11:22 17 Dezember 2018
SNA Radio
    FSB-Gebäude (Archiv)FSB-Mitarbeiter (Archiv)

    100 Jahre FSB: Der russische Geheimdienst von Lenin bis Putin

    © Sputnik / Natalja Seliwerstowa © Sputnik / Alexander Wilf
    1 / 2
    Politik
    Zum Kurzlink
    10647

    „Kühler Kopf, heißes Herz, saubere Hände“: 100 Jahre nach Gründung der „Außerordentlichen Allrussischen Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution, Spekulation und Sabotage” (WeTscheKa oder TscheKa), später GPU/OGPU, NKWD, MGB und KGB und heute FSB ist das Motto – die gewünschten Hauptcharaktereigenschaften eines Geheimpolizisten – unverändert.

    In diesem Jahr feiern die Geheimdienstler des FSB – des Föderalen Diensts für Sicherheit – ein rundes Jubiläum. Trotz einer recht umstrittenen Geschichte bleibt man dieser Tradition in Russland jedoch treu: So tritt Präsident Wladimir Putin, (zunächst als Premier) bereits seit 19 Jahren fast jeden 20. Dezember vor den FSB-Offizieren auf.

    Vor genau 100 Jahren ließ der Namensvetter des heutigen Staatschefs – Wladimir Lenin – wenige Wochen nach der „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“ am 20. Dezember 1917 die Außerordentliche Allrussische Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution, Spekulation und Sabotage gründen. Zum ersten Chef der TscheKa Lenins wurde im Nachhinein eine recht umstrittene Person ernannt – Felix Dserschinski.

    Bis heute wird darüber gestritten, ob nun die TscheKa, die von den Bolschewiki selbst als „bewaffneter Arm der Diktatur des Proletariats“ bezeichnet wurde, tatsächlich vor allem für die Bekämpfung ausländischer Geheimdienstaktivitäten und der Konterrevolution eingesetzt wurde oder sich hauptsächlich als ein kommunistisches Terrorinstrument entfaltete. Zu den direkten Nachfolgern wurden OGPU und NKWD, später der sowjetische KGB und der russische FSB.

    Felix Dserschinski (in d. Mitte) und verantwortliche Mitarbeiter der Außerordentlichen Allrussischen Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution, Spekulation und Sabotage (TscheKa)
    © Sputnik /
    Felix Dserschinski (in d. Mitte) und verantwortliche Mitarbeiter der Außerordentlichen Allrussischen Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution, Spekulation und Sabotage (TscheKa)

    OGPU (Vereinigte Staatliche politische Verwaltung) wurde seit 1922 zur offiziellen Bezeichnung der Geheimpolizei der Sowjetunion, die sich 1934 in das NKWD (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten) auflöste. In den Jahren 1936 bis 1938 führte das NKWD den sogenannten Großen Terror durch, bei dem echte und vermeintliche Gegner des Staates und des Staatschefs Stalin massenhaft hingerichtet, verhaftet und umgesiedelt wurden.

    TscheKa-Mitarbeiter bekommen einen Auftrag (Archiv)
    © Sputnik /
    TscheKa-Mitarbeiter bekommen einen Auftrag (Archiv)

    In den Kriegsjahren waren die Geheimdienste in der vom NKWD gegründeten Vereinigung Smersch („Tod den Spionen“) tätig. Im Zweiten Krieg zeigte sich diese Organisation als unersetzbar: Sie führte schon zu Beginn des Kriegs – zunächst namenlos – erfolgreiche Sabotageakte gegen nazideutsche Besatzer, Aufklärung und Geheimoperationen durch und war oft sogar am Partisanenkrieg beteiligt.

    Josef Stalin in Begleitung von OGPU-Mitarbeiter (Archiv)
    Josef Stalin in Begleitung von OGPU-Mitarbeiter (Archiv)

    Über die Namensentstehung gibt es eine historisch nicht belegbare Anekdote, wonach Stalin 1942 in einer Gründungssitzung für die Smersch gefragt haben soll: „Wie sollen wir diese Institution nennen?“ Jemand schlug vor: „Vielleicht Smer-ne-sch?“ (abgekürzt von Smert nemezkim spionam, zu dt.: „Tod den deutschen Spionen“). Darauf soll Stalin entgegnet haben: „Warum nur den deutschen? Nennen wir die Sache doch lieber gleich Smersch – und gehen gegen alle feindlichen Spione auf sowjetischem Territorium vor.“

    Offiziell sollen von Oktober 1943 bis Mai 1944 345 sowjetische Spionageabwehr-Agenten ins Hinterland des Feindes verlegt worden sein, 50 davon seien „zurückgeworbene“ Agenten gewesen. Zum Kriegsende kehrten nur 102 zurück. 57 Geheimagenten sei es gelungen, die feindliche Aufklärung zu infiltrieren.

    russische Partisanen während des Zweiten Weltkrieges (Archiv)
    © Sputnik / Israil Oserski
    russische Partisanen während des Zweiten Weltkrieges (Archiv)

    Nach Meinung vieler Geschichtswissenschaftler soll für den Smersch beispielweise eine der berühmtesten damaligen deutschen Schauspielerinnen – Olga Tschechowa – gearbeitet haben. Man behauptet, dass die Künstlerin russisch-deutscher Abstammung sogar Angaben zu den Zeitpunkten deutscher Angriffe übermittelt habe. Sie war oft Hitlers Tischdame, erzählte in ihren Memoiren über ihre guten Beziehungen zu Hitler.

    1954 wurde der sowjetische In- und Auslandsgeheimdienst KGB (Komitee für Staatssicherheit) gegründet – die Nachfolgerorganisation von NKWD und MGB (Ministerium für Staatssicherheit). Präsident Wladimir Putin war Mitarbeiter des KGB und in der zweiten Hälfte der 80er Jahre in Dresden verdeckt für den sowjetischen Geheimdienst tätig, den er 1991 als Oberstleutnant verließ. 1998-1999 amtierte Putin als Leiter des FSB und des nationalen Sicherheitsrates, wonach er zunächst zum Ministerpräsidenten ernannt und später zum Präsidenten gewählt wurde.

    „Neben den Gratulationen möchte ich euch etwas mitteilen, liebe Genossen: Eine Gruppe von Mitarbeitern des FSB, die von Ihnen zur verdeckten Arbeit in die Regierung abkommandiert wurde, erledigt in dieser ersten Etappe ihre Aufgaben zufriedenstellend”, scherzte der damalige Premier Wladimir Putin am 20. Dezember 1999 – dem 82. Jahrestag des Bestehens der russischen Geheimdienste – vor FSB-Offizieren. Kurze Zeit später wurde er Präsident.

    Heute befasst sich der russische Inlandsgeheimdienst mit Aufgaben des Staatsschutzes, zum Beispiel mit der Aufdeckung von Terrorgruppen und —zellen.

    Russlands Präsident Wladimir Putin während des Tages der Mitarbeiter von der Sicherheitsorgane (Archiv)
    © Sputnik / Alexej Druschinin
    Russlands Präsident Wladimir Putin während des Tages der Mitarbeiter von der Sicherheitsorgane (Archiv)

    Man setzt aber auch viel auf Zusammenarbeit mit anderen Geheimdiensten. Gern werden gegenseitig Informationen übermittelt, die bei der Beseitigung von Bedrohungen helfen können. Der FSB vereitelte eigenen Angaben zufolge allein im Jahr 2017 bereits 18 große Terroranschläge in Russland. Zwar gilt der FSB als Nachfolger des KGB, er beschränkt sich jedoch auf Inlandsaufgaben.

    Laut Gesetz von 1995 untersteht der FSB unmittelbar dem Präsidenten der Russischen Föderation. Über Kontroll- und Aufsichtsfunktionen verfügen auch die Regierung, das Parlament und der Generalstaatsanwalt.

    Anti-Terror-Kräfte des FSB
    © Sputnik / Igor Sarembo
    Anti-Terror-Kräfte des FSB
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Kreml lobt CIA
    CIA will Spionage im Ausland Geheimdienst-Veteranen übertragen – Medien
    „Economic Hitman“ Perkins: „NSA und CIA hinter Super-Cover Wirtschaft“ – EXKLUSIV
    CIA vertuscht Verbindung zu al-Qaida mit neuem Iran-Dossier
    Tags:
    Jubiläum, Geschichte, Geheimdienst, NKWD, Inlandsgeheimdienst der Russischen Föderation (FSB), Wladimir Lenin, Wladimir Putin, Russland