von einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit eines Kriegs mit Nordkorea bereits Anfang 2018. Auch die Nationale Sicherheitsberaterin des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, Susan Rice, geht davon aus, dass Kim Jong-un „grausam und entschlossen“ handeln könne.

    In keiner dieser Prognosen wird Russlands aktive Teilnahme an möglichen bewaffneten Konflikten erwähnt. Der russische Experte Wladimir Winokurow bezeichnete die Prognosen der ausländischen Kollegen zwar als „evident“, hob aber Russlands Rolle in beiden Szenarien hervor.

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    „Auf der Koreanischen Halbinsel wird alles davon abhängen, wie die Amerikaner auf den Aufruf reagieren werden, das Manöver zu stoppen“, sagte Winokurow in einem Sputnik-Interview. Genau diese seit etwa 30 Jahren größten Militärübungen könnten durch Fahrlässigkeit mit einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den USA und Südkorea einerseits und Nordkorea andererseits enden.

    Sollte es dabei zu einem Zwischenfall kommen, etwa wenn ein Kampfjet zufällig die Grenze zu Nordkorea verletzt, so werde dies für den jungen ambitionierten Kim Jong-un Anlass genug sein, um einen Gegenschlag zu führen. So hatten US-Bomber im Rahmen eines gemeinsamen Manövers bereits ein Übungsgelände in Südkorea unmittelbar an der Grenze zu Nordkorea bombardiert, klärt der Experte auf. Sollte es bei solchen „Übungen“ zu einem Vorfall kommen, würde Nordkorea dies als einen Angriff interpretieren.

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    „Sie warten nur auf einen Anlass. Sie sind, wie Kim Jong-un mehrmals betonte, jederzeit bereit, sich zu opfern, nur um ihrem Erzfeind einen Schlag zu versetzen, vor allem wo sie jetzt über eine Hwasong-15-Rakete verfügen, die den US-Kontinent erreichen kann“, sagte Winokurow.

    Der Experte wies vor diesem Hintergrund darauf hin, dass sich die beiden Staatschefs, Donald Trump und Kim Jong-un, nicht gerade durch psychische Stabilität auszeichnen würden.

    Interessenskonflikt im Nahen Osten und Anerkennung Jerusalems

    Im Nahen Osten bilde Saudi-Arabien einen Block gegen den Iran. Nach der jüngsten Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch den US-Präsidenten Donald Trump habe sich nun auch Tel-Aviv diesem Block angeschlossen. „Mit diesem Schritt stellten die USA alles auf den Kopf, sie verletzten alle zuvor existierenden Vereinbarungen“, so der Experte.

    Vor der Anerkennung von Jerusalem als Israels Hauptstadt sei der Konflikt im Nahen Osten zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien eher eingefroren gewesen. Nach der endgültigen Niederlage der Terrormiliz Islamischer Staat (IS, auch Daesh) weite der Iran seine Präsenz im Irak und in Syrien immer weiter aus. Dieser zunehmende Einfluss Teherans in der Region bereite Riad und seinen Verbündeten, darunter Israel, natürlich Sorgen, so Winokurow.

    Die Zuspitzung im Nahen Osten sei zwar nicht so scharf wie auf der Koreanischen Halbinsel. Die jüngsten Bombardements der israelischen Luftwaffe auf syrische Territorien, einschließlich Damaskus, wo sich iranische Militärbasen befinden, könnten aber auch hier zu jedem Zeitpunkt zum Ausbruch einer kriegerischen Auseinandersetzung führen, warnte der Experte.

    Ein Krieg könnte also jederzeit im Nahen Osten ausbrechen, nicht unbedingt nur zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, sondern auch zwischen Israel und dem Iran. Hierbei spielten die USA nicht gerade die letzte Rolle. „Mit der Anerkennung von Jerusalem haben sie die Zuspitzung der ohnehin schwierigen Lage provoziert, stehen aber selber abseits“, unterstrich Winokurow. Jüngst habe auch die Türkei Israel scharf kritisiert. 

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    Der Experte betonte zugleich, dass Moskau, obwohl es stets als „Aggressor“ bezeichnet werde, in beiden möglichen Kriegen keinesfalls verwickelt sei. „Russland wird in dem einem wie dem anderen Fall jedoch die entscheidende Rolle spielen: entweder bei der Vereitelung eines militärischen Ausgangs der Konflikte oder im Falle von deren Zuspitzung – durch deren Beilegung“, fuhr Winokurow fort.

    Im Gegenteil zu den USA könne Russland sowohl mit Saudi-Arabien als auch mit dem Iran reden. Auch auf der Koreanischen Halbinsel sei Moskau allein in der Lage, sich mit den beiden Konfliktparteien an den Verhandlungstisch zu setzen. „Unsere Außenpolitik hat sich immer, selbst zu Sowjetzeiten, dadurch ausgezeichnet, dass wir mit allen Teilnehmern derartiger Auseinandersetzungen in verschiedensten Ecken der Welt gleichermaßen reden können“, so Winokurow. Genau das erlaube es Moskau, gegebenenfalls die Vermittlerrolle zu übernehmen.

    Elena Grigorjewa

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