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    Eine Kunstinstalation von WWF in Berlin (Archivbild)

    Deutsche Ökos opfern den Amurtiger der Tagespolitik

    © AFP 2019 / Odd Andersen
    Politik
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    Es ist schon ein starkes Stück Papier, das die Umweltverbände WWF und NABU an die deutschen Parteien abgeliefert haben: In ihrem Appell gegen den Nord Stream 2 sorgen sich die Umweltaktivisten viel mehr um Politik als um die Umwelt.

    Es geht gar nicht darum, dass der WWF und der NABU gegen die geplante Ostsee-Pipeline protestieren. Sie protestieren immer gegen irgendwas – das ist nun mal ihr Job. Viel interessanter ist, wie sie es tun und mit welchen Argumenten.

    Denn dem Umweltschutz – dem eigentlichen Thema der Umweltverbände – wird in dem Appell überraschend wenig Aufmerksamkeit zuteil. Ja, die Aktivisten schreiben, die geplante Gaspipeline sei eine klimapolitische Sackgasse und bedrohe das fragile Ökosystem der Ostsee. Nur lesen sich diese Sätze wie Phrasen aus dem Grundvokabular eines jeden Umweltschützers.

    Dies ist auch nicht überraschend, sind es doch die angeblichen „Verfahrensfehler“, die „unzureichende öffentliche Beteiligung“ und „intransparente Verflechtungen deutscher Politiker mit dem Projekt“, um die es dem WWF und dem NABU offensichtlich vordergründig geht.

    Zugegeben: Es ist auch schwierig, ernsthaft über Umweltgefahren zu reden, die vom geplanten Nord Stream 2 angeblich ausgehen sollen. Schließlich hatte die Ostsee-Pipeline zahllose Prüfungen und Untersuchungen – auch ökologische – durchlaufen müssen, bevor auch nur eine Baugenehmigung erteilt wurde.

    Und was die Betreiber des künftigen Nord Stream 2 zudem in der Hand haben, sind die Erfahrungen mit dem bereits funktionierenden ersten Strang der Ostsee-Pipeline, dem Nord Stream 1: Wie sehr sich manch ein Ökologe auch gewünscht hatte, dieser Gasleitung schädlichen Umwelteinfluss nachzuweisen – gelungen ist das bis heute keinem.

    Und so bleibt es den Autoren des Appells nur, von der Bundeskanzlerin und den Parteichefs der CSU und SPD, „eine unabhängige, kritische Prüfung des Genehmigungsverfahrens“ des Pipeline-Projekts zu fordern, welches die Umweltaktivisten weiterhin hartnäckig als ausschließlich russisch bezeichnen.

    Sollten sich die deutsche Regierungschefin und ihre Kollegen dem aber verweigern (und davon ist auszugehen, hat doch das Bergamt von Stralsund dem Bau der Leitung auf dem deutschen Festlandsockel bereits zugestimmt) drohen der WWF und der NABU natürlich mit rechtlichen Konsequenzen.

    Nun hat man sich an den unverhohlen russlandfeindlichen Charakter solcher Appelle inzwischen wohl gewöhnt. Und für den Bau der Pipeline wird das Schreiben auch keine Konsequenzen haben. Aber es soll nicht unerwähnt bleiben, dass Nord Stream 2 nicht nur russischen, sondern auch europäischen Interessen dient.

    Denn das weitaus günstigere und sehr viel umweltfreundlichere als die derzeit verstromte Steinkohle kann das russische Pipelinegas auch auf anderen Wegen zum Abnehmer finden: China und die Türkei belegen es. Und um diese Einsicht kommen selbst die eifrigsten Umweltschützer nicht umhin.

    Eine offene Frage hingegen ist, wie sich derart befangene Appelle auf das Ansehen der Umweltverbände auswirken können. Denn allein auf russischem Territorium betreibt der WWF – übrigens gemeinsam mit der russischen Regierung – unzählige Projekte zum Schutz bedrohter Tierarten: Wildrinder, Schneeleoparden und Amurtiger.

    Und diese wirklich sinnvollen Projekte der Tagespolitik zu opfern – das ist nicht wirklich klug. 

    Dmitri Lekuch

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen

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    Tags:
    Bau, Protest, Appell, Umweltschutz, Ökologie, Aktivisten, Gaslieferungen, Gaspipeline, Nord Stream 2, SPD, CSU, World Wildlife Fund (WWF), Ostsee, Russland, Deutschland