03:42 24 Januar 2020
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    Die Gründung der sowjetrussischen Staatssicherheit WeTscheKa jährt sich am Mittwoch zum 100. Mal. Auf dieser Grundlage entstanden später weitere Geheimdienste der UdSSR. Sie setzten sich ihren westlichen Pendants entgegen – doch zwischen den ideologischen Feinden gab es manchmal auch inoffizielle Kontakte.

    Die Onlinezeitung gazeta.ru zitiert den russischen Parlamentarier Igor Morosow, einst KGB-Mitarbeiter, mit den Worten, in den Beziehungen mit der CIA habe es „verschiedene Phasen“ gegeben. Zu geheimen Kontakten sei es insbesondere nach manchen tragischen Zwischenfällen gekommen.

    In den 1970er Jahren hätten US-Geheimdienstler einen sowjetischen Agenten in einem europäischen Land getötet. In den USA sei unterdessen ein KGB-Offizier verprügelt worden. Im Gegenzug habe die Sowjetunion „harte Maßnahmen“ getroffen, was die Amerikaner zu inoffiziellen Kontakten gezwungen habe, so Morosow.

    Wie gazeta.ru berichtet, kam eine ungeschriebene Regel zwischen sowjetischen und US-Geheimdienstlern zustande, wonach die Gegner einander nicht töten sollen. Dazu noch wurde eine verschlüsselte Telefonleitung geschaffen, der sogenannte Gawrilow-Kanal.

    Dass es in der Sowjetzeit inoffizielle Optionen gab, um bei Bedarf miteinander zu kommunizieren, erwähnte in einem Interview auch der einstige Chef der 1. Hauptverwaltung des KGB, Leonid Schebarschin. Wie er erläuterte, wurden Informationen auf hoher Ebene ausgetauscht, wenn es beispielsweise um Terrorgefahren ging. Jene Kontakte bezeichnete Schebarschin als „ziemlich effizient“. Die Treffen fanden meistens in Wien statt. 

    Im Jahr 1984 setzten sich die US-Geheimdienstler laut gazeta.ru mit ihren sowjetischen Kollegen in Verbindung – sie suchten Informationen über den entführten Chief of Station der CIA in Beirut, William Buckley. Bei den Entführern handelte es sich um die Terrorgruppe „Islamischer Dschihad“. Die Sowjets wollten den USA in diesem Fall helfen, konnten Buckley aber nicht retten – dieser wurde von den Terroristen gefoltert und starb in deren Gefangenschaft. 

    Trotz ihrer Konfrontation hatten sowjetische und US-Auslandsgeheimdienstler einen gewissen Respekt gegenübereinander. Gazeta.ru zitiert den früheren CIA-Beamten Philip Giraldi: „Jene sowjetischen GRU- und KGB-Agenten, gegen die ich arbeitete, waren hochprofessionell.“  

    Während der Perestroika wurden Kontakte zwischen der CIA und dem KGB aktiver. Es gab manchmal auch kuriose Vorfälle, wie die Onlinezeitung weiter berichtet. Nach einem Treffen in Helsinki im Jahr 1989 ließ der damalige Chef des Counterintelligence Staff der CIA, Gus Hathaway, versehentlich seine Brieftasche im Raum liegen. KGB-Offiziere mussten ihn dann wieder aufsuchen, um das Ding zurückzugeben.

    Igor Morosow berichtete auch über eine Episode aus den 1990er Jahren. US-Geheimdienste baten russische Kollegen damals, bei der Suche nach Mitarbeitern des Roten Kreuzes zu helfen, die in Afghanistan verschwunden waren, und zwar auf dem Territorium, das der gegenüber Russland loyale Präsident Mohammed Nadschibullah kontrollierte. Die Vermissten wurden erfolgreich gefunden und die CIA sprach laut Morosow ihren Dank dafür aus.

    Das Thema Geheimdienst-Kontakte erregte kürzlich erneut Aufsehen, als der russische Präsident Wladimir Putin der CIA für Hinweise auf einen geplanten Terroranschlag in St. Petersburg dankte.

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    Tags:
    Kontakt, Beziehungen, Zusammenarbeit, Kalter Krieg, KGB, CIA, USA, Russland