05:54 25 Juni 2018
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    Moskau, Russland

    Worum Russland 2018 fürchten soll – Expertenbericht

    © REUTERS / Maxim Shemetov
    Politik
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    Eine Eskalation des Konflikts auf der Korea-Halbinsel und die Destabilisierung in der Ukraine könnten 2018 die wichtigsten Herausforderungen für Russland werden. Die Wahrscheinlichkeit, einen „Big Deal“ mit den USA zu schließen, geht laut den Experten der russischen Analyseagentur „Außenpolitik“ gegen Null.

    Zu den besonders ernsthaften Problemen – den so genannten Schwarzen Schwänen* – gehört laut dem Agenturchef, Andrej Schuschentsow, auch ein möglicher Versuch dritter Seiten, sich in die Präsidentenwahlen in Russland im März einzumischen, was zu einer internationalen Krise führen könnte. Naturkatastrophen und Terroranschläge bleiben ebenfalls auf der Tagesordnung. 

    Vorrang in Moskaus Außenpolitik solle die Normalisierung der Beziehungen mit den Nachbarländern haben, heißt es im Bericht der Agentur. Experten vermuten eine wachsende Instabilität in der Ukraine und empfehlen Moskau, zeitweilig zur Seite zu treten, um „dem nationalistischen Experiment die Möglichkeit zu geben, sich in Misskredit zu bringen“. In dieser Zeit solle Moskau dagegen die politische Landschaft der ehemaligen Sowjetrepublik untersuchen und die Bildung einer neuen ukrainischen Elite fördern. 

    Solch eine „Sondierung“ wäre auch in Bezug auf andere Ex-Sowjetrepubliken sinnvoll. Da sie ihre Politik derzeit aktiv diversifizieren und Kontakte mit Europa und China entwickeln, sollte Russland um sich herum einen militär-politischen und Wirtschaftsraum auf Basis der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) aufbauen. 

    Die Beziehungen zu den Ländern außerhalb der GUS sollen ebenfalls auf Kompromiss und Interessengleichgewicht basieren, hieß es. Ein teilweiser Zusammenschluss der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) und der EU könnte für Russland und die EU ein Ausweg aus den gegenwärtigen Gegensätzen werden. Dafür seien aber gegenseitige Zugeständnisse Moskaus und Brüssels erforderlich.  

    In den USA werde sich die Opposition gegen die Administration von Donald Trump weiter stärken – bis hin zur Amtsenthebung des Präsidenten nach den Kongresswahlen im November 2018. Eine politische Sackgasse und wachsender Protektionismus in den USA würden die Aussichten eines „Big Deal“ zwischen Moskau und Washington auf Null reduzieren. Infolgedessen solle Russland auf traditionellen Widerstand verzichten und ein Spiel nach den allgemeinen Regeln beginnen, und zwar den legalen Lobbyismus als Instrument für indirekten Einfluss auf die USA fördern. 

    Im Nahen Osten werden derzeit unter Beteiligung Russlands einige Militärkonflikte (in Syrien und Libyen) Schritt für Schritt gelöst. Doch im laufenden Jahr könnte es zu sozial-wirtschaftlichen und politischen Krisen in den zwei führenden Regionalmächten Ägypten und Saudi-Arabien kommen. Mit dem Abschluss des Militäreinsatzes in Syrien im Dezember 2017 habe Moskau Experten zufolge genug Einfluss in der Region erworben, um die Rolle eines Unterhändlers bei der Lösung humanitärer und wirtschaftlicher Probleme zu übernehmen.

    Laut einem anderen Analyse-Zentrum, dem Russland-Rat für Internationale Angelegenheiten (Russian International Affairs Council, RIAC), der Ende Dezember 2017 einen eigenen Bericht über Russlands Außenpolitik im jahr 2018 veröffentlichte, könne Moskaus Diplomatie in vier wichtigste Richtungen geteilt werden. Die Beziehungen zum Westen könnten sich wegen neuer Sanktionen und wachsenden Differenzen in Fragen der Cybersicherheit noch weiter verschlimmern. Die einzige Verbesserungsmöglichkeit liege im Ausbau von Kontakten mit der EU ohne US-Beteiligung. 

    Der Nahe Osten bleibe das Epizentrum der globalen Anspannung und der Terrorgefahr. Angesichts dessen solle Russland seine Bemühungen zum Aufbau eines gemeinsamen regionalen Sicherheitssystems nicht aufgeben. 

    Im Fernen Osten stelle nicht nur der Konflikt auf der Korea-Halbinsel eine Gefahr dar, sondern auch Russlands Distanzierung von seiner Lösung. Moskau solle demnach seine Vermittlungspolitik in der Region aktivieren. Indien und China nennen die Experten als Hauptverbündete Moskaus in Asien. 

    Eingefrorene Konflikte an Russlands Grenzen (Mittelasien, Bergkarabach, Donbass) könnten den Experten zufolge erneut eskalieren. Russland solle daher gegen Destabilisierung an seinen Grenzen kämpfen und seinen Nachbarländern neue gegenseitig attraktive Kooperationsmöglichkeiten anbieten.   

     

    * Ein Schwarzer Schwan (Black Swan) ist ein unvorhergesehenes und fast unwahrscheinliches Ereignis, welches der wirtschaftlichen Entwicklung eine entscheidende Wende gibt und katastrophale Folgen zeitigt. Den Terminus führte der Zufallsforscher und Ökonom Nassim Taleb ein. 

     

     

    Tags:
    Gefahren, Beziehungen, Politik, Russland