18:46 23 Januar 2018
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    Spiegel, Symbolbild

    Spiegel-Chefredakteur wirft RT Desinformation vor und schießt ein Eigentor

    © AFP 2018/ JOHANNES EISELE
    Politik
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    Matthias Streitz - Mitglied der Spiegel-Chefredaktion - war sich zumindest eine Zeit lang sicher: RT und Sputnik haben falsche Fotos bei Berichten verwendet. Damit, dass seine Desinformationsvorwürfe mächtig nach hinten losgehen, hat er aber wohl nicht gerechnet.

    Am Sonntagvormittag hatte es in Huddinge an einer U-Bahnstation eine heftige Explosion gegeben. Ein Mann war seinen Verletzungen erlegen, bei dem explodiertem Gegenstand soll es sich um eine Handgranate gehandelt haben, wie "Expressen" und "Aftonbladet" berichteten.

    RT berichtete davon, wobei, wie das oft bei sämtlichen Medienangeboten weltweit geschieht, mit einem Extre-Vermerk ein Symbolfoto benutzt wurde. Was dem darauf aufmerksam gewordenen „Editorial chief of product SPIEGELONLINE“ Matthias Streitz jedoch eindeutig als ein Indiz für ein Fake erscheint: „Unsere tägliche Desinformation: Dieses Foto stammt nicht mal aus Schweden, sondern aus London im April“, schrieb er bei Twitter.

    Screenshot
    Twitter
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    Dabei berief sich Streitz auf das britische Boulevardblatt Express. Dieses hatte dasselbe Bild in einem Artikel mit der Überschrift: "Knife-wielding man arrested at Manchester's Oxford Road train station" eingefügt.

    Was jedoch das Mitglied der SPON-Chefredaktion genauso wie seine britischen Kollegen von Express nicht bemerkten: Alle Informationsschilder auf dem Bild deuteten darauf hin, dass es sich um eine Stockholmer U-Bahnstation handelt. Was sich auch durch eine Beschreibung in der Bildergalerie von Reuters, woher das Foto stammte, belegen lässt.

    ​Sehr schnell wurde Streitz auf seinen Fehler aufmerksam gemacht:  „Die Suche nach diesem Bild dauert keine zwei Sekunden“, schreibt der User Higgs Boson. Dabei verschweige Streitz, dass  Spiegel-Online selbst das Foto als aus Schweden stammend verwendet hatte.

    Ein anderer User, Marcel Sardo, betont, dass unter dem von RT benutzten Foto speziell der Begriff „Symbolbild“ vermerkt wurde.

    ​Im Nachhinein löschte Streitz seinen Tweet. „Mea culpa“, gab er in einer Antwort an RT an. Beharrte jedoch darauf, dass das Bild aus einem falschen Kontext stamme. Sein Tweet mit ähnlichen Anschuldigungen gegen Sputnik ist nach wie vor zugänglich.

    ​In einem Facebook-Post kam nun die Chefin des RT-Senders, Margarita Simonjan, zu Wort: „Eine wunderbare Geschichte von einem SPON-Redakteur, der beschlossen hat, sich mit dem Exorzismus vom Desinformationsteufel zu befassen“, scherzte sie.

    Das ein oder andere Glas Schnaps während der Festtage sei wohl zu viel gewesen, fügte sie hinzu.

    Tags:
    Fake-News, Desinformation, SPON, Spiegel Online, Der Spiegel, Russia Today, RT, Margarita Simonjan, Matthias Streitz, Deutschland, Russland
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