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    US-Botschaft in Moskau (Archiv)

    Jahresbilanz Russland-USA: „Alles ist schlecht, doch das ist Norm“

    © AP Photo / Alexander Zemlianichenko
    Politik
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    Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington sind wieder schlecht, doch das ist nichts Außerordentliches, denn seit Jahrzehnten gibt es eine Art Pendelschwingungen zwischen Zuspitzung und Entspannung. Darauf weist der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow hin.

    Lukjanows Gastbeitrag für die Zeitung „Iswestija“ trägt den Untertitel: „Jahresbilanz 2017 im amerikanisch-russischen Verhältnis: Alles ist schlecht, doch das ist die Norm.“ Der Experte schreibt, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern seien nach einer spektakulären Bewegungsbahn zurück auf den gewohnt niedrigen Stand gelangt – oder sogar noch niedriger.

    „Das Jahr hatte mit einer fröhlichen Aufregung wegen des Amtsantritts von Donald Trump begonnen – und mit vorsichtigen Hoffnungen auf ein neues Kapitel in den Beziehungen. Nun endet dieses Jahr mit der nahezu täglichen Einführung neuer Sanktionen gegen russische Amtsträger oder Unternehmen, mit nachhaltigen Turbulenzen zum Thema Einmischung Moskaus in die US-Angelegenheiten sowie mit Washingtons Entscheidung, Lieferungen letaler Waffen an die Ukraine zu billigen“, so Lukjanow.

    Im emotionalen und Medienraum gebe es noch mehr Merkmale für die schlechten zwischenstaatlichen Beziehungen: „Solch eine Dämonisierung Russlands und seines Staatschefs hat es wohl nie gegeben.“

    Zwar mache das russisch-amerikanische Verhältnis nicht mehr den Kern der internationalen Politik aus: „Doch die gegenwärtige Sackgasse ist kennzeichnend als Ergebnis einer fast drei Jahrzehnte langen US-Dominanz weltweit, die mit dem Ver- und Zerfall der Sowjetunion angefangen hatte.“

    Es sei den USA nicht gelungen, die „russische Frage“ zu klären. Keiner der einst vorgeschlagenen Ansätze habe sich verwirklicht: „Die Idee einer Sozialisation Russlands in die ‚anständige Gesellschaft‘ ist völlig gescheitert. Aber auch die Hoffnungen, dass Russland nie wieder fähig sein wird, Amerika herauszufordern, haben sich nicht erfüllt.“

    Für das US-Establishment sei Moskaus Vorgehen zu einer Verkörperung aller Befürchtungen und negativen Veränderungen geworden – auf internationaler und nationaler Ebene. Die US-Antwort auf Russlands reale oder vermeintliche Aktivitäten sei deshalb auch eine Reaktion auf die neue Lage im Allgemeinen. Dies verringere Chancen auf eine bilaterale Normalisierung. Die US-Politik auf diesem Gebiet hänge dabei kaum von der Persönlichkeit des Chefs des Weißen Hauses ab, hieß es.

    „Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington, wenn man sie jahrzehntelang betrachtet, weisen eine beeindruckende Stabilität auf: Sie pendeln zwischen Zuspitzung und Entspannung, nur die Amplitude ändert sich. Konstant ist seit den 1950er Jahren die Fähigkeit, einander physisch zu vernichten: Damit können die beiden Länder weder in eine militärische Konfrontation gegeneinander einsteigen noch wahre Partner werden noch einander zugunsten anderer Prioritäten vergessen“, postuliert Lukjanow.

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    Tags:
    Entspannung, Zerfall, Zuspitzung, Stabilität, Sanktionen, UdSSR, USA, Russland