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04:55 19 Oktober 2019
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    Sowjetisches U-Boot der Klasse 661 in Atlantik (Archivbild)

    Wie sowjetischer „Goldfisch“ US-Flugzeugträger quer durch den Atlantik jagte

    © Foto: DoD/ U.S. Navy
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    Russlands Marine erinnert heute an das schnellste U-Boot der Welt: die K-222 der Antschar-Klasse. Sie war auch das erste Schiff mit einem Titan-Rumpf – und blieb ihrer horrenden Kosten wegen ein Einzelstück. Heute wäre das Boot 49 Jahre alt geworden.

    So unfassbar schnell die K-222 durch die Weltmeere sauste, so unsagbar teuer war auch der Bau dieses Schiffes. Beim Testlauf, den das nukleargetriebene U-Boot im offenen Meer absolvieren musste, erreichte es eine Geschwindigkeit von 42 Knoten (77 Stundenkilometer) – bei 80-prozentiger Reaktorleistung, schreibt die Zeitung „Rossijskaja Gaseta“. Gekostet hatte es laut dem Blatt zwei Milliarden Rubel, was 1968 über zwei Milliarden US-Dollar entsprach.

    Am 21. Dezember 1968 lief das Boot vom Stapel, ein Jahr darauf kam es zur Sowjetmarine. In Serie ging die Antschar-Klasse nie – die K-222 blieb deren einzige Vertreterin. Und weil es so teuer war, nannten die Matrosen das U-Boot scherzhaft „Goldfisch“.

    Gebaut wurde die K-222 auf der Sewmasch-Werft. Den russischen Schiffsbauern ist es als ersten gelungen, einen Titan-Rumpf zu schweißen. 1970 dann der Rekord: Bei einem Probelauf in der Barentssee schafft das Boot 44,7 Knoten (83 Stundenkilometer), wie die Zeitung schreibt. Dafür wurden beide Druckwasserreaktoren an Bord des Schiffes auf volle Leistung hochgefahren und per Hand gesteuert – das automatische Notfallsystem musste abgeschaltet werden.

    Im Herbst 1971 ging die K-222 erstmals auf Patrouille. Ihrer unübertroffenen Schnelligkeit wegen konnte sie ohne Mühe einen US-amerikanischen Flugzeugträger verfolgen, von der Grönlandsee bis zum Romanchegraben. Zweieinhalb Monate dauerte die Jagd durch den Atlantik, wobei das U-Boot laut dem Blatt nur einmal aufgetaucht sein soll.

    Bis 1999 diente die K-222 bei der russischen Marine. 2010 wurden Teile des Bootes verschrottet, nachdem die Brennstäbe aus dem Reaktor entfernt worden waren. Ein Rumpfteil dieses U-Boots liegt auch heute noch an einem Anleger jener Werft, die es einst gebaut hatte.

    Die Erfahrungen, die die Schiffsbauer mit der K-222 sammeln konnten, sind dann später in den Bau anderer U-Boote mit Titan-Rumpf eingegangen – zum Beispiel der Lira-Klasse, des schnellsten serienmäßig gebauten U-Boots der Welt. Bewaffnet sind die Schiffe dieser Klasse mit den Anti-Schiffs-Lenkwaffen „Ametist“.

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    Flugzeugträger, Atom-U-Boot, Kalter Krieg, USA, Atlanta, Sowjetunion, Russland