11:27 26 April 2018
SNA Radio
    Nato-Streitkräfte in Ost-Europa (Archivbild)

    Gelähmt im Konfliktfall: Nato fehlt Infrastruktur in Europa - Experte

    © Sputnik / Mikhail Markiw
    Politik
    Zum Kurzlink
    6746

    Seit einigen Jahren verstärkt die Nato ihre Präsenz in Europa. Doch es fehlt in Europa an der notwendigen Infrastruktur für eine operative Verlegung von schwerer Militärtechnik sowie großen Mengen von Soldaten, schreibt die amerikanische Zeitung „The Wall Street Journal“ unter Berufung auf den US-Politikwissenschaftler Jeffrey Rathke.

    US-Präsident Donald Trump spreche ständig davon, dass die Nato-Verbündeten der USA ihre Militärausgaben erhöhen sollen. Es sei aber viel wichtiger, die schon vorhandenen Ressourcen vernünftig zu nutzen, so Rathke.

    Seit 2013 habe Russland einige Militärmanöver durchgeführt, die die Kapazitäten des Landes bei der schnellen Truppenverlegung zu den Nato- und EU-Grenzen demonstriert hätten. Die im Baltikum und in Polen sowie im Schwarzmeergebiet  stationierten  Nato-Truppen seien zahlengemäß klein und würden ineffektiv werden, falls die Nato nicht schnell eine große Truppenverstärkung in die Region bringen könne. Das sei die größte Schwachstelle der Nato-Strategie, so Rathke.

    Der Politikwissenschaftler unterstützt die Idee des Ex-Oberkommandierenden der US-Landstreitkräfte in Europa Ben Hodges zur Einführung einer militärischen „Schengen-Zone“ auf dem europäischen Kontinent. Damit könnten die bürokratischen Hemmnisse bei der Grenzüberschreitung der Truppen abgeschafft werden, das sei aber nicht das wichtigste Problem. In Europa stehe es schlechter mit den Kapazitäten zur Beförderung der schweren Militärtechnik und der Bedarfsmenge von Soldaten. Es fehle dafür an entsprechenden Logistikmöglichkeiten, Eisenbahninfrastruktur und Transporten, befestigten Brücken und vielem anderen. „Es ist sinnlos, Milliarden für Panzer auszugeben, ohne die Möglichkeit zu haben, sie rechtzeitig zum Kriegsherd zu befördern“, unterstrich der Politikwissenschaftler.

    Die Militärs und Verteidigungsminister könnten dieses Problem nicht lösen. Dabei seien die lokalen Verkehrsbehörden für die Nachbesserung der Infrastruktur verantwortlich. Die Nato könne ihre kollektive Verteidigung stärken, sagte Rathke, indem die Allianz auf die Mobilität der Truppen und auf ihre schnelle Entfaltung setze, und nicht nur auf eine Erhöhung der Militärausgaben. Das bringe die Nato und die EU nahe, verringere das Konfliktrisiko und gewährleiste mehr Sicherheit für das transatlantische Bündnis.

    Zum Thema:

    Washington: Pläne über US-Truppenabzug aus Osteuropa bekannt geworden
    Neuer Atomsprengkopf zur „Eindämmung“ Russlands? – Medien
    Warum die Strategie der „Roten Gefahr“ Washington in geopolitische Sackgasse führt
    Tags:
    Kapazitäten, Truppenverlegung, Transport, Infrastruktur, Verkehrsmittel, EU, NATO, Frederick Ben Hodges, Jeffrey Rathke, Schwarzes Meer, Polen, Baltikum, USA, Europa
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren