14:38 17 Juni 2019
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    Mauer an der Grenze zwischen der Türkei und Syrien (Archiv)

    „Zusammenstoß von türkischen und US-Interessen“: Syrien-Initiative hat Folgen

    © AP Photo / Lefteris Pitarakis
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    Die US-Pläne, neue Sicherheitstruppen in syrischen Grenzgebieten aufzustellen und dabei auf Kurden zu setzen, ziehen weitere Kreise. Russische Experten sprechen von möglichen Auswirkungen – insbesondere auf die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei.

    Nach Ansicht des russischen Nahost-Experten Anton Mardassow ist die Initiative der US-Koalition vor allem für das syrische Grenzgebiet zum Irak aktuell und könnte dort militärisch tatsächlich zum Kampf gegen die Terrormiliz IS beitragen. Mardassow sagte dem Portal vz.ru, jene Gegend sei schwer zu kontrollieren, denn dort gebe es viele Erdrisse und Höhlen: „Um die dort verbleibenden Kämpfer effizient zu jagen, wären solche erneuerten Grenzkräfte erforderlich, die die Gegend gut kennen.“

    Orientalist Alexander Ignatenko machte aber auf den politischen Hintergrund aufmerksam. „Das bedeutet, dass die USA eine gewisse Enklave in Syrien bilden. Derzeit geht es darum, quasistaatliche Gebilde zu schaffen“, kommentierte er für „vz.ru“. Einen ähnlichen Vorgang hätten die Kurden im Norden Syrien bereits selbst gestartet, indem die sogenannte Föderation Nordsyrien dort ausgerufen worden sei, hieß es.

    Dass neue Sicherheitstruppen in syrischen Grenzgebieten entstehen sollen, hatte kürzlich Oberst Thomas Veale, Sprecher der US-geführten Koalition, angekündigt. Die „Defense Post“ zitierte ihn mit den Worten, die Koalition arbeite daran gemeinsam mit den Demokratischen Kräften Syriens (SDF). Die geplanten Truppen sollen laut Veale unter anderem entlang der irakischen und türkischen Grenze operieren.

    Wie die russische Zeitung „Iswestija“ erläutert, machen kurdische YPG-Milizen den Kern der SDF aus. Außerdem haben die „Demokratischen Kräfte“ einen arabischen Flügel; ihnen gehören auch Vertreter weiterer ethnischen Minderheiten an, die in Syrien präsent sind.

    Wladimir Fitin, Experte des Russischen Instituts für strategische Studien, kommentierte für Sputnik, es werde bei den Türken auf eine strikte Ablehnung stoßen, wenn die Kurdenmiliz die Grenze zur Türkei kontrolliere: „Sie werden alle möglichen Maßnahmen treffen, um das zu verhindern. Dies bedeutet nicht bloß Reibungen, sondern einen realen ernsthaften Zusammenstoß der türkischen und der US-Interessen.“

    Tatsächlich kritisierte die Türkei die Initiative der US-Koalition bereits scharf. Ibrahim Kalin, Sprecher von Recep Tayyip Erdogan, bezeichnete die YPG-Miliz als terroristisch und warnte die USA vor „Schritten zur Legitimierung“ dieser Organisation. Erdogan selbst kündigte einen türkischen Militäreinsatz an – ins Visier soll die nordsyrische Stadt Afrin rücken, die von den Kurden kontrolliert wird.

    Auch den russischen Außenminister Sergej Lawrow begeisterte die US-Initiative kaum. Er sagte, sie bedeute im Grunde eine „Absonderung eines riesigen Territoriums“ in syrischen Grenzgebieten und lasse befürchten, dass man damit auf eine Teilung Syriens zusteuere.

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    Tags:
    Grenzen, Truppen, Sicherheit, Demokratische Kräfte Syriens (SDF), IS, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Syrien, USA, Russland