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    Flugzeug A-50U bei der Luftfahrtmesse MAKS (Archivbild)

    Syrische Kampagne und chinesische Erfahrung

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    Russlands Militär sollte seine Flotte von AWACS-Flugzeugen erweitern. Die Erfahrungen Chinas beim Aufbau einer solchen Luftaufklärungsflotte können dabei helfen, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Die Militäroperation der russischen Fliegerkräfte in Syrien, die auf Bitte der syrischen Regierung erfolgte, lässt mehrere Schlussfolgerungen zu. Eine davon betrifft die weitere Entwicklung der russischen AWACS-Flugzeuge. Die heute im Dienst stehenden Flugzeuge A-50U und die in Tests befindlichen A-100 sind fortgeschrittene Exemplare, doch es gibt ihrer nicht viele.

    So wurden während der Operation in Syrien auf dem Stützpunkt Hmeimim nur einzelne A-50U-Flugzeuge stationiert, die natürlich keinen 24/7-Dienst im Himmel über dem Kampfgebiet gewährleisten konnten. Deswegen ist für russische Luftstreitkräfte jetzt die Aufgabe der Beschaffung eines relativ günstigen AWACS-Flugzeugs besonders aktuell. Hier können die Erfahrungen Chinas helfen.

    Kurs auf Modernisierung

    In den 90er Jahren nahm Peking Kurs auf eine kardinale Modernisierung seiner Streitkräfte. Die wachsende Wirtschaft und die steigende Rolle des Landes in der Weltpolitik erforderten neue Herangehensweisen beim Militärbau. Eine der Richtungen bei der Modernisierung der chinesischen Armee wurde die Schaffung von AWACS-Flugzeugen. Das Ergebnis der Arbeit in diesem Bereich war beeindruckend – Peking stieg in die Liste der Länder auf, die selbständig AWACS-Flugzeuge entwickeln können, die mit den amerikanischen, russischen und europäischen Gegenstücken vergleichbar sind.

    Bis zum jetzigen Zeitpunkt schuf China vier Varianten der AWACS-Flugzeuge, die als Kong Jing bezeichnet werden. Das erste ist das Flugzeug KJ-2000, das mit einer funktechnischen Anlage und einer leistungsstarken Radaranlage ausgestattet ist. Die Basis für die Entwicklung der Maschine wurde das AWACS-Flugzeug A50I. Genutzt wurde die von der israelischen Firma entwickelte Radaranlage El/M-205 mit drei Aktiven Phased-Array-Radaren, die ein Dreieck bilden und sich in einer festeingebauten Umhüllung über dem Rumpf befinden.

    Entwicklung des Programms

    Parallel zur Entwicklung der KJ-2000 startete in China Ende der 90er Jahre das Programm zur Entwicklung eines weiteren AWACS-Flugzeugs mit bescheideneren Möglichkeiten auf Grundlage des Verkehrsflugzeugs Y-8 mit zwei aktiven Phased-Array-Radaren in einer festeingebauten Umhüllung wie bei dem schwedischen AWACS-Flugzeug Saab-340 AEW Argus.

    Angenommen war, dass die KJ-200 eine Ergänzung zur teuren KJ-2000 sein sollte, indem ein flexiblerer Einsatz der AWACS-Flugzeuge gewährleistet werden sollte. Insgesamt wurden elf KJ-200 hergestellt, die in das 76. Flugregiment der 26. Sonderflugdivision der chinesischen Luftstreitkräfte aufgenommen wurden.

    Auf Basis der KJ-200 wurde eine Exportversion für Pakistan entwickelt – ZDK-03. Diese Modifikation wurde auf Grundlage des Militärfrachtflugzeugs Y-9 entwickelt. Der größte Unterschied zu KJ-200 ist die Lage der Antennenanlage in einer klassischen, „sich drehenden“ Umhüllung über dem Rumpf. Das erste Flugzeug dieses Typs wurde 2010 an Pakistan übergeben. Insgesamt bekamen pakistanische Luftstreitkräfte von 2011 bis 2015 vier solche Maschinen.

    Eine Weiterentwicklung der KJ-200 und ZDK-03 wurde die KJ-500, die auf Basis des Verkehrsflugzeugs Y-9 entwickelt wurde. Chinesische Spezialisten verzichteten auf die schwedisch-brasilianische Variante der Stationierung von zwei flachen aktiven Phased-Array-Radaren in einer festeingebauten Umhüllung über dem Rumpf wie bei der KJ-200. Deswegen ähnelt die KJ-500 der pakistanischen ZDK-03. Doch ein wichtiger Unterschied ist, dass die Umhüllung festeingebaut ist und sich innen drei aktive Phased-Array-Radare befinden, die ein Dreieck für die Rundsicht bilden.

    Bordgestützte Version

    Da in China ein ambitioniertes Programm zum Bau vollwertiger Flugzeugträger umgesetzt wird, braucht die chinesische Marine dringend ein bordgestütztes AWACS-Flugzeug. Das Programm wurde vermutlich 2005 eingeleitet. Offiziell wurde es erst 2012 verkündet. Im Sommer 2012 tauchten Fotos eines Versuchsflugzeugs JZY-01 auf, das zur Erarbeitung konstruktiver Lösungen bestimmt war.

    Anfang 2017 wurden Fotos eines Vollmaß-Modells eines aussichtsreichen bordgestützten AWACS-Flugzeugs zugänglich – KJ-600, das für die Stationierung auf den Flugzeugträgern des Projekts 002 bestimmt ist, die mit Katapulten ausgestattet sind. Als Vorbild wählten die Chinesen das US-amerikanische bordgestützte AWACS-Flugzeug E-2C. Nach vorliegenden Fotos erinnert die Antennenverkleidung ebenfalls an das US-Analogon. Doch einige Experten heben hervor, dass sie nicht drehend, sondern festeingebaut ist und sich darin wie bei der KJ-2000 und KJ-500 drei aktive Phased-Array-Radare in einem Dreieck befinden.

    China demonstriert mit Gewissheit erreichte Erfolge der eigenen wissenschaftstechnischen Basis und Technologien, die zur Entwicklung verschiedener Typen von AWACS-Flugzeugen erforderlich sind. Zudem handelt es sich um Pläne für das Einspeisen auf dem internationalen Markt, wo die chinesischen Modelle wahrscheinlich mit den amerikanischen, europäischen und israelischen Pendants konkurrieren können, vor allem aus wirtschaftlichen und politischen Gründen. Die Erfahrung der chinesischen Luftstreitkräfte, die über eine ganze Flotte verschiedener AWACS-Flugzeuge verfügen, könnte ein Vorbild für die russischen Fliegerkräfte werden.

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    Tags:
    Erfahrung, Entwicklung, Bau, Modernisierung, A-50U, AWACS-Flugzeug, Syrien, Russland, China