10:41 25 April 2018
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    Wladimir Putin bei Militärparade auf dem Flugplatz Hmeimim

    Putin macht Russlands “Zarentraum” wahr – Medien

    © Sputnik / Mikhail Klimentiew
    Politik
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    Seit dem Eingreifen in den Syrienkrieg ist Russland zu einem der wichtigsten geopolitischen Spieler in Nahost geworden. Laut der italienischen Zeitung Avvenire hat Putin durch seine effektive militärpolitische Strategie das Land aber auch zum Schlüsselspieler im gesamten Mittelmeerraum gemacht und so einen alten Traum der russischen Zaren erfüllt.

    Russische Soldaten sind in Nahost am Boden eingesetzt, Kampfjets und modernste Raketenabwehranlagen dominieren den Luftraum – nach Meinung des italienischen Journalisten Francesco Palmas ist Russland aber auch zu einer entscheidenden Seemacht im gesamten Mittelmeerraum geworden.

    Der russische Präsident Wladimir Putin habe durch seine strategisch durchdachte Politik den alten „Traum der Zaren“ erfüllt und Russland zu einer „neuen Mittelmeermacht“ gemacht, die von anderen politischen Spielern nicht mehr übersehen werden könne. 

    „Es entsteht eine neue mediterrane Macht, mit der man rechnen muss“, schreibt der Journalist.

    Der „neue Zar“ Russlands, wie der Journalist den russischen Staatschef betitelt, bewege mit Rationalität, taktischem Kalkül und fast schon zynischem Pragmatismus die Schachfiguren in der Region und bekomme hierfür seine „Dividenden“.

    Syrien – der erste „Mosaikstein“

    Syrien sei hierbei sicherlich der erste „Mosaikstein“ gewesen, durch den der russische Präsident den Einfluss des Landes wiederherstelle.

    Erste Anzeichen habe es aber schon zuvor gegeben – nämlich am 01. Juni 2013, als „aus dem Nichts“ ein Operativverband der russischen Flotte für das Mittelmeer entstanden sei.

    Der russische maritime Kampfverband sollte „ein Signal an den Westen“ senden, habe aber auch die USA und die Nato überrascht.

     

    „Tatsache ist, dass die Russen in den letzten vier Jahren alle Klassen großer Kampfschiffe in das Gebiet verlegt haben – als Zeichen ihrer Größe, die einige Schwächen der alten Marine überwindet“, heißt es in dem Artikel.

    Russischer Flugzeugträger Admiral Kusnezow im Mittelmeer nahe Syriens Küste
    © Foto : Russlands Verteidigungsministerium
    Russischer Flugzeugträger "Admiral Kusnezow" im Mittelmeer nahe Syriens Küste

    Eine Schlüsselposition liegt dabei laut dem Journalisten beim „Luftwaffen-Marine-Konglomerat“, bestehend aus der Luftwaffenbasis Hmeimim und der Marineversorgungsbasis in Tartus. Auch die Stationierung von mit Atomwaffen ausgerüsteten Kriegsschiffen hält er dort für nicht ausgeschlossen.

    Die geographische Lage und die Zusammensetzung des Stützpunkt-Konglomerates werde Russland hierbei seinen Einfluss im östlichen Mittelmeerraum und weiter „bis zum indischen Ozean" sichern.

    Diplomatische Offensive im Süden

    Doch dies sei noch nicht alles, betont der Autor.

    Russland ziele auch auf multilaterale Allianzen mit verschiedenen südlichen Anrainerstaaten des Mittelmeeres ab. In der gesamten Maghreb-Region sowie in Ägypten versuche Moskau diplomatisch Fuß zu fassen.

    Ein Vorzeigebeispiel sei das arabische Land Ägypten, wo Russland mittlerweile die diplomatischen Früchte seiner Arbeit genieße – zum Missfallen von Saudi-Arabien stimme Kairo nun immer im Unison mit Moskau in der Uno.

    „Solch ein unerwarteter Wechsel der Allianzen, der bis Oktober 2016 undenkbar gewesen wäre, ist ein Zeichen für den erneuten Erfolg der Kreml-Diplomatie“, schreibt Avvenire.

    Der Blick geht Richtung Atlantik

    Der nächste Schritt könne dabei das Erlangen des gesicherten Zugangs zum Atlantik sein. Russland aktiviere bereits seine diplomatischen Bemühungen um Marokko.  

    „Um durch die Straße von Gibraltar zu marschieren und in den Atlantik einzudringen, wäre Marokko ein idealer Partner, da es das Südufer der Meerenge kontrolliert und eine immense Linie der Atlantikküste zwischen Tanger im Norden und der mauretanischen Grenze hat“, hebt das Blatt hervor.

    Wie lange Moskau brauchen werde, um auch hier entscheidenden Einfluss zu bekommen, sei nicht klar. 

    Dass aber Russland zu einer Mittelmeermacht geworden sei, wovon noch die Zaren geträumt hätten, sei jedenfalls nicht mehr zu übersehen.

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    Tags:
    Kriegsschiffe, Geopolitik, Marine, Avvenire, NATO, Wladimir Putin, Hmeimim, Tartus, Mittelmeer, Syrien, USA, Russland
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