08:20 20 Januar 2018
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    Bundeswehrs Rekruten (Archiv)

    Über 2000 Minderjährige dienen bei der Bundeswehr

    © AFP 2018/ BERND WUESTNECK / DPA
    Politik
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    Bei der Bundeswehr versehen mehr als 2000 Minderjährige ihren Dienst. Dabei werden sie auch an scharfen Waffen ausgebildet. Heraus kam das nur durch eine Kleine Anfrage der Linkspartei an die Bundesregierung. Die Werbekampagne der Bundeswehr scheint aufzugehen. Doch was passiert, wenn die Rekruten auf die schiefe Bahn geraten?

    Nach Angaben des Verteidigungsministeriums stieg die Zahl minderjähriger Soldaten bei der Bundeswehr 2017 auf 2128 Rekruten. Im Vergleich zum Jahre 2011, als nur 689 nicht volljährige Soldaten ihren Dienst an der Waffe leisteten, hat sich die Zahl verdreifacht. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Evrim Sommer von der Linkspartei hervor. 

    Im Sputnik-Interview erklärt Sommer:

    „Die Armee ist kein Abenteuerspielplatz. Werben fürs Sterben halte ich für falsch. Es kann nicht sein, dass 12-Jährige für die Bundeswehr begeistert werden sollen.“

    Die Bundeswehr benötigt nach eigenen Angaben jährlich 20.000 neue Rekruten und wendet sich deshalb seit ein paar Jahren verstärkt an Jugendliche, indem sie extensiv an Schulen und über Netzformate wie YouTube für den Dienst bei der Armee wirbt.

    Protest gibt es auch aus der SPD. Dr. Fritz Felgentreu, stellvertretender sicherheits- und verteidigungspolitischer Sprecher der Sozialdemokraten, schreibt in einer Pressemitteilung:

    „Die Zahl der minderjährigen Soldatinnen und Soldaten hat den Rekordwert von 2016 (1907) im Jahr 2017 nochmals getoppt und ist um weitere 221 Minderjährige auf 2128 gestiegen: ein Trend, der jetzt gestoppt werden muss.“

    SPD und Linke fordern die Einhaltung der Volljährigkeitsregel für die Bundeswehr.

    „Wir sehen nicht ein, dass Frau von der Leyen hier die UN-Kinderrechtskonvention unterwandert“, kritisiert Evrim Sommer.

    Deutschland und einige andere Länder haben in einem Zusatzprotokoll der UN-Konvention eine Ausnahmeregelung erwirkt, auf deren Grundlage man bereits 16-Jährige für staatliche Armeen rekrutieren darf. Die meisten Länder halten sich jedoch freiwillig an ein Mindestalter von 18 Jahren für den Armeedienst.

    „Ich sehe es kritisch, dass Jugendliche an der Waffe ausgebildet werden und sofort nach Erreichen der Volljährigkeit auf Auslandseinsätze der Bundeswehr geschickt werden können“, so Sommer weiter.

    Beim Stichwort Kindersoldaten werden Erinnerungen wach – an Hitlers letztes Kriegsaufgebot oder berüchtigte Killerkinder mit Kalaschnikows in internationalen Krisenherden.

    Die Bundestagsabgeordnete Sommer meint dazu:

    „Ich glaube, es ist nicht vorbildhaft von Deutschland, Soldaten unter 18 Jahren zu haben, weil wir uns in unserer Entwicklungsarbeit wiederum um eine internationale Ächtung des Einsatzes von Kindersoldaten bemühen. Da machen wir uns unglaubwürdig.”

    Jugendliche sind oft noch instabil, und auch der Berufswunsch ist bei vielen 16-Jährigen noch nicht gefestigt. Was ist, wenn die Jugendlichen bei der Bundeswehr ihre Ausbildung abbrechen und mit ihrer Waffenkenntnis auf die schiefe Bahn geraten, Amok laufen oder gar eine Terrortat begehen?

    Pikanterweise hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) 2008 in ihrer damaligen Funktion als Bundesfamilienministerin im Zusammenhang mit Amokläufen von Jugendlichen den Verkauf von Computer-Killerspielen an Minderjährige verboten. Bei der Bundeswehr scheint sie es nicht so genau zu nehmen.

    Armin Siebert

    Das Interview mit Evrim Sommer zum Nachhören:

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    Tags:
    Minderjährige, Dienst, Kritik, SPD, Die LINKE-Partei, Bundeswehr, Ursula von der Leyen, Deutschland
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