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14:09 23 September 2019
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    Labile Zeiten: Nur einer sichert Stabilität und Multipolarität – Historiker

    © Sputnik / Walerij Melnikow
    Politik
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    In der Wiederkandidatur von Russlands Präsident Wladimir Putin sieht der österreichische Historiker, Journalist und Verleger Hannes Hofbauer, Autor des Buches „Feindbild Russland. Geschichte einer Dämonisierung“, einen Hinweis auf Kontinuität in der russischen Politik.

    International gesehen sei die erneute Kandidatur Putins bei der Präsidentschaftswahl 2018 auf jeden Fall positiv zu bewerten, sagte Hofbauer im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin, „weil ansonsten die Situation unruhig wäre. Und gerade in einer Situation, wo in Deutschland eigentlich Verhältnisse sind, die politisch sehr labil sind, und in den USA ein Präsident regiert, der mit seinen Ministern kaum auf einen grünen Zweig kommt.“

    Es sei ganz gut, wenn in Russland ein Präsident die Macht beibehalte, fuhr er fort, die letztlich auch dazu führe, „dass er eine Politik anstrebt, die in Richtung Multipolarität geht, und das, was die USA eigentlich seit dem Ende der Sowjetunion und des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe aufgebaut haben, eine sehr starke Bestimmung der ganzen Welt, in Frage gestellt und in Richtung Multipolarität umgedreht wird. Ob das für gewisse europäische Politiker eine gute Meldung ist, dass Putin wieder kandidiert, müsste man diese fragen, aber für das Verhältnis in der Welt insgesamt, ist es eine gute Nachricht.“

    Russland zeige dadurch dem Westen, wie politische Kontinuität funktioniere. Dabei betrachte der Politologe Russland nicht im System der westlichen Demokratie:

    „Für mich ist es schon eher ein autoritäres System, und in diesem Zusammenhang muss man auch die Messlatte legen. Es hat sich ja gezeigt, wie nach dem Zerfall der Sowjetunion eigentlich im Großen und Ganzen die Territorialität Russlands in Frage gestellt wurde. Und da hat es eine administrative Zentralisierung durch Putin gegeben, die letztlich bewirkt hat, dass die Russische Föderation weiter existiert.“

    Ein Zerfallprozess sei für den Frieden immer gefährlich, so Hofbauer, und für die Menschen unangenehm, „und so ist eine gewisse Stabilität eine notwendige Sache zumindest in der jetzigen Situation, da wir in unruhigen Verhältnissen leben. Gerade eben haben die USA und Kanada beschlossen, die Ukraine mit neuen Waffensystemen auszurüsten.“

    Das sei eine sehr bedrohliche Lage, ist sich der Experte sicher, „weil damit eine Möglichkeit besteht, diesen Konflikt zwischen der Zentralregierung in Kiew und dem Donbass wieder kriegerisch anzuheizen, wo es viel schlechter werden könnte.“

    Was die Situation um Nordkorea betrifft, so meint Hofbauer aus der Distanz betrachtet, „dass da sehr viel Theaterdonner dabei ist. Dramatischer ist nach wie vor die Lage im Nahen Osten. Durch die Zurückdrängung des Kalifats, des ‚Islamischen Staates‘ (das ist ein wichtiger Player) liegt er am Boden, aber die Konfrontation zwischen Russland und der US-geführten Nato ist nach wie vor vorhanden.“

    Und sie spiele nicht nur direkt im Irak und in Syrien eine Rolle, sondern auch in den Beziehungen der einzelnen Länder zum Iran oder Saudi-Arabien, so Hofbauer. „Dort ist das Pulverfass nach wie vor nicht gelöscht. Im Gegenteil kann es jederzeit weiter explodieren.“ Für das Jahr 2018 prognostiziert der Politologe keine ruhigen Zeiten.

    Dämonisierung Russlands

    Der Historiker gibt auch zu, dass es die politische und mediale aufgeheizte Stimmung von sehr vielen Seiten gebe – von ganz oben, dem deutschen Kanzleramt, bis hin zu den großen Medien. Laut der Einschätzung von Hannes Hofbauer trägt sie in der Bevölkerung nicht die entsprechenden negativen Früchte.

    „Es gibt eigentlich keinen durchgehenden Russenhass, weder in Deutschland noch in Österreich, in der Schweiz schon gar nicht.“

    Dort sei die Situation eine andere, äußerte der Experte, „weil die Schweiz nicht an den Sanktionen teilnimmt, die im März und April 2014 erlassen worden sind. Und dann gibt es noch diese Wirtschaftssanktionen, die jetzt von den USA verschärft worden sind, und wo die Europäische Union nicht mitmacht.“

    Trotzdem glaubt Hofbauer, dass eine Dämonisierung weitergehe, „weil die Feindbildproduktion immer einher mit der Feindschaft geht. Und wenn die Feindschaft auf der Ebene des kleinen Wirtschaftskrieges besteht (so würde ich diese Sanktionen bezeichnen, die auch mit Gegensanktionen beantwortet werden), dann haben wir eigentlich eine konfrontative Situation. Die Wirtschaft ist ein ganz wesentlicher Punkt, an dem sich messen lässt, wie die Beziehungen zwischen verschiedenen Ländern sind.“

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    Tags:
    Signal, Weltordnung, Präsidentschaftswahl, Präsidentschaftskandidat, Bedeutung, Historiker, Politik, Interview, Sanktionen, Präsidentschaftswahlen 2018, EU, NATO, Nikolaj Jolkin, Wladimir Putin, Kanada, Schweiz, Saudi-Arabien, Syrien, Irak, Österreich, Nordkorea, USA, Russland