07:12 19 Juni 2018
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    Polizei überwacht Flüchtlinge in München (Archivbild)

    Neue Studie: Mehr Flüchtlinge – mehr Straftaten

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    Politik
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    Eine neue Studie der Bundesregierung weist erstmals einen starken Anstieg von Gewalttaten durch Flüchtlinge nach. Am Beispiel Niedersachsen wurde gezeigt, dass fast jede achte Straftat von einem Flüchtling begangen wurde. Die meisten Straftäter kommen aus Marokko, Algerien und Tunesien.

    Die Studie des Bundesministeriums für Familie und Jugend belegt anhand der Polizeistatistik, dass zwischen 2014 und 2016 fast jede achte Gewalttat in Niedersachsen von Flüchtlingen begangen wurde. Die Zahl aller polizeilich registrierten Gewalttaten in Niedersachsen stieg in dem Zeitraum um 10,4 Prozent. Von diesen 10,4 Prozent Anstieg seien wiederum 92,1 Prozent aller Straftaten von Flüchtlingen begangen worden. In die Untersuchung eingeschlossen wurden Menschen, die Asyl beantragt haben und Asylsuchende, deren Antrag abgelehnt wurde, die aber noch nicht abgeschoben wurden beziehungsweise die sich unerlaubt weiter in Deutschland aufhalten.

    Vor allem bei Gewalt- und Sexualdelikten liegt die Quote bei Flüchtlingen deutlich höher als bei deutschen Straftätern. Während es zu Morden gewöhnlich innerhalb der Gruppe der Flüchtlinge kommt, sind die Opfer von durch Flüchtlinge begangenen Raubdelikten vorwiegend Deutsche.

    Junge aggressive Männer

    Die meisten Täter unter den Flüchtlingen sind junge Männer im Alter von 14 bis 30 Jahren – eine Gruppe, die von Alter und Geschlecht, unabhängig vom Herkunftsland, weltweit für die meisten Straftaten verantwortlich ist. Allerdings kommt bei den untersuchten Flüchtlingen laut der Studie noch eine verstärkte Aggressivität aufgrund einer in ihren Heimatländern verbreiteten Machokultur hinzu. In der Studie heißt es, die Flüchtlinge in Deutschland stammen überwiegend „aus muslimischen Ländern, die von männlicher Dominanz geprägt sind“. In der Studie wird von „gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen“ gesprochen, die bei Migranten aus diesen Kulturen weit mehr verbreitet sind als bei Deutschen.

    Dirk Baier ist Ko-Autor der Studie und Leiter des Institutes Delinquenz & Kriminalprävention an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Er erklärt den Einfluss der Machokultur auf die Straftaten folgendermaßen:

    „Das ist kulturell und zum Teil religiös und auch durch Gewalterfahrungen in der Familie geprägt. Das führt dazu, dass sie hier besonders häufig gewaltauffällig werden. So eine Macho-Orientierung äußert sich erstmal darin, dass man es gewohnt ist, Konflikte körperlich, mit Gewalt zu lösen. Die Konflikte zeigen sich in erster Linie mit anderen Männern auf der Straße, in Diskotheken, in Bars und so weiter. Aber auch gegen Frauen in der eigenen Familie findet Gewalt statt.“

    Die meisten kriminellen Flüchtlinge stammen aus Nordafrika

    Große Unterschiede offenbart die Studie bei den Herkunftsländern der Gewalttäter. Während Flüchtlinge aus den klassischen Kriegsländern Syrien, Irak und Afghanistan eher selten straffällig werden, gibt es eine überdurchschnittlich hohe Strafquote bei Männern aus den sogenannten Maghreb-Staaten Marokko, Algerien und Tunesien. Diese polizeiintern und inoffiziell „Nafri“ genannten Straftäter stellten 2016 nur 0,9 Prozent der in Niedersachsen registrierten Flüchtlinge, aber 17,1 Prozent der Straftäter. Migranten aus Nordafrika waren auch zentral an den sexuellen Übergriffen der Silvesternacht  2015/16 in Köln beteiligt. Ihre Asylanträge werden meist abgelehnt. Es kommt jedoch bisher nur selten zu einer Abschiebung, da sich sowohl die Herkunftsländer nur wenig kooperationsbereit zeigen, als auch die Migranten selbst sich oft der Abschiebung entziehen. Bis November wurden im vergangenen Jahr von insgesamt fast 10.000 ausreisepflichtigen Migranten aus den Maghreb-Staaten gerade einmal 455 Algerier, 219 Tunesier und 590 Marokkaner in ihre Heimat abgeschoben.

    Dirk Baier erklärt die Gewaltbereitschaft der Migranten aus Nordafrika so:

    „Sie erfahren relativ früh, dass sie hier nicht bleiben können, dass sie zurückgehen müssen, dass sie keine Chance haben, hier länger zu bleiben. Das frustriert, und das führt dazu, dass sie gar nicht bereit sind, sich an die Gesetze hier in Deutschland zu halten, und entsprechend dann auch bestimmte Formen der Kriminalität begehen.“

    Baier betont jedoch, dass ein Großteil der Flüchtlinge nicht straffällig wird. Eine relativ kleine Gruppe Krimineller wäre dafür umso aktiver.

    Konsequente Abschiebung

    Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius fordert angesichts der Studie, alle dem Staat zur Verfügung stehenden Instrumente anzuwenden:

    „Erstens konsequente Rückführung und harte Bestrafung der Täter. Diejenigen, die keine Asylgründe und kein Bleiberecht besitzen oder es infolge von Straftaten verloren haben, müssen in ihre Heimatländer zurückgeführt werden.“

    Pistorius sieht hier die Bundesregierung in der Pflicht:

    „Wir brauchen endlich schnellere Asylverfahren und gleichzeitig mehr diplomatischen Druck auf die Herkunftsländer, in Deutschland abgelehnte Asylbewerber schnell und problemlos zurückzunehmen. Das gilt insbesondere für nordafrikanische Staaten.“

    Auch Dirk Baier spricht sich für die Abschiebung von Straftätern aus:

    „Zurzeit wird noch nicht konsequent abgeschoben. Das ist ein langwieriger Prozess. Da sprechen wir uns auf Basis der Studienergebnisse schon dafür aus, dass kriminelle Asylbewerber noch stärker, noch schneller abgeschoben werden sollen, als das bisher der Fall ist.“

    Altersnachweis und Familiennachwuchs – Stolpersteine für die Sondierungsgespräche?

    Die Studie dürfte auch von den Groko-Parteien in die Sondierungsgespräche mit eingebracht werden. Weitestgehend Konsens dürfte inzwischen darüber bestehen, dass eine geregelte Einwanderung und eine effektive Sicherung der Grenzen nötig sind. So könnte die Einwanderung gewaltbereiter Männer ohne Asylanspruch zumindest reduziert werden. Gestritten werden dürfte über Alterstests für minderjährige Asylsuchende und über den Familiennachzug. Die Debatte über Alterstests wurde jüngst erneut befeuert durch den Fall eines angeblich 15-jährigen afghanischen Flüchtlings, der seine deutsche Ex-Freundin erstochen hat. Während man zu Alterstests, laut Baier, aus der Studie nichts ableiten kann, befürwortet er den Familiennachzug:

    „Es ist ein allgemeiner kriminologischer Befund, dass, wenn Kriminelle es schaffen, eine Beziehung zu einer Partnerin zu etablieren, wenn es zu einer Familiengründung kommt, viele aussteigen. Ich denke, das kann man auch auf die Flüchtlingsthematik übertragen. Etwa drei Viertel der Flüchtlinge sind Männer. Nur ein Viertel sind Frauen. Da kommt es nicht zu diesen stabilen Beziehungsgeflechten. Diese Situation könnte mit Familiennachzug verbessert werden.“

    Baier regt aufgrund der Studienergebnisse auch die Einführung eines Einwanderungsgesetzes an:

    „Wir erleben seit über 40 Jahren Einwanderung nach Deutschland, haben aber immer noch kein Einwanderungsgesetz. So ein Gesetz würde spezifizieren, unter welchen Kriterien man Deutscher werden kann, was man erfüllen muss, wie man sich verhalten muss, um Deutscher zu werden. Das würde Orientierung geben, denke ich.

    Armin Siebert

    Das Interview mit Dirk Baier zum Nachhören:

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    Tags:
    Gewalttat, Flüchtlinge, Studie, Anstieg, Migranten, Dirk Baier, Boris Pistorius, Niedersachsen, Deutschland