08:36 21 Februar 2020
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    Im Vorfeld der Parlamentswahl in Italien überhäufen Politiker ihre Wähler mit Versprechen. Dabei haben die Kandidaten etwas gemein: Sie alle wollen unbedingt etwas abschaffen. In den sozialen Netzwerken machen sich die Italiener darüber lustig.

    So will beispielsweise der Demokrat und Ex-Premierminister Matteo Renzi die jährliche Gebühr für den Staatssender RAI und die Universitätssteuer für Studenten abschaffen. Matteo Salvini von der rechten Partei „Lega Nord“ will die obligatorische Impfung bei Kindern verbieten, während der ehemalige skandalöse italienische Premier Silvio Berlusconi von der Partei „Forza Italia“ (dt.: „Vorwärts Italien“) die unter Renzis Regierung verabschiedeten Arbeitsgesetze (Jobs Act) abschaffen will. Luigi Di Maio von der europaskeptischen Fünf-Sterne-Bewegung schlägt vor, sich von nicht weniger als 400 Gesetzen zu verabschieden.

    All diese Initiativen werden von manchen Wählern einfach belächelt. In den sozialen Netzwerken macht derzeit der Hashtag #AbolisciQualcosa (dt.: „Schaff‘ irgendetwas ab“) die Runde. Die Nutzer schlagen ihrerseits Dinge vor, die aus ihrer Sicht ebenfalls abgeschafft gehören: Pizzen mit Ananasstücken, Mütter-Communities auf WhatsApp, scharfe Möbel-Kanten, kleine Pasta-Portionen, Menschen, die in Kinos husten und die Sandalen mit Socken tragen, und vieles Anderes.

    An der ironischen Reaktion der Nutzer erkennt man, wie sehr die Italiener ihren Politikern misstrauen. Es fehlt im Lande laut dem Journalisten Federico Bezzi an konstruktiven Vorschlägen: In den letzten fünf Jahren hätten Italiener nur ein Wirrwarr von Gesetzesinitiativen von drei Regierungen erlebt.

    „Die Wirtschaftskrise wurde nicht überwunden, ein besonderer Fortschritt ist nicht vorhanden. Und Politiker haben sich für Versprechen entschieden, etwas abzuschaffen, anstatt etwas zu schaffen“, sagte Bezzi im Gespräch mit Sputnik.

    Das Volk nehme diese Wahlkampf-Versprechen nicht ernst: „Das Vertrauen in Politiker geht gehen Null. Die Italiener glauben ihnen nicht und machen sich über sie lustig.“

    Dass italienische Politiker alles wahllos abschaffen wollen, zeuge von fehlender Zukunftsvision. Es sei offensichtlich, dass der Wunsch nach Zerstörung die Oberhand gewinne, so Bezzi weiter. Es gebe in Italien keine einzige Bewegung, die bei Menschen Enthusiasmus wecken könne. Deshalb reagiere man auf die Wahlkampfversprechen auf diese besondere Weise: Das Volk glaube den Kandidaten nicht und lache sie aus, um bloß nicht zu weinen.

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    Hashtag, twitter, Wahlversprechen, Parlamentswahl, Silvio Berlusconi, Matteo Renzi, Italien