01:19 22 April 2018
SNA Radio
    EU-Flagge. Symbolbild

    Politiker antwortet Gabriel: EU fühlt sich wie Teenager ohne Schutz von Erwachsenen

    © AFP 2018 / Andrei Pungovschi
    Politik
    Zum Kurzlink
    0 1120

    In einem Interview mit dem „Spiegel“ hat Bundesaußenminister Sigmar Gabriel den fehlenden Respekt Russlands, Chinas, und der USA gegenüber der EU beklagt. Der russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschjow hat diese Worte kommentiert: Ohne die leitende Rolle der USA fühlt sich die EU laut ihm wie ein Teenager ohne Unterstützung von „Erwachsenen“.

    „Die Beschwerde Gabriels, Moskau, Peking und Washington würden die EU überhaupt nicht schätzen oder gar missachten, erinnert an die Wehklagen eines jungen Mannes, der es gewohnt ist, sich immer auf die Hilfe seiner Eltern verlassen zu können, und der sich plötzlich in der Welt der Erwachsenen wiedergefunden hat“, sagte Kossatschjow, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat (Parlamentsoberhaus), im Gespräch mit Sputnik.

    Gabriels Äußerung hält er für unbegründet: „Ich würde nicht von einer Missachtung von unserer Seite sprechen“, so der Außenpolitiker weiter. Aber ein „gewisses Unverständnis“, gelinde gesagt, sei offensichtlich. „Denn die Europäische Union könnte wirklich, wenn sie das nur wollte, eine selbstständigere Rolle spielen, zumindest in den europäischen Angelegenheiten.“

    Die EU hat laut Kossatschjow schon eine solche Chance dazu gehabt. Konkret im Rahmen des „Normandie“-Formats hätte Europa die Umsetzung der Minsker Abkommen durchsetzen können. „Doch Brüssel hat alles auf die Sanktionen gegen Russland reduziert und abermals auf Geheiß des,großen Bruders‘ gehandelt und diesen sogar in gewissen Sachen übertroffen.“

    Europäische Werte

    Kossatschjow gibt dem deutschen Außenminister in einer Frage jedoch Recht: Anstatt einer vollwertigen Außenpolitik, bei der gemeinsame europäische Interessen definiert würden, definiere Brüssel nur die gemeinsamen Werte. Bei der Festlegung gemeinsamer Interessen sei Europa viel zu schwach.

    Nur Werte in den Mittelpunkt zu stellen sei aber falsch, so Gabriel. Er verglich die EU mit einem Vegetarier, der es in einer Welt voller Fleischfresser sehr schwer habe.

    Doch aus Sicht von Kossatschjow sieht die Lage etwas anders aus: „Wenn die EU ihre Werte konsequent umgesetzt hätte, wäre ihre Autorität jetzt weitaus größer. Aber wenn man sich in einem Fall auf die Seite der Separatisten stellt und das Mutterland angreift, wie es seinerzeit in Belgrad war, und in einem anderen Fall den Separatismus mit Empörung verurteilt; wenn man sich in einem Fall für die Menschenrechte einsetzt, und in einem anderen Menschen vergisst und nur von der territorialen Unversehrtheit eines Staates spricht, glaubt einem im Endeffekt niemand mehr.“

    Rezept für Europa

    Kossatschjow hat für die „verängstigte EU, die in die Welt der Erwachsenen geraten“ sei, ein einfaches Rezept: Es sei höchste Zeit einzusehen, dass die Spiele aus der Zeit des Kalten Krieges wie die Osterweiterung der Nato, die Unterstützung von Farbrevolutionen und das gezielte Umwerben von ehemaligen Sowjetrepubliken, darunter auch die absolut rechtswidrigen Staatstreiche, in erster Linie Europa selbst schadeten.

    Europa brauche eine neue „Architektur der Sicherheit“, die auf friedlichem Miteinander mit den Nachbarn und nicht auf Versuchen beruhe, alle nach eigenem Geschmack umzukrempeln.

     

    Tags:
    Teenager, Konstantin Kossatschjow, Sigmar Gabriel, EU, USA, Russland, China