17:25 22 Januar 2018
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    „Kim, Kurz und Hype“: Die verjüngte Weltpolitik – und welchen Haken sie hat

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    Die Weltpolitik wird dynamischer, die Anzeichen einer Verjüngung sind unverkennbar, wie der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow feststellt. Er erläutert auch, was ihn dabei beunruhigt.

    Lukjanows Gastbeitrag für die Tageszeitung „Kommersant“ trägt die Überschrift: „Kurz, Kim und Hype“. Der Experte weist darauf hin, dass „Youthquake“ als Wort des Jahres 2017 von den Oxford Dictionaries gekürt wurde. Das Wort bezieht sich auf einen kulturellen, politischen oder sozialen Wandel, der von jungen Menschen verursacht wird.

    Lukjanow kommentiert: „Auch in der internationalen Politik fallen Anzeichen einer Verjüngung auf. Das neue Gesicht der europäischen Politik ist das ‚Häschen Immerklug‘ Sebastian Kurz, der 31-jährige österreichische Kanzler. In Deutschland hat der damals 38 Jahre alte FDP-Chef Christian Lindner bei den Koalitionsverhandlungen eine fatale Rolle gespielt – ganz jung ist er zwar nicht mehr, scheint aber aus dem Werbespot eines modischen Gadgets für junge Menschen zu stammen.“

    Kim Jong Un (34) halte unterdessen die ganze Welt in Atem, indem er die Kombination einer jugendlichen Risikobereitschaft und einer für sein Alter ungewöhnlichen Kaltblütigkeit an den Tag lege: „Den anderen Pol macht der 71-jährige Donald Trump aus. Dieser ist aber nicht bloß eine junge, sondern eine jünglingshafte Seele. Von seinen politischen Erfahrungen her ist er übrigens sowohl Kim als auch Kurz unterlegen.“   

    „Von einem zunehmenden Jugend-Faktor hatte man noch zuvor geredet – beispielsweise im Zusammenhang mit dem Nahen Osten, wo der ‚Arabische Frühling‘ eine Vielzahl von ganz jungen Menschen auf die Straße gehen ließ. Parallel kam ein ähnliches Phänomen in Europa zum Vorschein – etwa in Griechenland oder in Spanien, wo die Arbeitslosenrate unter den jungen Menschen nicht bloß zweistellig wurde, sondern bereits ein Drittel oder mancherorts sogar die Hälfte dieser Altersgruppe ausmachte“, so Lukjanow.

    Er schreibt weiter: „Das Streben der jungen Menschen nach Veränderungen und ihre Neigung zu modern denkenden Politikern findet allerdings nicht immer einen Ausdruck bei den Wahlen – man geht halt nicht ins Wahllokal. In Großbritannien arbeiteten die EU-Befürworter spezielle Strategien aus, um die fortgeschrittenen jungen Wähler zu mobilisieren. Diese waren zwar für Europa, reagierten aber inert auf die Appelle. Die ‚einfachen Briten‘ der älteren Generation bevorzugten dagegen die Eigenständigkeit.“   

    Überhaupt ziehe die Jugend neue Formen der politischen Selbstverwirklichung vor und wolle sich von den alten Institutionen nicht einschränken lassen. Dieser Logik entsprächen auch jene russischen Protest-Demos von Alexej Nawalny im Frühjahr, bei denen Jugendliche mitgemacht hatten. Diese Logik fordere jeden beliebigen Staat heraus – egal, wie hoch der Stand der Demokratie dort sei. Als Reaktion versuche der Staat, die bereits bestehenden Institutionen aufzufrischen und einen Generationswechsel zu stimulieren. Auch Kurz habe bei der Wahl eine „neue Volkspartei“ angekündigt, so der Kommentar.

    Die Dynamik der Weltpolitik im Allgemeinen habe sich verändert. Sie sei schneller, impulsiver, durchschlagkräftiger geworden: „Was beunruhigt, die Verjüngung (oder das Streben danach) bringt vorerst keine neue Agenda mit sich, sondern erhöht die Impulsivität der alten. ‚Hype First‘ – so könnte man in Anlehnung an Trumps Motto neu formulieren.“

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    Tags:
    Wandel, Alter, Politiker, FDP, Kim Jong Un, Christian Lindner, Sebastian Kurz, Donald Trump, Deutschland, Österreich, Nordkorea, USA
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