20:09 20 September 2018
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    Le Figaro: Frankreich will „friedliches All“ vor Russland und China schützen

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    Politik
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    Der Weltraum ist heute ein Konfrontationsfeld zwischen den Großmächten geworden, und Frankreich bleibt eine jener wenigen Mächte, die die „Weltraumkapazitäten der Gegner“ beobachten können, wie die Zeitung „Le Figaro“ unter Verweis auf einen Experten des französischen Verteidigungsministeriums behauptet.

    „Man muss bereit sein, dass sich der Weltraum in ein Schlachtfeld verwandeln kann“, zitiert „Le Figaro“ den Experten. Es gebe dafür viele Beweise. „Unbekannte Weltraumobjekte“, möglicherweise für Spionagezwecke, seien bereits in der Nähe des französischen Militärsatelliten „Syracuse“ geortet worden. Auch soll sich der russische Satellit „Lutsch“ unlängst den US-Intelsat-Satelliten angenähert haben.

    Diese und andere Ereignisse, über die die Länder schweigen, zeugen laut „Le Figaro“ von einer Verwandlung des Weltalls in eine weitere strategische Sphäre, die eine enorme Bedeutung für die technologische Entwicklung, aber ebenso für die Geopolitik und die Wirtschaft besitzt.

    Schon heute bewegen sich der Zeitung zufolge im Orbit etwa 1500 Satelliten ziviler und militärischer Zweckbestimmung: für Navigation, Kommunikation, Beobachtung und Aufklärung. Ihre Anzahl werde nur zunehmen. Der „Weltraumklub“ habe heute bereits etwa 60 Mitglieder, wobei die USA, Russland, China und Frankreich führend seien. Mit der „Demokratisierung“ der Flüge ins All würden zudem neue Akteure auftauchen. Das US-Militär befürchte deswegen, dass die Überlegenheit der USA nicht mehr garantiert sei.

    Wie „Le Figaro“ ferner schreibt, nutzt der Mensch gegenwärtig bereits ca. 47 Satelliten täglich für die Kommunikation, Navigation und Suche im Internet. Die militärische Sphäre erfordere indes einen hundertprozentigen Einsatz des GPS, d. h. der Satelliten.

    Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly habe auf zwei Arten der Bedrohung für Objekte im Orbit hingewiesen: die ökologische durch Weltraummüll und die absichtliche – zwecks Spionage oder Sabotage, „deren Folgen tragisch sein können“. „Le Figaro“ betrachtet dies als „nicht öffentliches offizielles Signal“ seitens der französischen Behörden.

     „Wir erleben den Wechsel des Paradigmas“, zitiert die Zeitung den Chef des Weltraum-Armeekommandos Frankreichs, General Jean-Pascal Breton. Früher hätten alle ausschließlich von einer Weltraum-Unterstützung der Einsätze gesprochen, nun aber gehe es um Kampf und absichtliche Bedrohungen, stellte er fest.

    Russland und China hätten, so behauptet der General, nach dem Ende des Kalten Krieges ein echtes Wettrüsten in Bezug auf Anti-Satelliten-Waffen gestartet und Raketen, Satelliten-Killer, superstarke Laser und Geräte der funkelektronischen Unterdrückung zum „Blenden“ und zum „Aus-dem-Orbit-Werfen“ von Satelliten generischer Mächte entwickelt.

     „Frankreich ist für die friedliche Nutzung des Weltalls“, betont der französische General. Doch man dürfe das Weltall nicht als uneinnehmbare Festung betrachten, „da es eine ebensolche Konfrontationszone ist wie auch die anderen Sphären“.

    Frankreich gehöre zu den wenigen Weltraummächten, die Objekte im Orbit zum Schutz der eigenen Kapazitäten ständig beobachten und „Weltraumkapazitäten eines Gegners“ abwehren könnten, heißt es in dem Artikel.

    Wie die Zeitung ferner schreibt, sei Europas einziges operatives Zentrum zur Beobachtung von Objekten im Weltraum (französisch: Centre opérationnel de surveillance militaire des objets spatiaux – COSMOS) befugt, Objekte im Orbit zu orten und zu identifizieren und im Fall von Störungen seitens „der Weltraumkapazitäten eines Gegners“, die Flugbahn eines gefährdeten Satelliten zu ändern.

    Natürlich seien Frankreichs Möglichkeiten geografisch begrenzt,  weshalb es die Hilfe der Partner, vor allem die der USA, brauche, schreibt die Zeitung unter Verweis auf den Chef dieses Zentrums, Thierry Cattaneo. Das Vorhandensein von Informationen, über die der einflussreiche Verbündete nicht verfüge, erlaube es Frankreich, mehr Gewicht zu erlangen, vermutet der Militär. Die Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern im Bereich der Beobachtung von Objekten im Orbit müsse aber erst noch in Gang gebracht werden.

     

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    Satellit, Weltall, China, Russland, Frankreich