18:45 23 Januar 2018
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    Islamische Revolution im Iran 1979 (Archivbild)

    Darum ist der Plan der „Wirtschaftskiller“ im Iran gescheitert

    © AFP 2018/ Lehtikuva/ Heikki Kotilainen
    Politik
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    Am 26. Januar sind 55 Jahre seit der Verabschiedung der „Sechs Punkte der Wirtschafts- und Sozialreformen der ‚Weißen Revolution‘“ vergangen, die bei einem Referendum im Iran im Jahr 1963 gebilligt worden waren. Das Reformprogramm der „Weißen Revolution“ hatten die USA entwickelt, und Schah Mohammad Reza Pahlavi setzte sie um.

    Das Programm sah eine Modernisierung des Landes und einige sozialwirtschaftliche Reformen zwecks Verbesserung der Situation im Iran sowie zur Festigung der Positionen der Amerikaner und des Schahs vor. De facto handelte es sich dabei um einen Plan der USA zur „Knechtung“ des Irans (1975 bis 1978), eines der Projekte der so genannten ökonomischen Auftragskiller bzw. „Wirtschaftskiller“ (großer Finanzkorporationen), die John Perkins in seinem Buch „Confessions of an Economic Hit Man“ schilderte.

    Über die Gründe, warum dieser Plan am Ende des Tages scheiterte, erzählte Dr. Seyyed Mostafa Taghavi, Experte für die moderne politische Geschichte des Irans, in einem Interview für Sputnik. Unter anderem verwies er auf gewisse Mängel der Politik der „Weißen Revolution“, bezeichnete die Schwächen der auf der Seite des Schahs stehenden politischen und gesellschaftlichen Kräfte sowie die wachsende Rolle der Geistlichen im Vorfeld der Islamischen Revolution.

    „Es ist wichtig, den genauen Sinn von Kennedys Plan zur Modernisierung des Irans zu erklären, um zu verstehen, ob es sich um eine Verschwörung seitens der USA handelte, um die Wirtschaftssituation im Iran anzuspannen, oder um eine Strategie der USA zur Verbesserung der Lage des Irans, damit er gegen den Ost-Block ‚geimpft‘ würde“, so der Autor.

    In Wahrheit sah dieser Plan konstruktive Reformen vor, die die Wirtschaftslage im Iran wirklich hätten verbessern können. Dadurch hätte das Regime seine Positionen festigen können. Der Schah bewertete diesen Plan ebenfalls positiv und hielt ihn für einen stabilisierenden Faktor für seine Herrschaft.

    Aus Sicht der nationalen Interessen und der Unabhängigkeit des Landes ging es dabei um einen Plan zur Integration des Irans in das herrschende westliche System, was jedoch den nationalen Interessen Teherans widersprach.

    Und irgendwann dachte die iranische Bevölkerung, der Modernisierungsplan der USA und des Schahs wäre eine Verschwörung gewesen. Am Ende kam es 1979 gerade deswegen zur Islamischen Revolution, und diese verkörperte das Scheitern des amerikanischen Plans und für die ausbleibende soziale Unterstützung für das Pahlavi-Regime.

    Für die iranische Nation, für die schiitischen Geistlichen, für Wissenschaftler und das Establishment galt, dass die Prinzipien der territorialen Integrität, der nationalen Souveränität und Identität in Gefahr gewesen waren. Und Kennedys Doktrin machte diese Gefahr noch größer und erniedrigte die Iraner zusätzlich. Denn auf dem Territorium des Landes blieben 50.000 US-Soldaten, und das war nicht nur ein Zeichen für Washingtons Herrschaft, sondern auch eine Erniedrigung für den Iran.

    Die Einwohner des Landes sahen allmählich ein, dass es sich wegen dieser „Modernisierung“ Schritt für Schritt in einen Bestandteil der wirtschaftlichen Struktur des Westens verwandelte, wobei der Iran seit 200 Jahren dagegen gekämpft hatte, weshalb auch die Verfassungsrevolution ausgebrochen war. Deshalb wurden die Agrarreformen, das Stimmrecht für Frauen und andere Versuche zur Bildung einer sozialen Basis vom Volk kaum unterstützt. So konnten beispielsweise nur 50 Prozent aller Bauern im Rahmen der Agrarreform Grundstücke in Besitz nehmen.

    Die „Weiße Revolution“, die im Grunde eine politische Maßnahme war, einen sozialwirtschaftlichen Aspekt hatte und einen Maßnahmenkomplex zur Modernisierung enthielt, insbesondere im kulturellen und sozialen Bereich, führte dazu, dass von Tag zu Tag immer mehr Menschen Gegner der Reformen wurden. 

    Patriotische Graffiti in Teheran
    © AP Photo/ Ebrahim Noroozi
    Außerdem ließ sich eine immer größere Abhängigkeit der iranischen Wirtschaft von der Außenwelt beobachten, und das wurde zum Beweis dafür, dass die Reformen im Zuge der „Weißen Revolution“  die Position Pahlavis im Iran immer anfälliger machten – wie auch die seiner ausländischen Protektoren.

    Der Schah konnte zwar kurzfristig gewisse Erfolge verbuchen (so konnte er seine politischen Gegner loswerden), doch dabei ging es im Grunde nur um eine Konfrontation zwischen Militärs und Sicherheitskräften, aber nicht um die Legitimität und soziale Basis seines Regimes, so der Autor.

    Zu den Gründen des Scheiterns des US-Plans im Iran sagte er, eine äußerst wichtige Rolle hätten dabei schiitische Geistliche gespielt, vor allem Ajatollah Khomeini.

    „Die gesellschaftlichen Kräfte im Iran hätten eine gewisse Rolle für einen Erfolg oder Misserfolg der von den USA vorangebrachten Modernisierung gespielt haben. Einige Strömungen, insbesondere die Nationale Front des Irans oder diverse Gruppierungen der prowestlichen iranischen Intellektuellen widersprachen nicht dieser Politik. Linke Bewegungen wie die Partei ‚Tudeh‘, die Organisation der Volksfedajin oder die linken Islamisten wie die Volksmudschaheddin-Bewegung waren gegen dieses Projekt, genossen jedoch keine Unterstützung seitens Offizieller sowie der Bevölkerung, um diverse Bevölkerungsschichten zu mobilisieren.“

    Dabei hatten die schiitischen Geistlichen bereits gewisse Kampferfahrungen. Unter anderem hatten sie eine wichtige Rolle bei den „Tabakprotesten“ (1890) und der Verfassungsrevolution (1905 bis 1911) gespielt. Zu dem Zeitpunkt waren sie die einflussreichste Gruppierung in der Gesellschaft, waren gegen den Westen eingestellt und hielten dabei den Modernisierungsplan für inkompatibel mit der Identität, den Werten und Überzeugungen des iranischen Volkes.

    „Zweifellos spielten schiitische Geistliche der damaligen Zeit eine äußerst wichtige Rolle für das Scheitern des Plans der USA und des Schahs. Ajatollah Khomeini (…) war ‚allergisch‘ gegen die Herrschaft des Westens über die islamischen Zivilisationen und übernahm die Verantwortung für den Kampf gegen den Plan der USA bzw. Kennedys“, so Perkins.

    „Wenn es ihn und seine tiefen Kenntnisse sowie seine persönlichen Eigenschaften nicht gegeben hätte, hätten andere Vertreter der Geistlichkeit oder andere Bewegungen die ‚Weiße Revolution‘ nicht bezwingen und die USA samt dem Schah aus dem Iran nicht verdrängen können.“

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    Ausbau, Einfluss, Wirtschaft, Geopolitik, Auflösung, Monarchie, Revolution, Imam Khomeini, USA, Iran
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