03:13 21 Oktober 2018
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    Proteste gegen Glyphosat

    Signal für andere? Deutsche Kommune verbietet Glyphosat

    © AFP 2018 / Nicolas Armer / DPA
    Politik
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    Glyphosat darf weitere fünf Jahre in der Landwirtschaft eingesetzt werden, zumindest EU-weit – nur in der Samtgemeinde Artland in Niedersachsen nicht. Der Gemeinderat hat es verboten. Dabei hat auch das Verhalten von Landwirtschaftsminister Schmidt (CSU) eine Rolle gespielt, erzählt Bürgermeister Claus-Peter Poppe (SPD) im Sputnik-Interview.

    „Der Alleingang von Schmidt hat sicherlich dazu beigetragen, dass auch bei dem einen oder anderen Ratsmitglied Verärgerung entstanden ist“, kommentiert der Samtgemeindebürgermeister im Artland das Ja von Schmidt zur weiteren Zulassung des umstrittenen Unkrautgifts Glyphosat in der EU. „Manche, die das anders sehen, wollten das dann auch in unserem Bereich signalisieren. ‘“

    Seit anderthalb Jahren wurde der Antrag der Fraktion der Grünen behandelt. Nun wollte man zu einem Ergebnis kommen. 

    Jetzt ist das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat auf den Pachtflächen der Kommune verboten. Poppe erläutert:

    „Die Frage, ob Glyphosat krebserregend ist, stand nicht so im Mittelpunkt der Diskussion. Es ging eher um die Artenvielfalt und um eine mögliche Verarmung des Bodens. Dieser Argumentation habe ich mich letztlich auch angeschlossen.“

    Betroffen sind 16 Landwirte auf insgesamt 60 Hektar. Auch wenn der betroffene Bereich nicht besonders groß ist, scheint das Verbot offenbar eine Signalwirkung zu haben. Poppe wurde darauf häufig angesprochen, auch von den Medien.

    Als vorbildlich lobt die Umweltorganisation BUND die Initiative der Samtgemeinde. Die betroffenen Landwirte kritisieren dagegen den Ratsbeschluss.

    „Ein Wettbewerbsnachteil für die Bauern könnte eine Gefahr sein“, räumt der Bürgermeister ein. Es gebe aber eine Übergangszeit von drei Jahren. „Das müsste eigentlich genug Zeit sein, um sich auf Alternativen einzustellen.“ Poppe geht auch davon aus, dass bis dahin die Diskussionen landes-, bundes- und europaweit weiter vorangehen. Man befinde sich da „mitten in einer ganz heftigen Diskussion.“

    Auch die Samtgemeinde selbst muss auf ihren öffentlichen Flächen, Plätzen und Parks zu anderen Mitteln als Glyphosat greifen. Das sei zwar etwas aufwändiger, aber durchaus machbar.

    ​Im Moment sehe es so aus, dass das Samtland Vorbild für andere Kommunen sein könnten. Poppe betont:

    „Rechtlich jedenfalls haben viele Gemeinden die Möglichkeit, auf ihren eigenen Flächen ähnlich vorzugehen.“

    Bolle Selke

    Das komplette Interview mit Claus-Peter Poppe (SPD) zum Nachhören:

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    Tags:
    Verbot, Landwirtschaft, Skandal, CSU, SPD, EU, Deutschland