17:26 11 Dezember 2019
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    Südkoreanische und nordkoreanische Sportler während einer Versöhnungszeremonie bei den Olympischen Spielen in Turin (Archhivbild)

    Süd- und Nordkorea: Gemeinsames Olympia-Team? – Expertenmeinung

    © AFP 2019 / Filippo Monteforte
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    Als eine freundliche Geste der gesellschaftlich-politischen Unterstützung der Olympischen Spiele in Pyeongchang durch Nordkorea bezeichnete der Experte des Zentrums für Korea-Studien der Russischen Akademie der Wissenschaften Jewgeni Kim die Bereitschaft Pjöngjangs, an den Spielen teilzunehmen.

    Dies sei zugleich eine große Hilfe für Südkorea, sagte er in einem Sputnik-Interview zu den Verhandlungen zwischen den beiden koreanischen Staaten auf hoher Ebene im Grenzort Panmunjom, da von der erfolgreichen Ausrichtung der Spiele das Ansehen in der Welt nicht nur des Nachbarlandes, das viel Geld dafür ausgegeben habe, sondern auch der ganzen koreanischen Nation abhänge.

    Der Korea-Experte machte darauf aufmerksam, dass auch der südkoreanische Präsident verstehe, dass die für Februar und März angekündigte US-Kriegsübung in der Region das Vertrauen zu Olympia untergraben könnte.

    „Man würde den Ausbruch eines militärischen Konfliktes befürchten. So hat Moon Jae-in vorgeschlagen, diese Kriegsübung auszusetzen, bis die Olympischen Spiele vorbei sind. Allerdings haben die USA über ihren Verteidigungsminister James Mattis anfangs verkündet, über diese Frage lasse sich nicht diskutieren.“

    Mit seinem Schritt, so der Experte, „wischte Kim Jong-un sofort einige Fragen von der Tagesordnung, und die wichtigste davon — die der Sicherheit, d.h. auf der nordkoreanischen Seite wird nichts unternommen, weder Raketenstarts noch Nuklear-Tests, welche die Sicherheit der Olympischen Spiele gefährden könnten. Dadurch setzte Nordkoreas Staatschef die USA unter Druck, da sie im Hinblick darauf mit einer Antwort nicht weiter zögern durften. So mussten sie erklären, sie würden bis Mitte März, wenn auch die Paralympischen Spiele zu Ende sein werden, keine Kriegsübungen durchführen.“

    Laut Jewgeni Kim ist es jedoch zu früh, über die Denuklearisierung der Halbinsel und die Wiedervereinigung des Landes zu sprechen. „Vom ersten Löffel allein wird man nicht satt. Die Fragen müssen beharrlich gelöst werden, aber eine nach der anderen. Überhaupt wollte die südkoreanische Delegation erst einmal die Stimmung der nördlichen Nachbarn herausfinden.“

    Die Denuklearisierungsfrage sei nämlich kein Problem der interkoreanischen Beziehungen, so der russische Experte. „Es ist ein Sicherheitsproblem für die ganze Region und vorwiegend ein Problem in den amerikanisch-südkoreanischen Beziehungen. Falls es um die Wiederaufnahme der sechsseitigen Verhandlungen geht, könnten die Nordkoreaner auf einer bestimmten Etappe darin einwilligen.“

    Denn es gehe um die Denuklearisierung nicht Nordkoreas, sondern der gesamten koreanischen Halbinsel, ist sich Jewgeni Kim sicher.

    „Dies bedeutet aber, dass US-Schiffe mit Nuklearwaffen nicht ins südkoreanische Hoheitsgewässer kommen dürfen. Auch dürfen in seinem nationalen Luftraum keine strategischen Bomber mit Atomwaffen an Bord erscheinen, darunter mit Atomraketen. Aber die Amerikaner wollen dort ihre strategischen Waffen langfristig stationieren.“

    Russland hat die Verhandlungen zwischen Süd- und Nordkorea begrüßt. In Moskau meint man, dieses Treffen könnte die Grundlage für die Regelung der gesamten Situation auf der koreanischen Halbinsel bilden. Jewgeni Kim äußerte die Vermutung, Russland und China würden die gleiche Position dazu beziehen: „Sie haben einen Fahrplan, der am 4. Juli des vergangenen Jahres unterbreitet wurde, und zwar die gegenseitige Einstellung der militärischen Übungen und Tests. Ob die Amerikaner dazu bereit sind?“

    Der Experte bezweifelt das. „Nordkorea dürfte aber dazu bereit sein, da es erklärt hat, es habe das Programm zur Entwicklung von Atomwaffen erfüllt. Jetzt haben sie die industrielle Fertigung dieser Waffen aufgenommen, d.h. die Prüfungsphase ist vorbei.“ 

    Nikolai Jolkin

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    Tags:
    Atomwaffen, Absage, Militärübung, Kriegsschiffe, Konfliktlösung, Teilnahme, Sportler, Verhandlungen, Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang, Russland, China, USA, Nordkorea, Südkorea