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12:21 14 Oktober 2019
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    das „Frank&Frei“-Heft 4

    Sieg der Rechten und Niederlage der Linken in Österreich – “Frank&Frei“-Chefs

    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Politik
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    Auf einen Paradigmenwechsel in Österreich machte der Chefredakteur des neuen Wiener Magazins für Politik, Wirtschaft und Lebensstil „Frank&Frei“ Werner Reichel im Sputnik-Interview aufmerksam. Denn das linke Modell ist in der Alpenrepublik per Nationalratswahl abgewählt worden.

    In Österreich habe es Werner Reichel zufolge dieses Jahr zwei wichtige Wahlentscheidungen gegeben:

    „Die Bundespräsidentenwahl, die ein ganz knapper Sieg der Linken war, wo alle Kräfte der Linken mit Hilfe der Medien, der Kirchen etc. den Kandidaten Van der Bellen durchgebracht und das als einen großen Sieg gefeiert haben. Dann hat es offensichtlich ein Umdenken der Bevölkerung gegeben, und die zweite, wichtigere Wahl zum Nationalrat hat einen grandiosen Sieg der bürgerlich-rechten Parteien ÖVP und FPÖ mit Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache gebracht.“

    Podiumsgespräch über das „Frank&Frei“-Heft 4
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Podiumsgespräch über das „Frank&Frei“-Heft 4

    Im Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin nahm der Publizist jedoch vorweg, dass „das, was sie daraus machen, sich noch zeigen wird.“ Der „Frank&Frei“-Herausgeber Christian Günther gab zu, dass zum ersten Mal klar geworden sei, dass in Österreich eine konservative Mehrheit möglich ist. „Die Frage wird sein, ob der Staat im Sozial-, Bildungs- und Budgetbereich an seine Grenzen angelangt ist, sowie, wie die neue Regierung damit umgehen kann, ob sie überhaupt in der Lage sein wird, den Staat wieder in Ordnung zu bringen.“

    Es sei aus seiner Sicht sehr viel zu tun, um zu garantieren, „dass eben ältere Menschen ihre Pensionen ausbezahlt bekommen und dass das Bildungssystem wieder auf Vordermann gebracht wird. Denn das Schlimmste ist, dass derzeit ca. 25 Prozent aller Pflichtschulabsolventen nicht sinnerfassend lesen können und damit eigentlich in Wirklichkeit Analphabeten sind. Das ist sehr schwierig, und es sind sehr viele Dinge zu tun.“

    Das Titelbild des „Frank&Frei“-Heftes Nr. 4 mit Bildern von Angela Merkel und anderen lautet: „Schlechte Karten. Wie Europa seine Zukunft verspielt“. Chefredakteur Reichel sagt dazu:

    „Deutschland steht in einer politischen Krise. Die Koalitionsverhandlungen ziehen sich hin. Mit der Willkommenskultur hat Angela Merkel extrem viele Armutsmigranten nach Deutschland geholt, sodass die Probleme zu explodieren anfangen. Es gibt momentan keinerlei brauchbare Strategien oder Lösungen, was man dagegen tun kann, sondern man sucht weiterzumachen wie bisher, und das führt Deutschland als Motor Europas immer weiter in den Abgrund.“

    Österreicher ticken anders als Bundesdeutsche

    Christian Günther erklärt zum Unterschied zwischen Österreichern und Deutschen:

    „Die Österreicher sind bei weitem nicht so bereit, sich von oben eine Willkommenskultur verordnen zu lassen. Daher ist auch der Widerstand dagegen relativ groß und der Erfolg der Freiheitlichen Partei in Österreich, die quasi ein Ventil dafür bietet, ähnlich wie die AfD in Deutschland. Als eine anerkannte demokratische Partei betreibt die FPÖ ihre,Ausländerpolitik‘ und hat schon vor Jahren vor so einer Situation gewarnt. Jetzt sind sie natürlich diejenigen, die die meiste Kompetenz gerade in dieser Sachlage, in der Frage der Massenmigration vorweisen können.“

    Die Folge der offenen Grenzen und der Massenzuwanderung sei, so Günther, „der überdehnte Sozialstaat, wenn die Kosten explodieren und der Lebensstandard Österreichs logischerweise auch darunter leidet. Außer Finanzen gibt es natürlich eine Menge an Problemen der verkrusteten Strukturen. Man muss jetzt abwarten, wie die neue Regierung sich durchsetzen wird, ob sie wirklich große Reformen durchbringen und auch gegen die EU arbeiten wird, ob sie sich das traut.“

    Gegen die EU

    Der Historiker Günther fuhr fort: „Bei der Abstimmung zum EU-Beitritt 1994 war Österreich sehr begeistert. Es war eine große Zustimmung. Sie hat sich allerdings in der Zwischenzeit schon gewandelt. Damals war über 60 Prozent Zustimmung, jetzt liegt diese angeblich unter 30 Prozent, vor allem deswegen, weil sich die EU bei den wirklichen Fragen eher als zahnlos erwiesen hat. Wenn es um Massenmigration und den Schutz der Außengrenzen geht, versagt die EU, aber im Kleinen reguliert sie sehr streng, und das stößt dem Österreicher natürlich auf.“

    Der Österreicher sei ein Typ, erörtert Günther, der sich sehr ungern von der Obrigkeit ins tägliche Leben eingreifen lasse. Ansonsten sei er relativ bequem. „Er sagt, zwar verordnet die EU die Form der Gurkenkrümmung oder die Traktorensitze, aber um die Einwanderung kümmert sie sich nicht. Die Österreicher, wenn man sie so charakterisieren kann, brauchen sehr lange, bis sie sich einmal auflehnen. In der Auflehnung aber sind sie konsequent. Wenn sie einmal eine Entscheidung getroffen haben, sind sie nur sehr schwer wieder davon abzubringen.“

    Präsidentenwahl 2018 in Russland

    Der Publizist Reichel meint, dass die eventuelle Wiederwahl Putins eine gute Entscheidung auch für Europa wäre. Das Russland-Bashing halte er für kontraproduktiv. „Europa und Russland brauchen gute und enge Beziehungen, das ist überhaupt keine Frage.“

    Sein Kollege Christian Günther denkt, dass die Zeit der Ausrichtung Europas ausschließlich am angloamerikanischen Raum vorbei sei.

    „Das heißt, ein Putin, der ein starkes Russland vertritt, wo wirtschaftliche Zusammenarbeit möglich ist, wo es keine Sanktionen aufgrund politischer Vorgaben gibt, das wäre für Europa sicherlich besser, als ein angloamerikanischer Einflussbereich, der in die kleinsten Bereiche hineingeht.“

    Die Quartalsschrift „Frank&Frei“ erschien zum ersten Mal im vorigen Jahr. Das Magazin versteht sich als ein Medium der freien Meinungsäußerung, bei dem die Qualität der Autoren im Vordergrund steht. Es analysiert Prozesse in Europa nüchtern und ohne die bei den Mainstreammedien obligatorische Propaganda. Im Heft 4 geht es vor allem um jene Entwicklungen, die die Linke in Österreich und quer durch ganz Europa zu Fall gebracht haben.

    Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Folgen der unkontrollierten Masseneinwanderung aus dem Islamgürtel. In der Einleitung schrieb Christian Günther, dass die Genfer Konvention, das Asylrecht und die Prozedur zur Anerkennung des Flüchtlingsstatus aus dem 20. Jahrhundert stammen und heutzutage von den unterschiedlichen Interessengruppen instrumentalisiert und missbraucht werden. Kluge und ehrliche Politiker sollten nach seiner Meinung aus der negativen Auswirkung der Einwanderung auf das Lohnniveau und die Staatsfinanzen lernen, sie zumindest abzumildern.

    Nikolaj Jolkin

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Analyse, Wahlen, EU, Freiheitspartei Österreichs (FPÖ), Angela Merkel, Deutschland, Russland, Österreich