08:39 14 November 2018
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    Der russische Außenminister Sergej Lawrow (L) und sein Amtskollege aus Großbritannien Boris Johnson

    Johnson vs. Lawrow: Scharfzüngiges Wortgefecht in Moskau

    © Sputnik / Alexej Filippow
    Politik
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    In Moskau haben sich am heutigen Freitag die Außenminister Russlands und Großbritanniens, Sergej Lawrow und Boris Johnson, getroffen. Ihre Begegnung war alles andere als langweilig: Die Chefdiplomaten lieferten sich ein richtiges Wortgefecht – mit einer gesunden Portion Humor.

    Am ewigen Lied von der „russischen Wahleinmischung“ führt bei Treffen dieser Art offenbar kein Weg vorbei. Lawrow beklagte auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Gespräche, dass eine Reihe von Ländern Moskau eine Einflussnahme in innere Angelegenheiten vorwerfe, allerdings ohne jegliche Beweise vorgelegt zu haben.

    Als ein Journalist sagte, „niemand in der Welt“ glaube Moskau, wenn es die Vorwürfe zurückweise, konterte der russische Minister: „Unter der,Welt‘ meinen Sie wohl die westliche Gesellschaft. Und selbst in der westlichen Gemeinschaft gibt es nicht wenige Personen, die einen gesunden Menschenverstand haben und über den Tellerrand hinausschauen können. So hat zum Beispiel mein Gegenüber Boris Johnson neulich erklärt, dass er keine Beweise dafür hat, dass Russland sich ins Referendum für Großbritanniens Austritt aus der EU einmischte.“

    Johnson, der seinem russischen Kollegen aufmerksam zuhörte, meldete sich sofort zu Wort: „Es gab keine erfolgreiche (Einmischung – Anm. d. Red.), ich glaube, das wäre ein passenderer Ausdruck.“

    Boris Johnson in Moskau
    © Sputnik / Alexey Fillipow
    Lawrow parierte: „Er hat Angst, dass wenn er mir nicht widerspricht, sein Ruf in der Heimat in den Medien geschädigt sein wird.“

    Johnson ließ das nicht auf sich sitzen und antwortete, er mache sich vielmehr um Lawrows Ruf Sorgen. „Ich halte es für sehr wichtig, dass Sie die russischen Versuche einräumen, sich in unser Referendum und unsere Wahlen einzumischen. Welcher Art diese auch waren, haben sie sich als erfolglos erwiesen.“

    Solche Vorwürfe sollte man mit Beweisen untermauern, wiederholte der russische Außenminister. „Ohne Fakten ist es sehr schwer zu reden. Ich glaube, dass Sie sich das alles im Westen selbst ausgedacht haben und jetzt von diesem Thema leider gefangen gehalten werden. Es ist sehr schwer, vom Zaun herunterzukommen, auf den Sie geklettert sind.“

    Die beiden Chefdiplomaten zeigten sich aber auch von ihrer humorvollen Seite. So sagte Johnson zum Auftakt der Gespräche, er habe als Ausdruck seines Vertrauens seinen Mantel samt allem, was in den Taschen war, Lawrow übergeben. „Ich weiß, dass er aufpassen wird und nichts Schlimmes passieren wird“, fügte er hinzu.

    Sein russischer Amtskollege konterte sofort: „Ich kann meinerseits mitteilen, dass nichts in Boris‘ Manteltaschen drin war.“

    Am Freitag war Boris Johnson zu einem offiziellen Besuch in Moskau eingetroffen. Das war der erste Besuch eines britischen Außenministers in Russland seit mehr als fünf Jahren.

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    Tags:
    Einmischung, Beziehungen, Brexit, Humor, Referendum, Boris Johnson, Sergej Lawrow, Großbritannien, Moskau, Russland