10:42 19 Juni 2019
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    US-Unternehmer William Browder (Archivbild)

    Urteilssprechung in Moskau: Fondsmanager Browder muss hinter Gitter

    © AP Photo / Remy de la Mauviniere
    Politik
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    Ein Moskauer Bezirksgericht hat am Freitag den Gründer der Kapitalanlage- und Vermögensverwaltungsgesellschaft Hermitage Capital Management, William „Bill“ Browder, zu neun Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Dies teilte ein Korrespondent der Nachrichtenagentur RIA Novosti aus dem Gerichtssaal mit.

    Das Twerskoj-Gericht in Moskau hat Browder und seinen Geschäftspartner Iwan Tscherkassow, den zweiten Angeklagten, in Abwesenheit zu einer Schadensersatzzahlung in Höhe von 4,2 Milliarden Rubel (ca. 60 Millionen Euro) verurteilt. Beide wurden außerdem mit einer Geldstrafe in Höhe von 200.000 Rubel (rund 2880 Euro) belegt. Darüber hinaus ist es ihnen nun vorübergehend untersagt, Geschäfte in Russland zu treiben. Tscherkassow ist laut dem Korrespondenten zudem zu acht Jahren Haft verurteilt worden.

    Browders Anwalt bestand auf dessen Unschuld. Die Verteidigung beabsichtige, das Urteil anzufechten, heißt es.

    Zuvor war bekannt geworden, dass Russland Browder in eine Interpol-Datenbank eingetragen hat, um einen Haftbefehl für ihn zu beantragen. Der Fonds-Manager war von 1995 bis 2007 einer der größten ausländischen Investoren in Russland. Später wurde er wegen Steuerhinterziehung angeklagt und 2013 von einem Moskauer Gericht in Abwesenheit zu einer neunjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Ungeachtet des neuen Gerichtsurteils beträgt die Dauer der Haft für den in London lebenden Browder insgesamt neun Jahre.

    Nach Angaben der Ermittler hatte der Hermitage-Chef allein im Namen der Firma „Kameja" illegal mehr als 130 Millionen Gazprom-Aktien im Gesamtwert von mindestens zwei Milliarden Rubel (damals umgerechnet 46 Millionen Euro) zum niedrigeren Binnenmarktpreis gekauft. Er habe Russland damit einen Schaden von besonders großem Ausmaß zugefügt.

    Der russische Anwalt Sergej Magnitski, dessen Tod durch einen Herzanfall in einem Untersuchungsgefängnis 2009 zum Anlass für die ersten Anti-Russlands-Sanktionen wurde, war bei „Hermitage Capital" tätig und wurde ebenfalls wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Ihm wurde vorgeworfen, im Auftrag des Hermitage-Chefs William Browder ein Steuerhinterziehungs-Schema ausgearbeitet zu haben. Der vom Fonds angerichtete Schaden wurde auf 522 Millionen Rubel (damals mehr als zwölf Millionen Euro) geschätzt.

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    Tags:
    Schaden, Ermittlung, Interpol, Geschäftspartner, Bankrott, Steuerhinterziehung, Angeklagte, Haft, Gerichtsurteil, Gazprom, RIA Novosti, Hermitage Capital Management, Fonds Hermitage Capital, Sergej Magnitski, Iwan Tscherkassow, William Browder, Großbritannien, Moskau, Russland